Freitagstexter-Pokal

Sieh an, sieh an, wie er glänzt, unser Pokal. – Am vergangenen Freitag hatte ich um preiswürdige Kommentierungen eines Bildchens gebeten, und tatsächlich haben sich einige Kandidaten eingefunden. (Auch wenn die aktuellen Beteiligungszahlen im Vergleich längst nicht mehr an die Mengen von Früher™ heranreichen. Aber wie immer und überall gilt: Lamentieren bringt an dieser Stelle nichts. Ich freu mich ja, wenn man überhaupt eine gewisse Auswahl hat.)

An dieser Stelle angelangt muss ich das übliche Prozedere einmal unterbrechen. Ich überreiche feierlich den großen Sonderpreis der Freitagstexter am Hosenband an den wahrscheinlich langjährigsten und vor allem zuverlässigsten Teilnehmer an den Wettbewerben. Gibt es überhaupt eine Runde, zu der kein Beitrag von hubbie eingegangen wäre?
Ich weiß nicht, wieviele Pokalverleihungen an hubbie vorbei gegangen sind, weil er kein Blog führt, in dem er selbst Veranstalter der Freitagstexterei sein könnte. Ich vermute hier eine hohe zweistellige Zahl. Denn auch diesmal wäre er mir mit seinem zweiten Kommentar dieser Runde nicht ausgekommen: „Originelle Illustration zur Frage aus einer Diss über die Somatographie der Sitzzwerge: Haben komplexbehaftete sedentes minores überhaupt Chancen zur Kompensierung ihrer körperlichen Nachteile?“ – Wenn einem soviel Gutes wird beschert, dann ist das einen Asbach Uralt* wert.

Hiermit beantrage ich die Zwangsverpflichtung von hubbie, sich stante pede ein eigenes Blog zuzulegen. So kann das nicht weitergehen.

So. Nachdem dies einmal gesagt ist, überreiche ich den Freitagstexter-Pokal an …

La toalla mallorquina

„Woher er ahnte, dass es sich nur um eine Fata Morgana handeln konnte? Na wegen der Größe. Keine Oase der Welt hat einen so großen See.“

… den Herrn LeiseTöner. Wir hoffen alle inständig, dass er sich noch nicht die Pulsandern aufgetrennt hat und für die Folgeveranstaltung der Freitagstexterei zur Verfügung steht. Wer also wissen will, wie es weiter geht, oder wer womöglich sogar an der nächsten Runde teilnehmen will, der folgt am kommenden Freitag einfach der Beschilderung.

Zum nächsten Freitagstexter!

Habe die Ehre & vielen herzlichen Dank an alle Teilnehmer!

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*) Gestrichen, zensiert. Wegen Schleichwerbung.

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Die Feder ist mächtiger als das Pferd.

Den meisten wird es gar nicht aufgefallen sein: Zuletzt habe ich mich hier vor fünf Monaten zu Wort gemeldet.
Was? So lang ist das schon her? – Ja, ich hatte mich einfach mal an einen Vorschlag einer Leserin in den Kommentaren gehalten. Und weil jetzt Herbst ist, mach ich weiter. Na ja, zugegeben, der Auslöser für diesen Beitrag waren der Herr Bee & sein Freitagstexter. Er fand meinen Kommentar zu seinem Breschnew-Foto prämierenswert. So kann’s also kommen. Besten Dank jedenfalls dafür.

Für die aktuelle Runde des Freitagstexters hab ich Euch etwas aus dem Urlaub mitgebracht. Von einem Eiland, auf dem ich mich vor ein paar Wochen zusammen mit 89.999 anderen Mietwagenfahrern herumgetrieben und mich erstaunlicher Weise trotzdem erholt habe. Und zwar bestens.

La toalla mallorquina

(Hier könnte Dein Text stehen.)

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Es ist ganz einfach: Tipp mir in die Kommentare, was Dir bei diesem Foto durch den Kopf geht. Lyrisches, Belletristisches, Verschlagwortetes, egal. Ich nehme alles. Und in fünf Tagen werfe ich den Goldpott der- oder demjenigen hinterher, dessen Interpretation mir am besten gefallen hat. Helmpflicht für alle Teilnehmer!

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♫ Southbound Again ♩

Semana Santa en Sevilla

So. Jetzt hab ich hier schon so lange nichts mehr geschrieben, dass ich auch gleich noch ein paar weitere Wochen schweigen kann. Es ist nämlich so, dass ich während der drei letzten Ferienzeiten in der Fabrik, genauer gesagt seit April 2016, keinen einzigen Urlaubstag mehr genommen habe. Und nun habe ich sage und schreibe drei Wochen am Stück frei. Yay!

Ich werde Frau A. ins Schlepptau nehmen und in der alten Heimat viele gute Freunde treffen, bevor wir uns nach einer Woche in Barcelona auf den Weg machen, gemütlich an der Küste entlang gondeln über Valencia, Cartagena, Roquetas de Mar. Ein paar Tage Granada und dann das Highlight in Sevilla: die bombastischen Osterumzüge der hermandades, der Bruderschaften, die ein bisschen Ku-Klux-mäßig herumlaufen und in der Semana Santa düster sacrosankte Stimmung verbreiten.

