Deine Haut

Sie kuschelte sich an seine Seite und streichelte mit der Rechten sanft seinen Rücken. – »Deine Haut fühlt sich wunderbar an, Salomon«, flüsterte sie zärtlich. »Ich werde immer an Deiner Seite sein, Liebster.«

»Sei nicht so voreilig mit Deinen Versprechungen«, brummelte Salomon und krümmte seine Wirbelsäule noch ein wenig mehr, weil ihm die Finger des Mädchens elektrische Schauer über den Rücken laufen ließ. »In ein paar Jahren, wenn Du erst einmal so alt bist wie ich, wirst Du einen anderen kennen lernen und mich vergessen.«

»Niemals. Niemals wird das passieren, Salomon!« Sie klammerte sich seinen Körper. »Keiner ist so schön wie Du, keiner hat so eine samtige Haut wie Du. Ich bleibe bei Dir, bis dass der Tod uns scheidet.«

Eng aneinander geschmiegt saßen die beiden da und blickten auf die vor ihnen liegende Stadtmauer des kleinen Ortes in der Nähe von Valladolid. Sie dachten beide daran, dass ihnen noch eine lange Reise bevorstand, bis sie irgendwann Wien erreichen würden – wenn sie es überhaupt so weit schaffen sollten. Und keiner konnte voraus sagen, wie oft und wie lange sie noch einmal Momente des Glücks erleben würden wie in diesem Augenblick.

Salomon stieß einen gefühlvollen Trompetenton aus.

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Elefan

[lightgrey_box]Das ist mein Beitrag zum sechsten Stichwort im Schreibprojekt *.txt. Die Textbeiträge zu allen anderen Stichworten, sowie Links zu den Projektseiten findet man nach einem Klick auf „Mein *.txt“.[/lightgrey_box]

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Lieblinks (6)

Zeit für ein paar neue Lieblinks! Schauen Sie doch mal, was ich so geschaut habe in den letzten Wochen:

Die von mir sehr geschätzte Frau Diener fährt für uns in den Urlaub. Und zwar in die Wüste. Merke: »Wenn der Berber auf dem Jeepdach steht, des besseren Handyempfangs wegen, dann stimmt etwas nicht. Und Gespräche, die auf „Inshallah“ enden, sind immer ein schlechtes Zeichen.«

Wenn Sie lieber zu Hause auf dem Sofa bleiben, versuchen Sie doch einmal, sich an sieben bekannte Fotos zu erinnern; also solche, die nie aus dem kollektiven Gedächtnis der Menschheit verschwinden werden. Und dann sehen sie nach, wie zwei Schweizer Fotografen solche Fotos als Miniaturen nachstellen:

Olympia '72

Da bleibt Ihnen das Lachen im Halse stecken? – Dann habe ich noch ein paar Begriffsdefinitionen von Tilmann Rammstedt für Sie zum Thema Beziehungen & Liebeschaos, die Sie bestimmt wieder fröhlich stimmen werden:
»Nekrophilie – Man liebt Tote. Weil die einem in Ruhe zuhören und nicht ständig Tanzkurse machen wollen. Außerdem sind viele davon sehr gut angezogen.«

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Meine Lieblinks (5)

Boah, ey!

Jetzt reicht ’s aber mal! – Seit der Trainer des FC Bayern den weisen alten Fußballdoktor Müller-Wohlfahrt rausgeekelt hat, liegen mir sämtliche Radio-Kommentatoren und Nachrichtensprecher im Maindelta schon wieder mit einer Aussprache dieses Nachnamens in den Ohren, die sich mir die Fußnägel aufrollen lässt:

„Peb Gardiohla!“ – Als ob es sich um eine Gardine mir Gladiolenmuster und nicht um einen Fußballtrainer handelte. Der hohle Josef! – Himmel, jetzt merkt Euch das endlich mal: Der Mann heißt GUAR-DI-OLA. Man spricht das aus, wie man es liest. „GUAR“ wie das Tier, der jaGUAR, vorzugsweise mit gerrrolltem R. „DI“ mit einem sehr weichen D, fast schon einen „DI-ÄITSCH“, wenn es so was gäbe. Und „OLA“ mit hartem L wie in hOLLLA hossa. (Ja, mit mindestens drei gehörten L in der Mitte.)

„Pepp Guardiollla“. So und nicht anders. Merkt ’s Euch des amal, zefümferl!

Ja, mi leckst!

