Motivation am Arbeitsplatz

Printing Shop, Tuskegee (ca. 1912, Library of Congress)

Die Firmenleitung stand vor einem Problem. Die Produkte des Unternehmens wurden zwar stark nachgefragt, aber die Effektivität der Angestellten war zu gering, um alle Anfragen zur Zufriedenheit der Kunden zu beantworten. Wie sollte es das Management anstellen, Produktivität und Motivation der Belegschaft anzukurbeln?

Die Geschäftsführung entschloss sich dazu, einen Vergleich verschiedener Motivatoren anzustellen. Die Hälfte der Angestellten erhielten eine Gehaltserhöhung um zwölf Prozent sowie Firmenwägen zur privaten Nutzung. Die andere Hälfte bekam eine Abteilungskaffeemaschine einschließlich kostenloser Versorgung mit Verbrauchsmaterial und Keksen. Man wollte prüfen, mit welchen Maßnahmen die Mitarbeiter besser motiviert werden konnten.

Das Ergebnis überrascht wahrscheinlich niemanden: Die Stimmung in der Kaffeefraktion stieg, die Arbeitsergebnisse wurden deutlich besser, die Kunden reagierten hochgradig zufrieden. – Die frisch gebackenen Firmenwagenfahrer hingegen enttäuschten auf der ganzen Linie. Dank der Rush Hour kamen sie alle immer zu spät zur Arbeit, fanden keine Parkplätze und waren entsprechend übel gelaunt. Außerdem ärgerten sie sich darüber, dass für sie kein Kaffee und keine Kekse bereit standen. Einer der automobilen Angestellten setzte seinen Wagen bereits in der ersten Woche in den Graben und verbrachte selbst drei Monate im Krankenhaus. Einem zweiten stieg der plötzliche soziale Aufstieg derart zu Kopfe, dass er den brandneuen Firmenwagen unter ungeklärten Umständen in die Ukraine verkaufte und sich nach Südamerika absetzte. Und ein dritter verjubelte nicht nur seine Gehaltserhöhung sondern gleich sämtliche Ersparnisse im Spielcasino, so dass er a) sich scheiden ließ, b) Privatinsolvenz anmeldete und schließlich c) in Schimpf und Schande vom Firmenhof gejagt werden musste.

Als dann die Kaffeetrinker mitbekamen, dass es neuerdings Firmenwagenfahrer mit Gehaltserhöhungen gab, sie selbst aber diese Privilegien nicht erhielten, kam es zur offenen Rebellion. In den Büros der Geschäftsleitung wurden während eines Wochenendes hunderte von Aldi-Kekspackungen zerbröselt und unter Zugabe von reichlich Brühkaffee in Auslegeware, Sitzmöbel und PC-Tastaturen dauerhaft eingearbeitet. Erboste Angestellte blockierten mit ihren Firmenwägen die Zufahrten zu den Privatwohnsitzen der Firmenleiter, in den Vorgärten skandierten Mitarbeiter und deren Familienmitglieder, Freunde und Bekannte revolutionäre Hymnen. – „Venceremos!“, „No pasarán!“, „Kekse, Kaffee und Autos für alle!“, „Wir pissen auf Eure Rosen und in Eure Swimmingpools!“, „Wer sind diese Arschlöcher, auf deren Rasen wir kacken?“

Letztlich wurden die Revoluzzer durch Polizeigewalt mit militärischer Unterstützung entfernt und in Haft genommen. Der Vorwurf des Landfriedensbruchs wurde allerdings durch das Hohe Gericht negativ beschieden. In der Urteilsbegründung hieß es wörtlich:

„Es ist nicht einzusehen, dass verdiente Mitarbeiter eines Unternehmens mit billigen Trockenkeksen abgespeist werden. Es ist eine Schande, dass Unternehmen ihren Angestellten lediglich gepressten Wüstensand an Stelle von leckeren Backwaren mit Schokoladen- oder Marmeladefüllung zugestehen. Diese Entscheidung hat im Übrigen auch Feststellungscharakter für die Versorgungseinrichtungen von Amts- und Landgerichten der BRD.“

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