Hessian Wisdom

Im Irish Pub fließt das Bier in Strömen. Ich sitze vor meinem zweiten Killkenny und schweige. Nicht dass ich meiner Begleitung nichts zu sagen hätte. Aber die Paddies oben auf der Bühne veranstalten einen derartigen Radau, dass an Unterhaltung nicht zu denken ist. Gerade sind sie in einer Pogues-Session und The Band Played Waltzing Mathilda.

Als die Musik verstummt, setze ich zu einer Bemerkung an. Doch das Gespräch zweier Nachbarn lässt mich verstummen. Der eine klingt unverkennbar wie ein Texaner, sein Gegenüber spricht passables Englisch, jedoch mit einem satten hessischen Akzent:
„Yes, our cities‘ names have real meanings, in many cases. Frankfurt by example is the location where the historical Franks crossed the river Main, using a natural passage through shallow water.“
So weit so gut, denke ich, und auch meine Begleitung spitzt jetzt die Ohren.

„And what does Wiesbaden mean?“, fragt der Texaner nach. „That’s where my unit is garrisoned. Ye know what I mean?“
„Well, Wiese means meadow, and baden means taking a bath„, trumpft der Hessenmatador auf. „Wiesbaden is the location where people took a bath in the meadows alongside the rivers Main and Rhine, in the past.“

Ich verschlucke mich an meinem Killkenny, meine Begleiterin grinst breit. Sie ist Geschichtslehrerin und könnte sicher besser erklären als ich, was es mit dem Volksstamm der Wisibada auf sich hatte.
Aber die beiden Ethymologieforscher sind schon ein paar Kilometer weiter. Der Amerikaner erzählt, dass er ja bis Herbst 2008 noch in Darmstadt stationiert war und fragt, ob dieser Städtename auch irgendeine Bedeutung hätte.
Sein verhinderter Fremdenführer kommt nur kurz ins Stocken, bevor er übersetzt: „Intestinal City?“

Diesen Blick in den Augen des Texaners, eine Mischung aus Ungläubigkeit und unverhohlenem Ekel, werde ich so schnell nicht vergessen …

Meinen herzlichen Glückwunsch an die Darmstädter Lilien zum Aufstieg in die Erste Bundesliga!
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3 Kommentare

  1. Das beste Bild zum Aufstieg von Darmstadt sah ich gestern Abend in der Tagesschau. Man zeigte ein Foto, auf dem ein Spieler an einem anderen hochgesprungen war und ein dritter ihn mit der Hand genau da unterstützte, wo der Darm seinen Ausgang hat.

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