Wetter wird $(#€!$$€, heißt es. Aber das ist mir egal. Ich will mir drei Wochen lang keine Gedanken machen, wann ich am nächsten Tag aufstehen muss. Ich will vernünftigen Kaffee zum Frühstück und eine La Vanguardia dazu. Möglicherweise werde ich sogar die eine oder andere verbotene Substanz inhalieren und nach jedem Mittagessen einen Carajillo schlürfen. Und was ich sonst noch machen werde, geht niemanden etwas an.

Frau A. hat fleißig Spanisch gepaukt, weil sie sich ängstigt, in Unterhaltungen abgehängt zu werden. (Und das ist etwas, was sie überhaupt gar nicht abkann.)
Das wird sicher spaßig, weil mein allerbester spanischer Freund eine ausgeprägte Ader dafür hat, Auswärtige auf eine ungeheuer charmante Art auf den Arm zu nehmen, so dass sie sich dabei sogar geschmeichelt fühlen. Wäre er nicht schwul, er wäre ein begnadeter Womanizer vor dem Herrn!

Aber was wollte ich sagen:

♫ Southbound again I don’t know if I’m going or leaving home
Boy got to be moving
Seems like the boy is bound to roam
Southbound again got no money but I’ve got no a place to go …
Dire Straits, oder so.

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Also: Wir lesen uns wieder gegen Ende April, wenn ich Schwierigkeiten haben werde, in mein deutsches Leben zurück zu kehren. – ¡Hasta pronto!

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Strafverschärfend

Strafverkürzung durch frühen Tod nach Herzverfettung?

Wie aus gut unterrichteter Quelle zu vernehmen ist, geht der Strafvollzug in diesem unseren Lande neue Wege, um einer möglicherweise drohenden Überbelegung deutscher Knäste vorzubeugen. Bergisch Gladbach ist seit Anfang des Monats so etwas wie ein Test-Guantanamo auf teutonischem Grund und Boden: Untersuchungshäftlinge werden dort mit Waterboarding Fast Food an Stelle des zuvor angereichten Krankenhausfraßes angefixt.

Natürlich wissen wir, dass die schweren Jungs und leichten Mädels sich wie Wölfe auf das Essen stürzen werden. Und ein paar Jahrzehnte später erliegen sie dann den Spätfolgen einer Herzverfettung. – Frühe Abgänge, geringere Unterhaltskosten, weniger Rückfalltäter!

Ein wahrhaft diabolischer Plan!

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Rumpelstilzchen in der U-Bahn

Rumpelstilzchen

19 Uhr, U-Bahn-Linie 3 in Richtung Frankfurter Innenstadt. – Protagonisten: Rumpelstilzchen, Margarete Stokowski, Conan der U-Bahnpilot, Herr W. – Etwa 10 Statisten ohne Text.

Haltestelle weit draußen im Randbezirk, der Waggon ist fast leer. Ich sitze allein in einer Vierergruppe, hinter mir zwei junge Kerle, mir gegenüber ganz vorne im Wagen eine entschlossen wirkende Dame, deren Gesicht mich an Margarete Stokowski erinnert. In dem Moment, als sich die Wagentüre zu schließen beginnt, wirft sich noch ein weiterer Passagier in den Spalt und springt auf den allerletzten Drücker in den Waggon.
„Dankeee!“, ruft er lauthals in Richtung Fahrerkabine und lässt sich dann in die Sitzgruppe auf der anderen Seite des Gangs fallen. Er wirft einen prallen Rucksack auf die Bank gegenüber und legt gleich mal beide Füße auf das Polster daneben.
Der Kerl, Typ ausgemergelte Trockenpflaume, muss Ende vierzig, Anfang fünfzig sein, trägt eine Strickmütze, fleckigen Parka und dunkelbraune Cordhosen. Ein Unterschenkel samt Fuß steckt in einer grauen Plastik-Beinschiene. Er wirkt rastlos, scannt mit zwanghaft zwinkernden Augenlidern den ganzen Waggon.

Rumpelstilzchen, denke ich. Das ist Rumpelstilzchen!

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Rumpelstilzchen (springt auf und humpelt durch den Gang nach hinten): „Ey, hat jemand ’ne Kippe für mich?“

Nach ein paar Minuten taucht er mit einer Zigarette zwischen den Lippen wieder auf und lässt sich erneut auf den Sitz gegenüber seines Rucksackes fallen. Schnick! Schnick! Das Feuerzeug braucht ein paar Drehungen am Rädchen, bis eine Flamme herausspringt. Dann qualmt die Zigarette und Rumpelstilzchen dampft den Waggon voll.