Briefumschlag

Hartnäckig hält sich das Gerücht, wegen zunehmender Verbreitung der digitalen Korrespondenz (E-Mail, SMS, WhatsApp & Co.) würden Menschen weniger Briefe auf Papier schreiben und verschicken. – Nicht wahr? Das haben Sie selbst auch schon oft gehört? Weil es doch so viel einfacher sei, einen Text tippen und überarbeiten zu können, statt ihn in ungeübter Handschrift auf tote Bäume kritzeln, eintüten, zupappen und zu allem Überfluss auch noch mit einer Briefmarke bekleben sowie eigenfüßig zum Briefkasten bringen zu müssen?

Doch glauben Sie mir: Diese Begründung ist völliger Quatsch! Warum sollten Menschen den Weg zum Briefkasten scheuen, wenn sie täglich Stunden auf Laufbändern in Fitnessstudios zubringen? Der wirkliche Grund für den Niedergang der Briefkultur ist an anderer Stelle zu suchen.

Tatsächlich ist das Problem nämlich hausgemacht und liegt am Lecken. Erinnern Sie sich an den Geschmack der Klebekanten von Briefumschlägen und Rückseiten von Postwertzeichen? – Grauenhaft, seien Sie ehrlich! Die gute alte Post ist eindeutig selbst schuld daran, dass niemand mehr Briefe schreibt.

Schließlich ist nicht einzusehen, dass Umschläge und Briefmarken nach dem Fußschweiß des verbeamteten Abstemplers vom Dienst schmecken müssen, wenn doch in jedem gut sortierten Supermarkt Gleitcreme mit Erbeer- und Kondome mit Bananengeschmack feilgeboten werden.

Herr Albert bleibt sauber

Nutella se acabó

Ratten. Ratten! – Diese Vollpfosten würden es noch so weit treiben, dass es hier in der Reihenhaussiedlung Ratten gäbe, dachte Herr Albert, als er das zur Hälfte geleerte Nutellaglas ohne Schraubverschluss in der Plastikmülltone liegen sah.
Das musste man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Diese Affen entsorgten doch tatsächlich ein Glasgefäß mit angetrockneter Nougatcreme in den Recycling-Mülleimer. Auf diese Idee musste ein normaler Mensch erst einmal kommen.

Er selbst kratzte ja immer auch noch den allerletzten Nutellarest aus den Gläschen, bevor er diese zum Altglascontainer zwei Straßen weiter brachte. Aber diese Blawatzkis waren in Fragen der Mülltrennung ja schon immer beratungsresistent gewesen, und seit es in der Siedlung zusätzlich zu Papier-, Recycling und Restmülltonnen auch noch separate Biomülleimer gab, drehten sie komplett durch.
Letzte Woche hatte er die fette Blawatzki tatsächlich dabei erwischt, wie sie ein Paar alter Herrenschuhe in die braune Biomülltonne gesteckt hatte.
„Was denn, Herr Albert?“, hatte sie zurückgeschnappt, als er sie darauf ansprach. „Die sind doch aus Leder, aus einem Naturprodukt, oder? Die zerfallen doch praktisch von alleine! Und außerdem kippen diese Müll-Alis doch sowieso alles in das gleiche Loch, egal was wir vorher in welchen Kübel stecken.“

Gehirnamputiert. Zweifellos waren die Blawatzki und ihr verschwitzter Alter in seinen Feinripphemdchen gehirnamputiert. Seit wie vielen Jahrzehnten wurden Schuhe nicht mehr aus Leder hergestellt? Und wie viele Jahrhunderte benötigten selbst Lederschuhe, um zu verrotten?
Diese Schwachmaten! Glaubten die tatsächlich, dass für sie andere Regeln galten als für ihre Nachbarschaft?

Aber er, der aufrechte Herr Albert, würde ihnen das nicht durchgehen lassen, nein! Sie waren hier alle gleich! Niemand konnte Sonderrechte nur für sich beanspruchen. Und ganz bestimmt nicht die prolligen Blawatzkis!

Mit spitzen Fingern angelte er das klebrige Nutellaglas aus der gelben Tonne und warf noch einen Kontrollblick in den blauen Papiermülleimer. Aha! Hatte er doch so eine Ahnung gehabt: Albert nahm auch das in Plastik eingeschweißte Päckchen mit Werbeprospekten aus der Papiertonne, trug die Fundobjekte nach Hause und legte sie zunächst auf der Terrasse ab.

