Keine Chance für Billy

Amazon Auslieferungslager Mitteldeutschland

BesucherInnen mit Elefantengedächtnissen könnten sich noch an meine gescheiterten Versuche erinnern, dem papierernen Buch zu entsagen. Diese Leser werden aus ihren Erinnerungen folgerichtig schließen, dass es sich bei der Abbildung oben um die wortmischerliche Bibliothek handelt. Und nicht, wie die unmöglichste aller Schwägerinnen mutmaßte, um das neue Amazon Auslieferungslager Mitteldeutschland. Ich möchte auch darauf hinweisen, dass diese Stapel wirklich nur mehr den unverzichtbaren Kernbestand meiner Leselust darstellen. Mehr als die gleiche Menge hatte ich schon vor dem Umzug aussortiert.

Nun suchen meine Bücher noch einen angemessenen Aufbewahrungsort. Mein erster Ansatz, nämlich die Wand gegenüber den Stapeln mit Billyregalen des schwedischen Möbeldiscounters zu verkleiden, ist gescheitert. Billy mag #906090-Maße vorweisen können, aber meinen Ansprüchen genügt das nicht. Ich brauche eher sowas wie #968399. Und dann vielleicht noch um die Kurve #95.
Also habe ich mich an den Schreiner des Vertrauens in meinem Freundeskreis gewandt, der mir passende Regale zurechtsägen möge. Das wird gut doppelt so teuer wie Billy. Aber ich brauche mich dann wenigstens nicht über schlecht ausgenutzten Raum in meiner kleinen Wohnung ärgern. Und über dem Klavier – „Ein Klavier, ein Klavier!“ – kann ich auch noch ein paar Meter Druckwerk unterbringen, ohne dass sich die Balken Bretter biegen.

(Ich verbitte mir übrigens Kommentare, die darauf hinweisen, dass ich für das gleiche Geld locker eine Amazon-Kindle-Flatrate bis in das ferne Jahr meines Ablebens hätte abschließen können!)

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Diese Woche installiert: Eine Unterputz-Steckdose im Duschbad, denn auch wenn es unglaublich erscheint, dass nach-dem-Krieg™ Wohnräume ohne eine einzige Steckdose gebaut wurden, so ist dies in meinen vier Wänden tatsächlich der Fall. Außerdem ein LED-Deko-Leuchtstab im Wohnzimmer neben den Bücherstapeln, der so ziemlich alles drauf hat zwischen dezenter und dimmbarer Hintergrundbeleuchtung in verschiedenen Farben und Augenkrebs erzeugendem Disko-Blitzlichgewitter. Ein wahrer Lichtgott. Kommentar Tochter 3.0 (15): „Wow. Wie im Puff!“

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3 Kommentare

  1. Die Nicht-Billy-Entscheidung kann ich nachvollziehen. Zumal das maßgeschneiderte Regal dann doch eher Holz denn Pressspan enthalten dürfte.
    Aber: Woher weiß Tochter 3.0, wie es im Puff aussieht?! ;-)

    • Woher sie das weiß? Keine Ahnung. Wahrscheinlich aus der Quelle der Weisheit, die Mitglieder der Generation Z anzuzapfen pflegen, wenn sie auf der Suche nach Erleuchtung sind. (Ich spreche übrigens weder von Meyers Konversationslexikon noch vom Koran, sondern von Fäisbuck.)
      Am besten wird sein, ich spreche sie mal darauf an, wenn sie heute Abend heimkommt. Sie jobt ja neuerdings in irgendso’ner Kneipe unten am Bahnhof.

  2. Pingback: Keine Chance für Billy (2) | Wortmischer

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