X wie Xixá

Frucht, die einer Hand oder geschlossenen Faust ähnelt

In Brasilien gibt es eine Frucht, die die Eingeborenen Xixá nennen, gesprochen mit zweimal tsch wie Tscharlie. Das heißt übersetzt: „Frucht, die einer Hand oder geschlossenen Faust ähnelt“. Die Xixás sehen anfangs aus wie dunkelgrüne Zitronen mit Längsfurchen, färben sich später rot, ihre Schale platzt auf. Die dunklen Samenkörner kann man roh, gekocht oder geröstet essen.

Xixásamen sind offenbar das Nashornpulver Brasiliens. Manche Reiseführer, also menschliche, männliche Reiseführer, so heißt es, erzählen gerne Geschichten von schönen Frauen, die sich nach dem Genuss der Xixáfrucht in Nymphomaninnen verwandelten, die vor nichts zurückschreckten. Im Ernst, sie hätten es selbst schon erlebt, wie zurückhaltende Touristinnen dank der Xixá zu sexbesessenen Furien mutierten, die in ihrer Raserei sogar zufällig vorbeikommende Passanten vergewaltigt hätten.

Brasilianische Sexmutantinnen also. (Gibt es dazu eigentlich schon einen Film?) Warum sich die furiosen Frauen nicht den Reiseführer statt des Passanten vorgenommen hatten, hinterfragt aber scheinbar niemand. War er ihnen vielleicht zu hässlich?
Die Xixá jedenfalls muss demnach die wahre Frucht des Teufels sein. Evas Apfel vom verbotenen Baum? Ein lächerliches Erbslein im Vergleich.

Erstaunlicherweise scheint die anregende Wirkung der Teufelsfrucht auf dem Transportweg nach Europa vollständig verloren zu gehen. Ein Arbeitskollege hatte einmal ein paar Xixás aus dem Urlaub mitgebracht und der T. und mir im Sekretariat hingestellt. Nur zum Probieren. Einfach so. Würde ihn einfach interessieren, wie sie uns schmeckten.
Wahrscheinlich war er maßlos enttäuscht darüber, dass weder die T. noch ich über ihn herfielen, um ihm die Kleider vom Leib zu reißen. Aber auch ich war enttäuscht von der Xixá: nussige Konsistenz, fader Geschmack, ein bisschen bitter im Abgang. Keinesfalls etwas, was mich über die körperlichen Unzulänglichkeiten des Kollegen hinwegsehen hätte lassen.

Aber Äpfel haben heutzutage ja auch nicht mehr die Wirkung wie damals im Paradies. Gib doch ein paar Xixás in Deinen Obstsalat, Barbara. Wir werden ja sehen, was dann passiert.

Eure Charlotte

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4 Kommentare

  1. Ich lach mich schlapp, liebe Testsiegerin! (Ich bin sicher, der Kollege wollte nur nach einem Asbach Uralt suchen.)

    Oh, ich bin überrascht, La Mamma! Ich hatte den ganzen Sonntag Lesepause gemacht und bisher nicht bemerkt, dass ich beworfen wurde. Danke für den Hinweis.

    Das ist mit Xixás bestimmt nicht anders als mit Nashornpulver, Frau Rosmarin. Ohne innere Überzeugung funktioniert nix!

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