Batman Go Home!

Turtel 4 Pidgeon Air Patrol

Gestatten, mein Name ist Turtel und ich bin ein großer Fan der Digitalen Revolution. Ihr verdanke ich nämlich meinen interessanten und absolut krisensicheren Job. Ich bin Angestellte bei der Pidgeon Air Patrol. Mit meinem kleinen elektronischen Rucksack fliege ich den ganzen Tag lang durch London, dafür bekomme ich 1a-Verpflegung und gratis tierärztliche Versorgung. Im Flug misst mein Rucksack verschiedene Komponenten der Luftverschmutzung, und alle Londoner können sich per Twitter die letzten Messungen in ihrem Stadtteil zuschicken lassen.

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Schweißgebadet fahre ich aus dem Schlaf hoch und reiße die Augen auf. – Verrückt. Total verrückt! Ich habe eben tatsächlich von einer Taube namens Turtel geträumt, die sprechen konnte und mir eine völlig abgefahrene Geschichte über sich und ihre geflügelten Freunde ins Ohr gegurrt hat: Sie fliegen alle mit so einer Art Smartphone auf den Rücken durch die Stadt und sammeln Umweltdaten. Hat man so etwas schon gehört!?

Soweit kommt es noch. Wie hoch war gleich noch die Smartphonedichte innerhalb der Taubenpopulation weltweit? Verwenden Brieftauben neuerdings Google Maps zur Zielführung? Senden sie sich gegenseitig WhatsApp-Botschaften: „Muss noch den Habicht abschütteln. Komme zehn Minuten später. XOXO“?
Ich muss unbedingt mehr auf mich achten, ich beginne bereits zu halluzinieren. Dabei trinke ich doch seit fünf Wochen keinen Alkohol*. Vielleicht sind das ja auch Entzugserscheinungen?

Langsam geht mein Puls zurück in beruhigende Nähe des Ruhewertes. Ich setze mich an den Bettrand und blicke gähnend durchs Fenster hinaus in den strahlend blauen Morgenhimmel. Draußen auf der Balkonbrüstung sitzt Turtel eine Taube. Zwischen den Flügeln trägt sie ein merkwürdiges schwarzes Kistchen auf ihren Rücken geschnallt. Mir schwinden die Sinne …

(via TechCrunch)

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*) Fastentage: 36
Gewicht: minus 4 Kilo (das reicht, dünner darf nicht.)

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23 Kommentare

    • Ach, wissen Sie, um Turtel war mir nicht bang. Die hätte ja nötigenfalls ihren 10.001-ten Flügelschlag tun können, um nicht im Garten zu zerschellen. Ihr unglaublicher Rucksack wars, der mich an meiner geistigen Gesundheit zweifeln und gnädig in eine Ohnmacht gleiten ließ.

  1. Übrigens, die Musik in dem Video (vom Link) scheint mit dem Hang gemacht zu sein. Ich mag den Klang dieses Instruments sehr. Gut, die Schweizer habens erfunden.

    • Puh, was Sie alles hören! – Nach einem YouTube-Kurzstudium für Hang-Musikanten sowie dem wechselweisen Anhören von Hang-Bang und der Taubenhintergrundmusik neige ich dazu, Ihnen das absolute Gehör zuzusprechen. Wobei ich mich auch täuschen könnte. Diese Schweizer!

  2. Sorry, dass ich mich nochmals melde. Aber Sie kommen mir ein bisschen unheimlich vor mit ihrer Erzählung von den Tauben. Waren Sie vielleicht doch unlängst in St. Pölten mitten im Publikum des Kinosaals, als ich die Geschichte mit der Taubenscheisse vorlas?

    • Nein! War ich nicht, ich schwör! Aber die Geschichte würde mich in der Tat interessieren. (Und wahrscheinlich nicht nur mich!)

    • Das glaub ich Ihnen aufs Wort, dass Sie sich (und vermutlich viele, vor allem die mich persönlich kennen) für diese Geschichte interessieren! Das Thema lautete ja: Jungendsünden. Doch das Ding lagert in handschriftlichen Aufzeichnungen, die ich erst einmal in den PC tippen müsste. Dazu fehlt mir im Augenblick die nötige Zeit. Beim Tagebuch-Slam ist es Bedingung, aus dem original alten Tagebuch zu lesen. Daher handgeschrieben.

