Präsidenten, Prinzen, Priester

Es gibt Leser, die der Ansicht sind, ein Blog sei nur ein Blog, wenn in ausreichendem Maße Katzenkontent angeboten würde. Ich selbst finde, einmal im Jahr sollte jeder Blogger über Katzen schreiben. Deshalb mach ich das jetzt mal.

Unsere Tigerin hatte ich ja bereits im Rahmen der Bettnässergeschichte vorgestellt. Was ich dabei im letzten Jahr verschwieg, war die Tatsache, dass unsere Katz‘ keinen richtigen Namen hat. Schuld daran ist die Demokratie. Ja, so ist das. Echt jetzt.

Bei der Namensgebung für Haustiere ist man ja sehr frei in der Auswahl. Als beispielsweise die Töchter meiner Schwiegereltern Mitte der Siebzigerjahre einen jungen weißen Kater nach Hause brachten, hieß der zunächst fantasielos und schlicht Kater. Erst als 1977 ein gewisser Jimmy Kater Carter US-Präsident wurde, riefen alle das Krallenmonster nur mehr Jimmy. Nach Jimmys, des Katers, Tod wurde sein Nachfolger ohne lange Diskussionen auf den Namen Tscharlie getauft. Pate stand der Hauptdarsteller aus der überirdischen TV-Serie Münchner G’schichten.

Danach folgten für mich lange katzenlose Jahre im Aus- und Ostland. Erst vor zehn Jahren lief uns im neuen Familienschloss ein nachtschwarzer Katzeneunuch zu, den wir ohne Zögern nach der damals aktuellen Kinderlektüre Sir Peter Lamorak riefen. Als kurze Zeit später der pelzige Ritter Gesellschaft bekam in Gestalt eines schwarz-weiß gefleckten (ebenso ehemaligen) Katers, schlug meine Stunde: Ich setzte mich gegen den profanen Vorschlag Kuhtze durch mit dem Namen einer Märchenfigur Wilhelm Hauffs, Chakamankabudibaba, den ich dem genialen Roman Der Turm von Uwe Tellkamp entlehnte. – Über Jahre hinweg lebten wir in glücklicher Gemeinsamkeit; die Kinder hatten ihren Lamorak, ich meinen Chakaman und die beiden Kater sich gegenseitig.

Das Idyll endete – wie so oft auch im Menschenleben – mit der Ankunft einer Frau. Der Wortmischerschwager, seines Zeichens Tierarzt, schleppte eine herrenlose, magere rotgetigerte Katzendame mit räudigem Fell an, die unserer Pflege bedurfte. Die Tigerin erwies sich als Kratzbürste und vergraulte die beiden Eunuchen; erst Chakaman, dann auch der Sir ließen sich immer seltener blicken, suchten sich offenbar neue Zuhause.

Die Katzendame nahm’s gelassen und zirpte stimmlos vor sich hin, wann auch immer sie einen menschlichen Dosenöffner zu Gesicht bekam. Das Problem jedoch war ihr Name. Der Schwager hatte sie Liesl gerufen, doch diesen Namen fand niemand ansprechend. Also machte ich einen Vorschlag, den ich noch bitter bereuen sollte:
„Wir stimmen demokratisch über den Namen der Katze ab! Jeder darf zwei Vorschläge abgeben, dann hat jeder zwei Stimmen: Die Erststimme bedeutet zwei Punkte für den gewählten Namen, die Zweitstimme nur einen Punkt.“

Dies führte dazu, dass jedes der fünf stimmberechtigten Familienmitglieder seinen eigenen Lieblingsnamen mit der Erststimme wählte, wodurch fünf Namensvorschläge jeweils zwei Punkte erhielten. Die Zweitstimmen wurden jedoch strategisch vergeben, was dazu führte, dass sich vier Wähler sicherheitshalber für den blödesten Namensvorschlag entschieden, der in der Liste zu finden war. Jeder dachte, dass diesen keiner der anderen aussuchen würde – frei nach dem Motto: Ich wähle den Kandidaten, den niemand sonst will, der wird es ja bestimmt nicht!

Die Wahl endete im demokratischen Debakel mit vier Stimmen für den Namen Tonks. Harry Potter lässt grüßen. Dummerweise mag niemand von uns diesen Namen, und deshalb ruft ein jeder unsere Katzendame, wie es ihm gerade beliebt. – Kitti, Katze, Zirpilette, oder wie auch immer.

Allerdings habe ich jetzt einen sehr tollen Namen für sie gefunden. Die Dame wird nämlich derzeit ziemlich füllig um die Hüften, sie hat bereits Zeppelinform. Außerdem wurde ihr nach einer Schlägerei in der Nachbarschaft zur Wundversorgung eine runde Tonsur mitten auf dem Kopf geschoren. Seither heißt sie ohne Rücksichtnahme auf Geschlechterkonventionen für mich …

Der Fette Mönch

der Fette Mönch.

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2 Kommentare

  1. Boah, geht ja gar nicht!

    Wir haben eine unserer Katzen „Murmel“ getauft, weil sie sich immer den Bauch vollgeschlagen hat, bis sie aussah wie eine ebensolche.
    Dementsprechend wäre hier ja „Hindenburg“ oder „Gräfin (Zeppelin)“ angebracht.
    Nur meine paar Pfennig, :-)
    Cheerio,
    der Mechatroniker

  2. Eine schwierige Entscheidung. Der „Fette Mönch“ passt ja auch weder der Familie noch den Besuchern. Die finden, der Name wäre gemein. Aber bei „Gräfin“ müsste ich dauernd an den Herrn Glumm denken. Und ist die „Hindenburg“ seinerzeit nicht explodiert? Das wäre ein schlechtes Omen.

    Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen ;-)

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