Im Rausch

Kaufrausch

Ich sage Dir, Gisela ist so eine blöde Tussi! Erst hat sie sich den ganzen Abend lang an Manfred ran geschmissen, bis auch noch der letzte Partygast denken musste, dass die beiden etwas miteinander haben. Wie mich die alle angeschaut haben! Als würden mir am Haaransatz schon zwei Hörner sprießen. Und Manfred, der Blödmann, hat auch noch mitgespielt und mit Gisela geschäkert, das Aas. Ich könnte ihn auf den Mond schießen.

Und dann, als ich Manfred endlich losgeeist habe und wir gehen wollten, da haut die Gisela noch einen letzten Hammer raus, dass ich ihr eigentlich einen mitten auf die Zwölf geben hätte müssen. Wenn ich nur nicht so perplex gewesen wäre!
Säuselt die mir doch entgegen: „Dieses blaue Kleid steht Dir wirklich ausgezeichnet, Petra. Ich kann gut verstehen, dass Du es jetzt auf allen Partys trägst.“ – Als ob ich mir keine neuen Kleider leisten könnte! Diese Schnepfe!

Dabei ist die doch nur neidisch, dass ich mir den Manfred geangelt habe. Der werd‘ ich es zeigen. Und dem Manfred auch, diesem miesen Verräter.

~

Mensch, siehst Du das rote Kleid dort im Schaufenster? Sieht das aus oder nicht? – Wie bitte? Was soll das denn heißen! Natürlich weiß ich, dass ich mir gerade dieses kleine Schwarze gekauft habe. Aber das passiert mir nicht nochmal, dass mich Gisela mehr als einmal im gleichen Outfit sieht, diese dumme Schlampe!

Du brauchst übrigens gar nicht so zu tun, als wüsstest Du nicht, dass Gisela hinter meinem Rücken mit Manfred schläft. Ich weiß es doch auch, und glaub mir, das wird er mir büßen. Gleich nach dem roten Kleid besorge ich mir noch zwei oder drei Paar passende Schuhe. Dieser Schwanz wird sich wundern, wenn er seine Kreditkartenabrechnung sieht!

Weißt Du, eigentlich ist Manni ein Versager. Er kriegt ihn nämlich gar nicht mehr richtig hoch. Er ist ja auch schon über fünfzig. Aber dass Gisela das noch gar nicht gecheckt hat? Die ist doch sonst immer so fix. Aber wahrscheinlich wirft er Viagra ein, bevor er sie bumst. Das sähe ihm ähnlich, dem alten Bock.

Jedenfalls werd‘ ich Manni jetzt nochmal richtig einschenken. Eben sind wir doch an diesem neuen Hutladen vorbei gekommen, oder? Da finde ich auch noch etwas!
Das wird ein Fest, wenn ich die beiden auf der Party am Wochenende mit ihrem Fremdgängerscheiß konfrontiere, in meinen neuen, teuren Klamotten.

Ganz cool mach ich das, das verspreche ich Dir. Gisela und Manni werden sich wundern.

Was sagst Du? Ich überreagiere, findest Du? Ich überschreite Grenzen? – Ich sag Dir was: Mannis Kreditkartenlimit ist noch lange nicht erreicht. Aber mein Limit ist erschöpft. Meine Geduld ist zu Ende, und das letzte Bisschen Selbstachtung, das bewahre ich mir. Den Kerl mach ich alle!

So so, für stillos hältst Du mich? – Na bitte, wenn Du Dich nach Stil sehnst, dann trinken wir zwei Hübschen gleich noch ein Fläschchen französischen Champagner und feiern unsere Shoppingtour.

Und dann, zum krönenden Abschluss, besorge ich bei Beate Uhse noch einen richtig fetten Dildo. Den bezahlt auch der Manni, und ich lasse ihn an Gisela liefern; mit einem Geschenkkärtchen, auf dem ich ihr mitteile, was sie damit machen kann. Für den Arsch, die Sau!

Was soll das denn heißen: Du bist da nicht mehr dabei? Wo willst Du denn hin? Bleib hier, lass mich nicht alleine!

~

Na ja, Freundinnen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.

Das ist mein Beitrag zum zwölften Stichwort im Schreibprojekt *.txt. Die Textbeiträge zu allen anderen Stichworten, sowie Links zu den Projektseiten findet man nach einem Klick auf „Mein *.txt“.

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