Die Stokowski: „He! Machen Sie sofort die Zigarette aus. Hier ist Rauchen verboten!“

Rumpelstilzchen (qualmt ungerühr weiter): „Mach dir nich‘ ins Hemd, Mädchen.“

Die Stokowski (dreht sich um und klopft an die Scheibe zur Fahrerkabine): „Hallo? Hier drin raucht jemand!“

Rumpelstilzchen (drückt genervt die Kippe auf der Sitzschale aus): „Olle Petze.“

Die Stokowski: „Sie sind hier nicht alleine.“

Rumpelstilzchen: „Olle Petze, olle Petze. Du bist so hässlich wie die Nacht finster.“

Stille. Die Stokowski schaut demonstrativ in eine andere Richtung.

Rumpelstilzchen: „Du bist so eine blöde Petze. Wenn du keine Hosen anhättest, wüsste man gar nicht wo dein Gesicht und wo dein Arsch ist.“

Stille.

Rumpelstilzchen (zündet die Kippe erneut an): „Blöde Petze. Meinst du, mich kümmert, was du mit dem Arsch sagst?“

Herr W. (bekommt Blutdruck, erhebt sich und macht zwei lange Schritte nach nebenan): „Hör zu, Rumpelstilzchen, Du schaltest jetzt sofort auf lautlos. Und wenn die Kippe nicht in fünf Sekunden aus ist, dann drück ich Dir die Glut auf Deinem Arsch aus.“

Rumpelstilzchen wird blass, drückt die Zigarette aus und beginnt, Unverständliches vor sich hin zu murmeln. Die nächsten zehn Minuten blickt er immer wieder ängstlich zu Herrn W., bis dieser aussteigt. Die Stokowski verlässt ebenfalls den Waggon.
Als die Bahn wieder anfährt, sieht Herr W., wie Rumpelstilzchen erneut die Kippe in Brand setzt.

Sekunden später legt die U-Bahn eine Vollbremsung hin. Durch die Fenster sieht man, wie eine hünenhafte Gestalt auf Rumpelstilzchen zugeht. Die Türe öffnet sich, und Conan der U-Bahnpilot setzt Rumpelstilzchen an die Luft.

Die Stokowski (zu Herrn W.): „Leute gibt’s … Man glaubt es nicht, wenn man es nicht selbst erlebt hat.“

Herr W.: „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“

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Zeichnung: Philipp Grot Johann, 1893

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Geburtstage

Ganze fünf Jahre alt ist Google Play gestern geworden! – Fünf Jahre? Google Play? Was ist das und wieso halte ich das für bemerkenswert? Na ja, wenn ich ehrlich bin, interessiere ich mich nicht die Bohne für Geburtstage von Firmen. Ich erwähne den Jahrestag nur deshalb, weil Google zu diesem Anlass ein paar Listen zu den meistgenutzten Angeboten der vergangenen fünf Jahre veröffentlicht hat. Diese Listen legen allerdings unbedingt den Verdacht nahe, dass mich das Leben abgehängt hat:

Top-5-Smartphone-Apps *

  1. Facebook (Weiche von mir, Satan!)
  2. Facebook Messenger (dito)
  3. Pandora Radio (Wassen das?)
  4. Instagram (Oh ja, kenn ich. Langweilt mich.)
  5. Snapchat (Weiche von mir, Beelzebub!)

*) Nur Android, nur downloads ohne Vorinstalltionen

Top-5-Bücher

  1. 50 Shades of Grey (Bitte nicht … Aua!)
  2. Die Tribute von Panem (Wein her, das ist zum Weinen!)
  3. Das Lied von Eis und Feuer (Schnarch!)
  4. Das Schicksal ist ein mieser Verräter (Oh ja, kenn ich. Muss aber nicht sein.)
  5. Gone Girl – Das perfekte Opfer (Die Ehe ist ein langer Betrug? Weiß ich doch längst.)

Top-5-Musikalben

  1. Adele – 25 (Okay, das gefällt mir wirklich gut!)
  2. Eminem – The Marshall Mathers LP2 (Eminem? Dann ja lieber noch Modern Talking Helene Fischer Monika Martin.)
  3. Taylor Swift – 1989 (Akustische Weichspülung gefällig?)
  4. Drake – If You’re Reading This It’s Too Late (Drake? Dann ja lieber noch Eminem.)
  5. Kendrick Lamar – To Pimp A Butterfly (Super Albumtitel. Und die Musik? … Ach, das ist Musik?)

(Noch mehr Google-Top-5? Bitte hier entlang.)

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Was wollte ich sagen? Ach ja: abgehängt. Hat mich das Leben abgehängt? Ist es nicht ein bisschen peinlich, dass mir so gut wie nichts von den Dingen gefällt, die eine breite Mehrheit interessieren? (Sorry, Adele. Du bist natürlich eine Ausnahme.)
Wahrscheinlich ist das eine Frage des Alters. Schließlich ist heute ja auch mein Geburtstag.

Here’s tae us
Wha’s like us?
Gey few, and they’re a‘ deid.
Neil, ein Freund & Scotsman from Dundee, gestern Abend, Schlag Mitternacht

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