Normal?

Es gibt da diesen Familienchat. Den verwenden wir, um die Kommunikation zwischen den Generationen aufrecht zu erhalten. Die eifrigste Nutznießerin ist die Oma. Zwar kann sie kein Mobiltelefon bedienen, drängelt den Opa aber alle paar Stunden, endlich wieder nachzusehen, ob oder was die Enkel geschrieben haben. – „Haben sie auch ein Bild mitgeschickt?“

Opa und Oma senden gerne Luftbildaufnahmen ihrer Weißwurstteller hinaus in die Familienwelt. Ich weiß nicht, ob sie wissen, dass sich ihre beiden Vegetarier-Enkelinnen davor grausen. Aber Fotos sind ihnen halt wichtig. Notfalls eben Weißwurstporträts.

Wiener Türkenkirche

Sorgen mache ich mir nicht um Oma oder Opa sondern um Tochter 3.0. Die ist derzeit nämlich auf Klassenfahrt mit der Kunstlehrerin und dem Geschichtslehrer. Innerhalb von zwei Tagen hat sie den Familienchat um fünfzehn Fotos bereichert, alle so wie das da oben.
Dazu schreibt sie Texte wie: „Lustigerweise wurde diese Kirche zu Zeiten gebaut, als die Türken Wien besetzten, deshalb sieht sie einer Moschee sehr ähnlich, trotzdem zieren biblische Motive die Säulen. #wiederwasgelernt“

Was machen die da eigentlich? Wieso sehe ich dauernd Architekturfotos aus Wien? Keine einzige Aufnahme aus der Disko oder der Kneipe oder vom Prater? – Gibt es womöglich in Wien gar kein Amüsement sondern nur Geschichtsträchtiges? Ist das normal?

Sagt doch mal jemand was dazu, der sich auskennt. Sonst werd ich hier noch verrückt!

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10 Kommentare

  1. In Wien ist einfach alles geschichtsträchtig, auch der Prater. Das mit den Minaretten an der Karlskirche hab ich so genau auch noch nie wahrgenommen.

    Ich weiß ja noch, wie meine Tochter in Rom war, da bekam ich auch solche Bilder. Für Disko und Amüsement war sie nämlich zu müde, weil sie ganzen Tag durch die Stadt gelatscht sind. Vielleicht verhält es sich mit Ihrer Tochter ja ähnlich?

    • Na ja, aber so ein bisserl Amüsement wär schon auch angebracht, denk ich. Wenn ich mich an meine eigene Klassenfahrt nach Florenz vor fast 40 Jahren erinnere …

  2. Ich finde das auch nicht normal. Während sich unsere Klasse seinerzeit die Florentiner Domkuppel ansah, war ich mit ein paar „Kollegen“ in einer ranzigen Kellerkneipe Billard spielen. Fotos habe ich nicht gemacht, Handys gab es ja noch nicht und ein Knipsdings war mir zu umständlich.
    (Im Übrigen finde ich Ihre Silbentrennung ein wenig gewöhnungsbedürftig. Ich habe da nichts gegen und weiß ja auch, dass da mittlerweile alles möglich ist, aber wie das Wien in Zeile 8 zerstückelt wurde, erinnert mich das irgendwie an die Besetzung durch die Türken: es ist irgendwie nicht ganz falsch, weil sie Wien ja umlagert hatten und somit durchaus auch den Kern beherrschten, aber andererseits war es eben doch nur eine Belagerung, denn die Stadt Wien wurde meines Wissens nie von den Türken besetzt. Entschuldigung, ich habe heute meinen besonders rechthaberischen Tag.)

    • jetzt les ich den text zum gefühlten 23. mal und komm nicht drauf, wie und warum und wo wien zerstückelt wurde.

  3. Was machen die da eigentlich? Wieso sehe ich dauernd Architekturfotos aus Wien?

    Zweiter Absatz, erste Zeile. Ich vermute aber es ist davon abhängig, von wo aus man liest, von meinem Handy aus, ist es nämlich nicht getrennt worden, weil die Zeilenlängen unterschiedlich dargestellt werden. Bei mir ist Wien übrigens so getrennt: „Wi-en“.

    • Ja ja, die Silbentrennung, ich weiß. Natürlich ist die browserabhängig und auf meinem PehZeh wird Wien auch zwischen i und e getrennt. (Aber was soll man machen, so als Unwilliger, die Programmierung selbst in die Hand zu nehmen.)

      Geschichte war übrigens schon immer mein Schwachpunkt. Scheinbar hat Tochter 3.0 dieses Gen von mir geerbt. (Wenn man voraussetzt, dass der Fehler nicht schon vom begleitenden Geschichtslehrer in die Welt gesetzt wurde. Ich muss das wohl klären, allein schon wegen des enormen öffentlichen Interesses. So viele Kommentare hatte ich ja schon lange nicht mehr unter meinen Zustandsberichten.)

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