Offener Brief an DIE ZEIT

Liebe ZEIT,

seit mehr als fünfzehn Jahren bin ich Abonnent Eurer Papierausgabe. Ich schätze Eure Artikel im Allgemeinen, ich liebe Harald Martensteins Kolumne im Besonderen und ich habe trotz mehrerer Kostenreduzierungsversuche in meinem Haushalt das Abonnement Eures Blattes noch immer nicht in Frage gestellt.

Trotzdem wundere ich mich über Eure seit Jahren immer häufiger eintrudelnden Werbenachrichten, in denen Ihr mir per E-Mail ein Abonnement schmackhaft machen wollt, indem Ihr mir iPads, Radios, Lautsprecher, oder was auch immer als Geschenke in Aussicht stellt.
Neuabonnenten beschenkt Ihr? Treue Leser gehen leer aus? Weil sie eh schon da sind? – Das kann man so machen. Ob es schlau ist, werdet Ihr bestimmt irgendwann merken.

In den letzten Jahren denke ich immer häufiger darüber nach, ob der Papierwust tatsächlich sein muss. Warum muss mir irgend so eine arme Sau bei Wind und Wetter das Papierblatt in den Briefkasten stopfen? Warum muss ich die Ausgaben aus meinem winzigen Kästchen pfriemeln? Und nach dem Lesen wieder nach unten tragen, in den Papiermüll? Ich besitze wie so viele Menschen sowohl Smartphone als auch ein Tablet. Ich befinde mich sozusagen auf der Kippe; ich schwanke noch: Papier oder Bildschirm?
Ich weiß, Ihr bietet auch eine digitale Ausgabe an. Vielleicht würde ich Euer digitales Angebot gern einmal unverbindlich ausprobieren? Aber warum soll ich als zahlender Abonnent dafür 60 Cent zusätzlich zum Abonnementpreis berappen? Ich verspreche, ich lese keinen Artikel doppelt: auf Papier und hinterher auch noch digital. Auch nicht umgekehrt, ich schwör!
Spart Euch doch künftig gern die Zustellungskosten. Aber kassiert nicht doppelt ab!

Und wenn ich schon am Meckern bin: Bringt endlich ein vernünftiges Android-Angebot in Euer Portfolio! Das ist nicht so schwer. Denkt an Eure Leser, die wollen mehrheitlich kein auf Apple zugeschnittenes Angebot.
Die würden aber womöglich gern am Frühstückstisch auf dem Tablet schmökern und später in der U-Bahn genau dort auf dem Smartphone weiterlesen, wo sie in der Küche aufgehört hatten. Das ist keine Zukunftsmusik sondern state of the art. Über alle Betriebssysteme hinweg.

Habt Ihr schon mal von diesen verrückten Menschen gehört, die sich gemeinsam Youtube-Videos auf dem Fernsehbildschirm ansehen? Ich mache das zusammen mit meiner Tochter. Wir könnten uns auch DIE ZEIT zusammen ansehen. In Text, Bild und Video. – Nur am Rande gefragt: Wisst Ihr, was ChromeCast und Apple TV sind?

Ich würde mir wünschen, dass Ihr aufhört, Euer Stammpublikum zu vernachlässigen. Macht uns glücklich, indem Ihr uns in die Zukunft mitnehmt!

Es grüßt sehr herzlich
Euer Wortmischer

~

(P. S.: Ich führe die Diskussion gerne auch unter Klarnamen weiter, falls dies gewünscht sein sollte.)

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2 Kommentare

  1. Yepp. Gilt für meine Tageszeitung analog.
    Ich fühle mich mitunter schon sehr old school, wenn ich morgens in der U-Bahn n meine Zeitung auseinander falte.

    • Gell!? – Und ich verstehe nicht, warum sie uns nicht mit allen Mitteln den Sprung in die digitale Welt schmackhaft machen. Die derzeitige Strategie der Printmedien scheint mir mehr so ein murrendes Randangebot zu sein: Wer denn unbedingt meint, kein Papier mehr zu brauchen, der soll halt mal zusätzlich digital buchen …
      Die haben noch immer nicht begriffen, welche Chance sie gerade verspielen. – Publishing-Strategie? Note sechs. Setzen!

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