Die Schwäbische Brauerdiät

Diäten sind ja totaler Quatsch. Wer fastet, weiß doch längst, dass jedes Kilo, das sie oder er sich abschmachtet, nach wenigen Monaten wieder an den Rippen hängt – zusammen mit dem einen oder anderen zusätzlichen Fettpölsterchen, das vorher noch nicht da war. Wer sich trotzdem dem Diätwahn hingibt, hat entweder ein schlechtes Gewissen (siehe #Weihnachten, #Karneval oder #Fasching) oder ist Leser der Brigitte. Oder der Freundin. Oder hat eine Freundin zu Hause, die Leserin der Brigitte ist …

Aber lassen wir das und fassen zusammen: Diäten sind Quatsch. Außer man ist selbst betroffen.

Denn als ich unlängst morgens, ein paar Stunden später als üblich und daher ausnahmsweise mit vollständig geöffneten Augen, vor dem Badezimmerspiegel stand, bemerkte ich mit stirnrunzelndem Befremden, dass aus dem wortmischerlichen, durchaus altersgemäßen Bauchansatz mittlerweile eher ein pralles Wohlstandsbäuchlein geworden ist. Der freundliche Durchschnittsbayer würde zu mir sagen: „Du hast an Ranzen!“; der unfreundliche, aber ehrlichere spräche eher von einer „Wampen“. So steht es also um mich, ich mach mir da nichts vor.

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Meine erste und bislang letzte „Diät“ liegt genau sechsundzwanzig Jahre zurück. Damals hatte ich sie eher nicht nötig. Ich fastete hauptsächlich mit, weil ich damals einen Studienkollegen und Freund mental unterstützen wollte, der unbedingt ein paar Kilo abspecken wollte. Dieser Freund ist Sohn einer vielköpfigen und namhaften schwäbischen Bierbrauerfamilie, der sein eigenes Rezept mitbrachte, das durchaus Erfolge mit sich brachte; sowohl bei ihm, als auch bei mir.

Mir gefiel – und gefällt noch immer! – der Ansatzpunkt dieser Diät, der nicht in irgendwelchen Trennkostberechnungen, Entlastungstheorien, oder Das-darfst-Du-und-das nicht-Ideen besteht sondern in einer sehr simplen, aber strengen Variante der FDH-Ideologie. Ich fasse die drei goldenen Regeln einmal kurz und bündig zusammen:

1. – Iß, was Du willst und soviel Du davon essen willst. Ausgenommen sind Süßspeisen, also Zucker. (Diskutieren Sie das jetzt bitte nicht. Ich weiß, dass fast in allen Nahrungsmitteln Zucker enthalten ist. Sie wissen aber bestimmt, was ich meine!)

2. – Trinke, was Du willst und soviel Du davon willst. Ausgenommen sind lediglich jede Form von Alkohol und zuckerhaltige Getränke.

3. – Nach 15 Uhr – hossa! – gibt es absolut nichts mehr außer Wasser. Egal ob Leitungswasser oder Edelabfüllungen, Sprudelwasser oder stilles Wasser. Sonst nichts, bis zum Frühstück am nächsten Morgen. – Take this!

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Total einfach, oder? – Aber vielleicht fragt sich der eine oder andere, was das mit einer „Bierbrauerdiät“ zu tun haben soll angesichts der Tatsache, dass das Starkbier ja gerade für die Fastenzeit der Mönche erfunden wurde. Ich vermute einmal, gerade Brauer haben den Verzicht auf Bier einmal im Jahr dringen nötig.

Es fehlt eigentlich nur noch eine einzige, aber sehr wichtige Information, nämlich die Antwort auf die Frage nach der Dauer dieser Diät. Ich würde annehmen, dass es niemandem schaden würde, diese „Fastenkur“ auf den Rest des Lebens auszudehnen; Mangelernährung scheint mir ausgeschlossen. Das muss aber nicht sein; würde mir, ehrlich gesagt, auch nicht gefallen. Deshalb beschränke ich mich auf die klassische katholische Fastenzeit von morgen, dem Aschermittwoch, bis zum Ostersonntag. Obwohl ich ja so gar nichts mit dem christlichen Glauben am Hut habe. Aber das heißt ja nicht, dass es nicht auch gute Ideen gibt, die Katholiken gehabt hätten.

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Ich werde berichten. Sie können sich auch gerne anschließen. Unterstützung kann ich unbedingt gebrauchen.

Updates:
Am Dienstagabend im Himmel, 20.2.2013
While My Guitar Gently Weeps, 26.2.2013
Hablamos del silencio, 8.3.2013

Den Gürtel enger schnallen, 13.3.2013
Den Gürtel enger schnallen (2), 20.3.2013
Mein Freund Hermann, 25.3.2013
Tot ziens, Frau Fasten, 31.3.2013

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10 Kommentare

  1. Richtig, morgen ist ja Aschermittwoch! Wissen Sie was, Herr Wortmischer? Ich mach mit. Zwar unter etwas anderen Bedingungen (hier sind’s zuvorderst Kohlenhydrate, die verbannt werden) und weil ich ab 15 Uhr ganz sicher nicht durchhalten werde, setze ich meine deadline auf eine Stunde später.
    Damit hatte ich zuletzt vor zwei Jahren ganz gute Erfolge, es wirkt schnell und der Verzichtfaktor ist dabei gering.
    Also: Heute gibt’s hier zum Abschluss noch die so geliebten Spaghetti aglio, olio e peperoncino und dann bis Ostern keine Nudeln, Brot, Kartoffeln, Reis und bösartige Konsorten mehr.
    Tschakka! Wir schaffen das!

  2. Pingback: moggadodde » Formsache

  3. Ich bin in diesem Jahr im Strebermodus und faste bereits seit einer Woche. Mal gucken, ob ich mich nach dem Ende der Fastenkur deiner beschriebenen Methode bis Ostern anschließe. Klingt machbar, auch wenn ich nach 15 Uhr das Wasser auch durch Früchtetee ergänzen würde. Heißes Wasser alleine schmeckt eben nicht ;-)

  4. Pingback: Die Rückkehr des Sekretärs | Wortmischer

  5. Pingback: Hellauf & Platz da! | Wortmischer

  6. Die Diät ist aber brutal. Nach 15 Uhr nur noch Wasser. Da bringt mich meine Winterdepression um. :-( Ich weiß nicht, ob ich mich da anschließen kann, werter Kollege. Sonst eben weiterhin mit Wampen.

    • Wampe ist dieses Jahr gar nicht der Punkt. Aber es heißt ja, vier Wochen totale Leberschonung sind in unserem Alter ein wahrer Segen.

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