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Später, um Punkt 20.15 Uhr, als längst die Nacht hereingebrochen war, trat er nach draußen in seinen Garten. Hinter allen Wohnzimmerfenstern auf den Parzellen rechts und links von ihm zuckten synchron die blauen Lichtblitze der Fernsehgeräte und tauchten die Reihenhausgärten in das Feuerwerk des Tatortvorspanns. Ganz in schwarz gekleidet und mit rußiger Camouflage im Gesicht nahm Herr Albert die Müllfundstücke auf und schlich durch sein Gartentürchen hinaus auf den Feldweg, der hinter den Reihenhausgärten entlang führte.
Er wandte sich nach links und zählte die Grundstücke ab, bis er das Türchen der Blawatzkis erreicht hatte, betrat den Garten der Müllanarchisten und schlängelte sich im Schatten der Sträucher hinter das blawatzkische Gerätehäuschen. Dort legte er das Plastikpäckchen akkurat auf den Stapel gleichartiger Wurfsendungen, die er über die letzten Wochen und Monaten hinweg im Schatten des Schuppens deponiert hatte. Die Nutella-Schweinerei steckte er in einen der beiden ausgelatschten Treter, die neben dem Werbestapel auf dem Boden standen. Hinter den Prospekten befand sich eine verrostete Blechdose, in die Blawatzki im letzten Frühjahr das Altöl seines vergammelten Merzedes abgefüllt und die Albert kurz danach aus der Restmülltonne gezogen hatte. – Diese Umweltschweine würden sich wundern, wenn sie im Frühjahr einen Blick hinter ihr Gartenhaus werfen sollten …

Auf dem Rückweg von seiner Mission zündete sich Herr Albert eine Zigarette an. Er fühlte sich befreit, konnte wieder atmen. Er war The Last Man Standing, der Bruce Willis der Reihenhaussiedlung. Zorro und Robin Hood in Personalunion. Er war sich sicher, dass ihm die Mehrheit seiner Nachbarn außerordentlich dankbar sein würde, wenn sie von seiner Untergrundaktion für mehr Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit im Viertel erführe.

Achtlos schnippte Herr Albert die herunter gerauchte Zigarettenkippe in den Rinnstein der Straße, bevor er in den Schutz seines Heimes zurückkehrte.

[lightgrey_box]Das war mein Beitrag zum fünften Stichwort im Schreibprojekt *.txt. Die Textbeiträge zu allen anderen Stichworten, sowie Links zu den Projektseiten findet man nach einem Klick auf „Mein *.txt“.[/lightgrey_box]

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Freitagstexter: Pokalverleihung

Der Güldene Freitagstexterpokal

Es ist wieder so weit: Textbegeisterte aus dem gesamten deutschen Sprachraum kampieren trotz nächtlicher Orkanwinde und sintflutartiger Regenfälle bereits die ganze Nacht über im Garten vor der wortmischerlichen Turmwohnung, um im Morgengrauen des Mittwoch unter den ersten zu sein, den heißesten Scheiß in Form eines neuen iPhone 7 abzugreifen einen Blick auf den sagenumwobenen Wanderpokal der Freitagstexter zu erhaschen und diesen – welch wonnigliche Vorstellung! – womöglich gar selbst einzusacken und nach Hause schleppen zu dürfen.

Fünf lange Tage lang besang die Textgemeinde ein Foto zum experimentellen Wohnen im 21. Jahrhundert. Mir haben alle Eure Kommentare sehr viel Spaß bereitet, angefangen beim Essen auf Rädern für Agenten der Testsiegerin, der Zechprellerei des Leisetöners und dem Casting für Big Brother oder Newtopia; über nachhaltiges Containern bei Herrn Bee, intime Elternmomente bei Frau Spätlese und Herrn Hubbies Furzen im Cabriocontainer; bis zu den Kommentaren des Herrn Vielfraßes über Mittagspause bei verdeckten Ermittlern oder Pizza im neapolitanischen Ambiente, des Boomerangs eitle Tonne, und Herrn Mechatronikers Obdachlosentafel. Und Heles innenarchitektonische Überlegung.
(Über die „Pizza Tonno“ lacht Tochter 3.0 übrigens heute noch.)

Doch wie immer kann es halt nur eine(n) geben. Und selbst auf die Gefahr hin, dass man uns eine Liäson nachsagt, werfe ich den heutigen Pokal …

Hier könnte Ihr Text stehen!„Mitbewohner für Studenten-WG gesucht. Kabinett, blau gestrichen, noch frei. Mitbenützung der Wohnküche möglich.“

… schon wieder der Testsiegerin zu. (Ja ja, ich weiß, Sie brauchen mich nicht daran zu erinnern: Das ist jetzt schon das dritte Mal und außerdem das zweite Mal in Folge, dass ich den Kübel nach Wien runterschick‘. Womöglich teilen die Frau Lehner und ich humoristische Vorlieben? – „Oba hean S‘, ich kenn die Frau doch gar nicht, Herr Kommissar!“ – „Lügen Sie nicht, Sie grausliger kleiner Wortmischer, Sie. Geben S‘ doch zu, dass sie Ihnen Geld oder sonst ‚was dafür versprochen hat!“ – „Nein! Gnade! Nicht die Streckbank! Ich bin doch schon fast eins neunzig …“)

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