Der Brautstrauß

Sie kennen das: Da sind Sie auf eine Hochzeit eingeladen, schlürfen ein oder zwei Glaserl Sekt, der Alkohol macht Sie unvorsichtig … auf einmal dreht sich die Braut um, wirft den Brautstrauß hinter sich und – zack! – schon haben Sie das Blumenbouquet in beiden Händen, weil Sie reflexartig nach allem greifen, was ihnen um die Ohren fliegt. Bei mir war das schon so, als sie mich in der Oberschul‘ ins Handballtor gestellt haben. Aber das ist eine andere Geschicht‘.

Liebster AwardVor zwei oder drei Tagen ist es mir wieder einmal so gegangen. Meine Wiener Lieblingsmamma heiratet und wirft mit Blumen wirft mit einem Stockerl namens „Liebster Award“ um sich und ausgerechnet trifft sie mich. Also nicht dass sie das so geplant hätte, auch wenn es Bräute geben soll, die ganz genau wissen, auf wen sie mit ihren Sträußen zielen.

Auf jeden Fall ist es jetzt so, dass ich auch heiraten ein paar Fragen beantworten muss und hinterher den „Liebster Award“ wieder unter die Menge werfen muss. Vielen Dank auch, LaMamma, bis dass der Tod uns scheide! – Ich schreite jetzt zum Schafott zur Beantwortung der elf Fragen aus Wien:

1. – Welches Buch schaffst Du nicht, fertig zu lesen?
Oje. Seit Anfang der Achtzigerjahre habe ich im Regal diesen Schinken stehen: Gödel, Escher, Bach, der damals weltweit für Furore sorgte: Ein Standardwerk für Hightech-Intellektuelle, insbesondere für die weltersten Nerds, also für Menschen, die sich damals mit Künstlicher Intelligenz beschäftigten.
Grob gesagt geht es darin um die Gemeinsamkeiten der Mathematik des Herrn Gödel, den Zeichnungen von Herrn Escher und der Musik Johann Sebastians. Das Problem liegt in der Formulierung „grob gesagt“. Denn das Buch geht ins Detail; und nicht nur in eines, sondern in hunderte. Ein Endloses Geflochtenes Band! – Ich sag jetzt mal: Ich weiß sofort, was ich antworte, wenn mich jemand fragt, was ich tun werde, wenn ich dereinst in Rente gehe.

2. – Welches Ziel (örtlich) sollst Du aus Dir nicht nachvollziehbaren Gründen einfach nicht erreichen?
Ich würd‘ ja gern mal die Panamericana mit dem Motorradl von Alaska bis Feuerland durchfahren. Das will ich schon, seit ich siebzehn war. Aber es gibt so viele Gründe, es nicht zu tun, die – jeder für sich allein genommen – nur schwer nachvollziehbar sind. Ich weiß trotzdem nicht, ob ich das jemals noch in Angriff nehmen werde.

3. – Welches Ziel (inhaltlich) hast Du irgendwann mit Freuden „aufgegeben“?
Als Berufsanfänger sind wir ja bekanntlich so konditioniert worden, dass es nur drei Ziele gab: Höher, weiter, mehr! – Höher hinauf in der Hierarchiepyramide, weiter denken als alle anderen, jedes Jahr mehr Zaster einsacken als vorher. Ich befürchte, so funktionieren unsere Systeme leider noch immer.
Bei mir stand vor vielen, vielen Jahren einmal „Vice President“ auf meiner Visitenkarte einer ziemlich bekannten deutschen Bank. Da hab ich dann sehr lange über mich nachgedacht. Und als ich endlich damit fertig war, mit dem Denken, da hab ich am nächsten Tag diese Visitenkarten in der Personalabteilung abgegeben.

4. – Wen rufst Du um drei in der Nacht an, wenn Du um halb drei in der Nacht jemanden anrufen musst?
Oha! Versteh ich das recht? Ich müsst‘ gezwungener Maßen um halb drei in der Nacht jemanden anrufen? – Im Leben nicht! Deshalb hab ich doch die Visitenkarten zurückgegeben!

5. – Was hast Du im nächsten Jahr vor?
Wie wär es, LaMamma? Gehma zusammen an Kaffee trinken? – Im Ernst: Ich nehme mir wirklich ungern Dinge vor. In meinem derzeitigen Leben ist zuviel erst oben, dann unten; oder erst ganz hinten und dann doch plötzlich vorne. Da lässt sich nur schwer konkret planen. Aber es wär toll, wenn ich wieder Zeit für einen Besuch in der alten Heimat finden würde.