    • Ach, wie schade. Ich wusste gar nicht, dass es tatsächlich Tagebuchlesungen gibt, die Vorgaben an das Quellmedium machen. (Ich habe gar kein Tagebuch aus Papier.)

    • Tja, ich bin mit 33 in eine extrem schwierige Lebenssituation geraten. Das Tagebuchschreiben half mir damals, zu klären, zu verstehen, Lösungen zu erarbeiten und (wieder) zu mir selbst zu finden. Heutzutage würde man sagen: Eine Art des selbstreflexiven Tagebuchs. Zum Teil auch mit der Funktion des selbsttherapeutischen Schreibens. Später habe ich das literarische Tagebuch für mich entdeckt.

      Mir ist klar, Tagebuchschreiben wird allgemein eher belächelt, als geschätzt. Tagebuchschreiben gilt, abgesehen von den Tagebüchern bekannter Persönlichkeiten, als etwas für kleine Mädchen, Girlies, hoffnungslose Romantiker(innen) und hysterische Weiber. – Dabei zeigt diese Form des Schreibens viele Facetten und Wirksamkeiten.

    • Für kleine Mädchen, Girlies, Romantiker und hysterische Weiber? – Das kann ich gar nicht nachvollziehen. Viele Blogger machen doch auch nichts Anderes als Tagebuch zu schreiben, wenn auch formal kodiert wegen der Öffentlichkeit. Ob man sein Tagebuch digital oder mit dem Stift führt, ist eine sehr persönliche Frage. (In Ihrem Fall und angesichts Ihrer Handschrift wäre es geradezu eine Versündigung, kein handschriftliches Tagebuch zu führen :-)

    • Wobei sich das Tagebuch vom Blog in einem wesentlichen Punkt unterscheidet. Im privaten Tagebuch vertiefen sich die Schreibenden unter dem Ausschluss jeglichen fremden Lesens. Während wir uns im Blog einer Öffentlichkeit bewusst sind, schon wenn wir die Überschrift verfassen. Hier wird mit Lesern gerechnet. Oder sogar auf viele Klicks spekuliert, die den Counter in die Höhe treiben.

    • In der Tat, das ist wohl wahr, wenn man die geschlossenen Blogs ausnimmt.

  3. Tauben sind die neuen Drohnen, scheint mir. Da sieht man mal wieder, welche seltsamen Entwicklungen die Wissenschaft nimmt: erst erfinden sie die Bionik, um aus der Natur das beste herauszunehmen und technisch umzusetzen, und dann stellen sie fest, dass die Natur nicht zu imitieren ist, sondern das Beste sowieso schon bereit hält.
    Ich frage mich nur, inwieweit die Luftverschmutzung in London plötzlich zunimmt, aufgrund der Tatsache, dass Tauben Vögel sind, die da scheißen, wo sie wohnen. Aber vielleicht riecht Taubenscheiße ja gar nicht und dünstet auch gar nichts aus.
    Und wenn die Tauben am Boden nach Dingen picken, dann fühle ich mich stadtteiltechnisch in Luftverschmutzungsdingen auch sehr gut repräsentiert, denn ich krieche ja auch immer über den Fußweg mit der Nase am Boden, um vielleicht ein paar heruntergefallene Krümel aufzupicken.
    Aber vielleicht lernen die Bioniker ja noch dazu und stellen fest, dass Schmetterlinge die viel besseren Indikatoren für Luftverschmutzung sind, denn da, wo die Luftverschmutzung zu groß ist, da fliegen die gar nicht erst hin.

    • Tauben vs. Schmetterlinge? – Auf der Internetseite der Täubchen-Luft-Patroullie wird als nächste Generation von Detektoren weder auf Tauben noch auf Schmetterlinge gesetzt. Vielmehr will man es mit Menschenversuchen angehen. Die Luftverschmutzungs-Mess-Klips für Revers oder Rucksack sind schon in der Entwicklung, wie es heißt.
      Aber so ist das ja in der Wissenschaft üblich: Erst Tierversuche, dann menschliche Probanden.

