E-Book-Boom?

Die Wirtschaftswoche hat eine übersichtliche Grafik zum Thema E-Book-Reader veröffentlicht, die man oder frau sich ruhig einmal ansehen sollte, sofern Interesse am Thema „Bücher auf dem Bildschirm lesen“ vorhanden ist. Als Bahnvielfahrer ist mir in den letzten Monaten aufgefallen, dass die elektrifizierten Plastikbücher mittlerweile ihre Abnehmer finden: Immer häufiger sieht man in Zügen und Wartesälen, sorry: Lounges, Menschen meist mit Kindles in den Händen herumsitzen.

Ich selbst hatte vor zwei Jahren einmal einige Tests mit dem Oyo gemacht, die mich schnell wieder zurück zum gedruckten Buch trieben; das Ding ließ sich im Vergleich zu manchem Papierroman in Überlänge zwar bequem in der Hand halten und dabei selbst einhändig bedienen, aber die zähen Bedienungsabläufe, der kontrastarme Bildschirm und vor allem die zumindest mir fehlende Orientierung im Text ließen mich das Ding rasch beiseite legen.

Heute verwendet Tochter 3.0 den ollen E-Book-Reader, weil sie entdeckt hat, dass man mit der Ausweisnummer der örtlichen Bücherei kostenfrei E-Books aus dem Netz ausleihen kann. Seither zischt bei uns ein E-Book nach dem anderen durchs WLAN, auch wenn – oder gerade weil? – die digitalen Schinken nach Ablauf der Leihdauer von zwei bis drei Wochen nicht mehr lesbar sind. (Das erinnert mich immer an die TV-Serie Mission Impossible, in deren Vorspann das Tonbandgerät mit dem kriminalistischen Auftrag nach dem Abspielen in Rauch aufging.)

Aber ich wollte ja eigentlich etwas zu der Infografik der WiWo schreiben. Die Törtchen- und Balkendiagramme sprechen von einem wahren Boom und einer Marktsättigung mit E-Book-Readern bis 2016. Relativiert wird das gewaltige Wachstum jedoch von einer einzigen Zahl in der Grafik: Derzeit geht nur ein Prozent des Buchumsatzes an E-Books. Diese beiden Aussagen passen doch nicht zusammen; entweder werden auch nach 2016 noch jede Menge elektonische Lesegeräte verkauft, oder der Handel wird über den läppischen Prozentanteil nicht weit hinaus kommen.

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Ich liebe Bücher. Zum Lesen, zum Anfassen und zum Ansehen. Meine Bücherwand ist mir eine Augenweide, und ich verbinde mit jedem der dort stehenden Bücher eine Geschichte. Wenn ich aber daran denke, wieviele alte Schinken weltweit höchstens einmal gelesen und dann jahrzehntelang unberührt umherstehen, um zuletzt im Altpapier zu landen, wird mir ganz anders. — Mir schaudert vor toten Bäumen.

Die E-Leserei muss besser werden.

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2 Kommentare

  1. Ich habe heute meine halbzerfledderte Ausgabe von Schloss Gripsholm ausgelesen ( die gleiche steht in besserem Zustand bereits ein weiteres Mal in meinem Regal ). Das Papier ist so gelb, wenn ich es nicht besser wüßte, würde ich denken, die alten Fotos, die Schwarzweißfilme, das war ein Zustand und keine Entwicklung. Und jetzt, wo die Welt farbig, digital und kontrastarm ist, hängt mein Herz an diesem Buch wie der Buchdeckel desselben: an drei sorgfältig gepflegten Fäden. Da finden sich Bleistiftnotizen von mir drin, hingekrakelt, weil in der Straßenbahn, auf dem Klo oder im Auto verfasst, da sind Holzstückchen im Papier, ein gräßlicher Männerkopf ziemlich am Ende des Buches macht klar, wie Herr Rowohlt zu dem „Macht unsere Bücher billiger“ vom Autor stand – ein herrlicher Kontrast zu den feinen Zeichnungen des 4. Bandes der rororo-Reihe. Das Lesegerät, das mir diese Beschreibung adäquat ersetzt, das kaufe ich.

    • Ach ja :-) … Ich ahnte ja schon, dass Du auch so ein Büchernarr bist, nachdem ich die rechte Spalte Deines Blogs gesehen hatte.

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