Geschichte von der Katze auf der Matratze

Bei Wortmischers kann es selbst an Arbeitstagen schon mal vorkommen, dass frühmorgens das Weckersummen zwei- oder dreimal weggedrückt wird und die Zeit nach dem Aufstehen bis zum Familienfrühstück ein wenig eng wird. So auch vorgestern, am Donnerstag. Von „Aufstehen“ konnte da kaum mehr die Rede sein, beim Bewegungsablauf nach zwanzigminütigem Snooze-Erlebnis handelte es sich eher um „elektrisierte Bettflucht“. Nach einem kurzen Badezimmerbesuch kehrte ich ins Schlafgemach zurück, um Kissen und Decken aufzuschütteln, während die Schmerzdame bereits am Herd zu hantieren begann.

Alarm! – Raschen Schrittes und mit deutlich erhöhtem Blutdruck begebe ich mich in die Küche.

Wortmischer: „Ey, die Katze, diese Sau, die hat in mein Bett geschifft!“ (In der Aufregung gerate ich mit den Tiergattungen ein wenig durcheinander.)
Schmerzdame: „Nee. Kann doch nicht sein!“

Nach sofortiger Tatortbesichtigung stehen wir beide perplex vor dem Bett. Das Laken ziert mittig – unter dem Katzenplatz – ein großer, nasser Fleck.

S.: „So ein Ferkel!“ (Auch die Schmerzdame zeigt sich artenbiologisch nicht sattelfest.)
W.: „%@§$Ch€¡$$€&#% …“

Die Katze flüchtet schockiert und schneller Pfote unter das Sofa im Wohnzimmer. S. kehrt empört murmelnd in die Küche zurück, ich ziehe unter unspezifischen, aber wüsten Beschimpfungen das Bett ab und starte die erste Waschmaschinentrommel. Nur eine Stunde später verlasse ich nach einer hinuntergekippten Tasse Kaffee mit verbrannter Zunge leiser schimpfend das Haus. Die Katze bleibt wohlweislich unter dem Sofa.

So ein Ferkel!

Zeitsprung. Gegen Mitternacht des gleichen Tages ziehen sich die S. und ich ins frisch bezogene Bett zurück. Unser Zorn ist weitgehend verraucht, die Katze bleibt aber trotzdem draußen. Auch wenn sie noch so jämmerlich maunzt. – Am Freitagmorgen surrt der Wecker wie immer um sechs Uhr siebzehn. Ich drehe mich zur Seite, um in der Dunkelheit den Snooze-Knopf zu ertasten und erstarre in der Bewegung: Ich wälze mich nicht etwa über meine Matratze sondern vollziehe eine Wende wie beim Bahnenschwimmen. Von meinem erhobenen Arm tropft mir rückenschwimmergleich Wasser aus dem durchtränkten Pyjamaärmel ins Gesicht. Abrupt setze ich mich auf und die Füße auf den Boden vor dem Bett.

W.: „ARGH!“

Ich sitze in einer zehn Zentimeter tiefen Pfütze. Wasser schwappt um meinen Allerwertesten. Die S. hinter mir auf der anderen Bettseite gibt gurgelnde Laute von sich. So muss das damals auf der Titanic gewesen sein. Draußen vor der geschlossenen Schlafzimmertüre zirpt die Katze. Der Wecker auf dem Nachttisch röhrt.

~

Auflösung: Es war nicht die Katze, es war die Matratze! (Wortmischers ruhen seit fünfzehn Jahren auf einem Wasserbett. Wieso hat uns niemand gesagt, dass die Matratzen platzen können?)

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