Turismo en BCN

Kennt Ihr Euch aus in Eurer Stadt? Also ich meine: Kennt Ihr Euch so gut aus, dass Ihr Besuchern alle Sehenswürdigkeiten erklären könntet? Nicht unbedingt mit genauen Jahreszahlen, aber doch so, dass Ihr vortragen könnt, wer wann was gebaut, zerstört oder angeleiert hat? – Ich kann das nur ansatzweise:

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Dass beispielsweise die katalanische Flagge mit vier roten Streifen damals entstanden sein soll, als Wilfried der Haarige irgendwann im Mittelalter in einer Schlacht verwundet wurde und sein König, Karl der Kahle, mit dem Blut des Getreuen vierfingrig rote Streifen auf dessen güldenen Schild zeichnete, das bekomme ich immer noch hin. Alleine schon wegen dem „Haarigen“ und dem „Kahlen“, das vergisst man nicht so leicht. Das ist Stoff für Heldensagen.

Da aber Tochter 3.0 zuletzt im Kindergartenalter in Barcelona weilte, dachte ich mir: Komm, lass uns doch mal einen Tag auf Touris machen. Am Samstagabend machte ich also Eintrittskarten für eines der bekannten Stadthäuser Antoni Gaudís und für eine Stadtrundfahrt mit Doppelstöcker-Cabriobussen klar. Im Internetz hieß es: „Ersparen Sie sich das Schlangestehen, wir schicken Ihnen alle Tickets per E-Mail nach Hause, Sie steigen direkt in den Bus!“ – Gebucht, bezahlt, Karten als PDF erhalten, alles gut!
Und weil die eingehenden Mails mit dem Hinweis endeten, man solle doch von wegen Umwelt auf das Ausdrucken verzichten, speicherte ich die Tickets zusammen mit einem Routenplan der Touribusse von deren Website fein säuberlich auf meinem smarten Phone ab.

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Am nächsten Tag knattern wir also auf unserer fahrbaren Motorsäge am späten Vormittag zu einer Touribushaltestelle, die ich für unverdächtig hielt; weit vom Zentrum abgelegen würde es dort keine Warteschlangen geben, nicht um diese Uhrzeit.
Und tatsächlich, der Bus steht da, außer uns kein Mensch in Sicht, abgesehen von der Busbegleiterin in rot, die uns mit der Sonne um die Wette entgegen strahlt.

Doch das war ’s dann auch schon. Als ich das Mobiltelefon zücke, erstarrt das Lächeln der roten Dame. Das ginge leider nicht. Weil: ich würde ja jetzt Fahrscheine auf Papier bekommen und dafür bräuchte ich das Bestellticket ebenfalls auf Papier ausgedruckt. Sozusagen im Tausch – Papier gegen Papier.
Mir werden die Knie weich. Wie war das gewesen? Von wegen Umwelt? Verzichten Sie auf das Ausdrucken?

Im mentalen Blutrausch heiße ich die Tochter, erneut auf dem Soziussitz Platz zu nehmen. Wir sägen hinunter ins Zentrum, zur Touri-Zentrale im Untergeschoß der Plaza Catalunya. Dort stehen wir mit Blutdruck eine Stunde lang zwischen Franzosen, Engländern und Russen in der Warteschlange, bis ich schließlich – Du ahnst es nicht! – die E-Mail-Tickets vom Vortag erneut per Mail an die Touri-Zentrale zurückschicken darf und uns die Tickets ausgedruckt werden.

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Ach ja: Vergessen Sie das, was ich Ihnen da oben über Tourismus in der eigene Heimat gesagt habe. Begehen Sie niemals diesen Fehler. Und verwenden Sie um Himmels willen niemals Touristenverkehrsmittel in ihrer Heimatstadt!
(Erwähnte ich bereits, dass es in Barcelona zum Motorroller verkehrstechnisch keine Alternative gibt?)

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