Raubtier in der Todeszone

Raubtier in der Todeszone?

„Wenn Leder auf Leder trifft …“, dann handelt es sich bestimmt um einen Radiowerbespot der Süddeutschen Zeitung, in dem die Fußballberichterstattungskompetenz des Blattes unterstrichen werden soll. Aber diese Zeiten sind spätestens seit der Jahrtausendwende vorbei. Leder kommt auf dem Fußballrasen der Profis längst nicht mehr vor, für Bälle und Stiefel der baltischen EM musste keine einzige Kuh und keine Sau ihr Leben lassen. Also muss man die Werbegurus der SZ schon darauf hinweisen, dass wirklich kompetente Berichterstattung dann einsetzt, „wenn Raubtierplaste auf Tanzelaste klatschen“.

Diese neuen Tretmaschinen sind mir suspekt. Nicht nur die Tatsache, dass zum Beispiel das schwarz-blau-rote Modell, das wir dieser Tage so häufig zu sehen bekommen, auf den anheimelnden Namen „Todeszone“ getauft wurde (die englische Originalbezeichnung macht es nicht besser), lehrt mich das Gruseln. Im Gruppenspiel zwischen Holländern und Dänen konnte man in Super-Zeitlupe zusehen, wie man aus den Balltretern Schlittschuhe macht: Sprunggelenk schräg stellen, Schwung mitnehmen und auf der seitlichen Plastikkufe über das regennasse Gras gleiten! – Bei solchen Bildern jodelt jeder Orthopäde erwartungsvoll.

„Ja ja, das ist der Materialmix“, höre ich Euch jetzt bestimmt gleich einwerfen. „Das kann ja nichts werden, Hightech-Spielgerät auf Gras!“ Unzulässiger Materialmix, Clash of Cultures, Alt trifft Neu …

Beruhigend ist, dass solche Probleme schon bald der Vergangenheit angehören werden. Auf internationalen Turnieren wird demnächst nur noch auf Kunstrasen gespielt, spätesten in Katar im Jahr 2022 wird es wohl so weit sein. Von da an ist es nur noch ein Wimpernschlag, bis die Ronaldos und Messis von Robo Erectus und seinen Kickerkumpels Predators abgelöst werden.

Das werden dann wieder Spiele wie im alten Rom: Kampf bis der letzte 16-Kern-Prozessor verglüht ist!

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