    • Schmetterlinge sind noch vielmehr Anzeiger für Biodiversität und die (leider zunehmende Intensivierung der) landwirtschaftliche(n) Nutzung. Schmetterlinge fliegen nur dort, wo sie a) Nahrungsraum finden und b) wo sie ihre Eier ablegen können. Meistens sind das unterschiedliche Pflanzenarten, von denen sich Schmetterlinge mit Nektar ernähren, und die Pflanzenarten, von denen sich dann die geschlüpften Raupen ernähren können.
      —-
      Nur ein Beispiel für Intensivierung: Eine Erhöhung der Schnitthäufigkeit von Grünland um einziges Mal bringt bereits eine wesentliche Änderung des Pflanzenbestandes im Grünland mit sich. Vor allem Wildkräuter und Wildblumen gehen (drastisch) zurück und Gräser nehmen im Bestand zu.
      Doch gerade die vielfältigen Wildkräuter und Wildblumen liefern den Nektar für die Schmetterlinge (und Insekten, die wiederum Nahrung für die Vogelwelt sind). All die schönen Blüten in den Hausgärten und auf den Balkonen sind nur dann für Insekten und Schmetterlinge von Wert, wenn es ungefüllte Blüten sind.

  4. Zu den Taubenflügen von Pidgeon Air Patrol, die Asthmatiker und die Allergiker in London wird das freuen. Vermutlich. Und das Unternehmen, wenn es für diesen Dienst anständig bezahlt wird.
    In Wien sind die Leute nicht so begeistert von den (gewöhnlichen) Tauben. Die Sch…e an und in den Gebäuden. Und ich erinnere mich noch an den alten Westbahnhof vor dem Umbau zur Modernisierung, da flogen die Tauben aus und ein und saßen drinnen auf den Brüstungen des altehrwürdigen Bahnhofsgebäude, wo unten die Leute gingen. – Aber um das gings nicht in meiner Geschichte, die ich vorgelesen hatte ;-)

  5. Ja, die Taubenliebe hält sich wohl fast allerorten in engen Grenzen. Einer meiner Bekannten hat ein Schädlingsbekämpfungsunternehmen*; der sagt, am meisten Kohle macht er mit der sogenannten „Taubenabwehr“, also mit diesen lang- und dünnnadeligen Geflechten, die man auf Simsen und Statuen anbringt, damit die Ratten der Lüfte nicht mehr landen können wollen.

    *) Ich hab mich nicht getraut, ihn schlicht als Kammerjäger zu bezeichnen, er ist da ein wenig empfindlich.

    • Früher hat man Taubeneier gegessen – und in Notzeiten Tauben gefangen und in der Suppe gekocht. War vermutlich so köstlich wie heutzutage die berühmt berüchtigte Hühnersuppe.

    • Tauben essen? Kommt bei mir in der Unbliebtheitsliste direkt nach Ratten grillen ;-(

    • :-)
      Na geh. Tauben sind auch nicht viel was anderes als Hühnervögel. Nur, dass die Tauben muskulöseres Fleisch haben, weil sie sich wegen dem Fliegen mehr bewegen, als die in kurzer Zeit hochgezüchteten (dicken) Masthühner. Ähnlich vergleichbar wie … Fleisch von Wildschwein und von Hausschwein.

  6. Achje, dürfen nicht mal die ollen Mistviecher mehr nutzlos sein? Ich dachte, die seien lediglich dazu da, überfahrene Artgenossen vom Pflaster zu picken (machen die!) und sich von kleinen Kindern jagen zu lassen („Leon, nicht die Taube, die trägt doch einen Rucksack!“).

    Ausnahmen bestätigen die Regel.

    • Cher Ami. Was für eine Heldensage. – Ich persönlich habe eher ein gespaltenes Verhältnis zu Tauben, seit mir meine Eltern auf dem Markusplatz in Venedig Taubenfutter in die Hand drückten, um das berühmte Fütterungsfoto zu schießen: Der kleine Wortmischer inmitten einer Wolke aus Tauben. (Daran musste ich Jahre später denken, als ich den Hitchcock-Klassiker Die Vögel sah :-)

    • Hu, ja: kleine Kinder, die erst ganz entzückt sind, weil ihnen die Tauben auf Kopf und Schultern landen, bis sie von den gierigen Viechern fast erdrückt werden. Das Trauma teilen viele.

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