Drei tote Freunde

Ich sagte ja, ich lese mich seit Zeiten mit Leidenschaft durch die Bloggeria. Dabei sind mir einige Schreiber ans Herz gewachsen, von denen leider so manche irgendwann das Handtuch geworfen haben. Oft merkt man ja erst, wer einem wirklich viel bedeutet hat, wenn sie oder er nicht mehr da ist und die lieb gewonnene Lektüre ausbleibt.
Ich starte also in meine Blogvertretung mit einer Erinnerung, einer Hommage an meinen persönlichen Club der (un)toten Dichter. Wer Langeweile hat, könnte sich bestimmt an der einen oder anderen Stelle festlesen, sag ich mal:

Die Schickse – Als „platinplont & plauäugig“ bezeichnet sich die Dame im Untertitel ihres Blogs. Ich liebte ihre Einträge und Geschichten, weil sie so locker unterhaltsam dahinplätscherten und dabei immer präzise geschrieben waren. Sie versuchte oft, ein wenig über den Dingen zu stehen, über die sie schrieb. Aber die Dauerleserin merkte bald, dass es alles Themen waren, die sie selbst betrafen oder ihr sehr nahe gingen.
Außerdem bediente die Schickse meine niederen Instinkte mit … *hüstel* … Sexgeschichten, die sie gerne in den Regelbetrieb ihrer Einträge einbaute. Zum Beispiel die Episoden über „die M.“, „die P.“ und sie selbst in den „Wybergeschichten“. Ja, ich gestehe, die habe ich auch gern gelesen.
Im Jahr 2006 veröffentlichte die Schickse auf ihrem Blog eine acht- oder neunteilige, bemerkenswerte Kurzgeschichte. Und von da an las man nie wieder etwas von ihr. Wirklich traurig.

Tante Emma rechnet ab – Natürlich hieß Tante Emma nicht Emma. Aber auf jeden Fall rechnete sie ab. Und zwar gründlich, mit ihrer Umgebung und der Welt.
„Servicewüste Deutschland, das sind wohl die beiden Reizworte bei denen Emma am liebsten mit doppeltem Flickflack über das Kassenband fegen möchte, gekonnt wie Zorro auf dem abschließenden Packtisch zum Stehen kommt und lauthals verkündet, dass nun Schluss ist mit Runterschlucken, jetzt packt sie aus, jetzt rechnet Emma ab.“
Im Sommer 2006 aber ist Emma scheinbar die Registrierkasse abhanden gekommen, denn seither wird leider nicht mehr abgerechnet.

Poodlepop – Um den Herrn Poodle ist es ewig schad. Er steht hier als letzter meiner drei Toten, weil sein Blog inzwischen gar nicht mehr existiert, es wurde gelöscht. (Update: Deshalb habe ich nachträglich eine der letzten Versionen in der Wayback Machine bei archive.org verlinkt.)
In Erinnerung habe ich ihn bis heute wegen seines damals ungewöhnlich minimalistischen Designs und der unglaublichen Wortgewalt seiner Beiträge. Etwas Vergleichbares habe ich seither nicht mehr gelesen. Ellenlange Tiraden, die jedoch niemals langweilig wurden.
Das Beste aber waren die Diskussionen, die sich in den Kommentaren zu Poodles Texten ergaben. Hitzig, kontrovers und beinhart im Umgang miteinander, aber immer so spannend! Er fehlt mir sehr, der Herr Poodle.

Reqiescant in pace. Mögen sie alle drei in Frieden ruhen.

Eure Charlotte

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14 Kommentare

    • Ach was! Wie bist DuSie denn darauf gestoßen? Ich meine, die Fotos auf der Graustelle sind ja wirklich toll, zum Teil. Allein es fehlen dort die Worte!

    • Die nicht vorhandenen Texte gibts auf http://www.achtelmond.de
      Wenn da nicht jemand mit demselben Namen ins selbe Haus eingezogen ist, dann sind diese zwei Domains fest in der Hand dessen, der auch Poodlepop gemacht hat.

      Ich habe (wie inzwischen auch im Artikel beschrieben) auf Archive.org nach dem beschriebenen minimalistischen Design und den gewaltigen Worten geschaut. Den Rest meines Dreisatzes verrate ich nicht :-)

    • Geheimrezept? Der Poodle wird doch nicht Dein Bruder sein, oder so?

    • Neeee, nix dergleichen! ;-)
      Aber ich will mal net so sein: Sowohl der gute alte Poodlepop als auch die beiden neuen Seiten haben ein ordnungsgemäßes Impressum. Und den Rest erledigt dann Google …
      Wär das so in Ordnung, euer Ehren?

  1. Vielleicht sind sie gar nicht tot, die toten Dichter. Sondern auferstanden von dem Toten und schreiben woanders. Oder sind längst berühmt. Frau Emma rechnet vielleicht beim Konsumentenschutz ab und Frau Platinplond schreibt Erotik-Bestseller.

    Zum Glück gibt es im Club der lebenden und lebendigen Dichter auch ein paar Perlen, wenn sie auch nicht platinplond sind.

    (Also ich hab Ihren ersten Beitrag sehr gern gelesen!

    • Ich hoffe doch sehr, dass die drei nicht wirklich tot sind! Todesanzeigen aus der Bloggeria kenne ich persönlich bloß zwei: die vom Neobazi und von der Frau Faust.

      Und lebendige Perlen stehen auch noch auf meinem Merkzettel ;-)

      (Danke sehr für die Ermutigung. Ich war tatsächlich schon fast so weit, meinen Frühstücksbeitrag mittags schon wieder zu löschen. Wegen nagender Selbstzweifel. Jetzt habe ich ihn aber doch stehen lassen.)

  2. zu den niederen instinkten und weil sie schon so lang lesen (nb: wie hält man das aus, nie was dazu zu sagen? …): haben sie vielleicht auch „das weib“ gelesen? das blog ist mir grad eingefallen bei denen, um die es schon lang schad ist …

    • Das Weib? Nein, kenn ich nicht. Aber wenn es irgendwo noch Relikte gibt, so wie von der Schickse, dann kann man in den Kommentaren auch Links setzen! Wo ist hier der nächste Zaunpfahl?
      (Der Mechatroniker macht das mit den Links sogar, obwohl er bestimmt schon gemerkt hat, dass Kommentare mit Links in der WordPress-Vorhölle schmoren, bis ich sie dort entdecke und herausfische.)

      Warum ich nie kommentiert habe? Aus irgendwelchen Gründen ist für mich das Kommentieren mit dem Selber-Schreiben verbunden. Und ich finde es jetzt ehrlich gesagt auch nicht ganz unanstrengend, mich aller Kommentarketten zu erinnern und sie zu verfolgen.

  3. Auch die Nachtschwester sich letztes Jahr leider eingereiht in die Riege der b.a.w. Verstummten. Nach gerade mal einem knappen Jahr hoffe ich immer noch, dass sie ihre Stimme(ung) wieder findet. … Ihnen wünsche ich eine gute Vertretungszeit – der Anfang liest sich doch schon gut.

    • Oh ja, bei der habe ich auch gerne mitgelesen und war dann ziemlich erstaunt über ihren brachialen Abschiedstext. (Konnt ihn aber nachvollziehen.)

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