Els Culés

Der Hausherr trägt blau-rot

Ich gestehe, es hat nach diesem Wochenende etwas länger gedauert, bis meine Stimme und ich uns erholt haben. Es ist ja so, dass ich seit meinen Jahren in der Nachbarschaft des Camp Nou eine gewisse Schwäche für einen der größeren Fußballclubs einer Stadt an der Nordostküste Spaniens habe.

In Spanien nennen sie Leute wie mich culés. Man könnte das mit Ärsche übersetzen. Dies würde jedoch womöglich die Deutung der Tatsache, wieso die Anhänger von Barça sich selbst so nennen, problematisch erscheinen lassen.

Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts spielte der Club noch nicht im Camp Nou sondern in einem Stadion an der Calle Industria, das sich rasch als zu klein erwies. Wichtige Spiele wollten so viele Menschen sehen, dass sie oben am Stadionrand auf der Mauer sitzen mussten, um Platz zu finden, siehe Beweisfoto. Der Begriff kommt also tatsächlich vom katalanischen Wort cul, dem Hintern; aus den culers wurden irgendwann die culés, deren Hinterteile von der Straße aus auf dem Mauerrand sichtbar waren.

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Was ich sagen wollte: Ich saß also am Samstag zumindest im Geiste wieder mal auf der Mauer, die an diesem Wochenende in Berlin stand (also nicht die Mauer, sondern die um das Olympiastadion), freute mich narrisch über das triplete – also das Tripel aus spanischer Meisterschaft, Pokal und Europameisterschaft – und dachte sogar kurz an meinen Lieblingsspieler der Neunziger bei Barça, der dieser Tage als Legionär und Trainer einer Mannschaft im Süddeutschen tätig ist und dort ein sehr erheiterndes Deutsch zu sprechen pflegt. Egal.

Und alle, die Ihr vielleicht auch #messuarez (sowas wie #robbery, halt für Katalanen statt Bayern) geguckt habt: Lasst mich bitte mit dem Suarez in Ruhe, diesem uruguayischen Liebhaber italienischen Schulterfleisches. Den mag ich nämlich genau so wenig wie Ihr, auch wenn er am Samstag ein Tor geschossen hat, ein verdammt wichtiges.

Trotzdem: Força Barça!

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