6. – Für welchen Sport bist Du total ungeeignet und warum?
Ganz klar: für Golfen. Das Zuschauen langweilt mich. Und bei den Leuten, die ich kenne, die Golfbags in die Kofferräume ihrer SUVs hieven, kriege ich die Krätze, schon wenn ich ihnen zu nahe komme. Vielleicht hat ja auch das etwas mit dem Abgeben der Visitenkarten zu tun?

7. – Kannst Du/Magst du Menschen fotografieren?
Oh ja, beides!

8. – Rechnest Du im Restaurant die Rechnung nach?
Sind Sie narrisch? Wenn ich eingeladen bin, ist das unhöflich. Und wenn ich bezahle, hab ich ungefähr im Kopf, worauf es rauslaufen wird. Einmal hab ich das tatsächlich gemacht: Nach meiner Hochzeitsfeier, als ich von diesem pittoresken Hafenetablissement am Rande des Barrio Gótico in Barcelona eine Rechnung präsentiert bekommen hab, die für die Sättigung einer Hundertschaft durstiger Kosaken ausgereicht hätte, obwohl wir nur zwanzig Menschen waren. Diese Drecksäcke.

9. – Kennst Du jemanden, der schon einmal im Gefängnis war?
Ja. Mich.

10. – Wie lange brauchst Du, um ein Möbelstück auszusuchen?
Ich suche keine Möbelstücke aus. Möbelstücke suchen mich aus. Egal ob auf dem Flohmarkt, in einem Laden, oder bei Menschen die ich besuche: Wenn mir etwas auf den ersten Blick gefällt, ich auch noch weiß, wohin damit, und ich mir das Trumm sogar leisten kann, dann schlägt das Möbel zu und adoptiert mich.

11. – Wem bist Du dankbar?
Himmel, Herrgott, Sakrament, das ist schwer …
Am ehesten vielleicht dem „Schicksal“, das mich mit den Genen meiner Eltern ausgestattet hat, mit einem sonnigen Gemüt und mit ausreichend Geduld mit meinen Mitmenschen, so dass ich diesen galaktischen Wimpernschlag meines Lebens zu würdigen weiß, ohne mich völlig unnötig aufzuregen.
Ja, ich weiß, das klingt ein bisschen selbstgerecht, viel zu abgeklärt und womöglich nach einer gefühlsarmen Grundeinstellung. Aber lasst ’s mich halt, es gefällt mir so, wie es ist.

~

So, nachdem das jetzt alles geklärt wäre, bleibt mir noch die Sache mit den eigenen elf Fragen für … sowie der Stöckchenwurf in … die nächste Runde.

Schreiben Sie der Wortmischerei was Nettes in Ihr Tagebuch. Oder schimpfen Sie meinetwegen auch über mich. Dann nehmen Sie meine elf Fragen mit nach Hause und beantworten Sie:

1. – Münchener Oktoberfest? (Unbedingt! / Keinesfalls! / Was ist das?)
2. – Haben Sie Ihren Volkswagen schon abgestoßen?
3. – Erinnern Sie sich noch an das erste Musikstück, das Sie sich gekauft haben? (Vinyl, CD, Download?) Hören Sie sich das heute noch gerne an?
4. – Spielen Sie ein Musikinstrument? Trauen Sie sich damit vor Zuhörer?
5. – Im Preisausschreiben gewinnen Sie eine Penthauswohnung in Berlin, London, Paris, Prag oder Wien. Welche suchen Sie sich aus?
6. – Bevor Sie den Löffel abgeben: Welches Ding müssen Sie vorher unbedingt noch gedreht haben?
7. – Halb acht Uhr abends. Sie kommen völlig gerädert (aus der Arbeit) nach Hause. Was passiert, sobald der Mantel an der Garderobe hängt und die Schuhe in der Ecke stehen?
8. – Kochen Sie selbst? Was kommt auf den Tisch, wenn die leeren Teller schon nach einer Stunde im Geschirrspüler stehen müssen?
9. – Golf, Ski, oder Tennis? (Oder doch lieber die TV-Fernbedienung?)
10. – Wir schreiben das Jahr 2025. Was ist für Sie die auffälligste Neuerung im Vergleich zu heute?
11. – Sie packen Ihren eigenen Flüchtlingskoffer. Was muss da rein? (Fünf Dinge braucht der Mensch.)

Fertig? Klasse. Jetzt brauchen Sie sich nur noch selbst elf Fragen aus den Gehirnwindungen wringen und an mindestens fünf Opfer weitergeben. Na, bravo!

Wer nimmt meine Fragen zur Beantwortung mit in sein Cyberzuhause? – Nein, ich setze hier doch niemanden unter Druck!
Wisst Ihr was? Machen wir es einmal folgendermaßen: Ich verlinke meine aktuelle deutschsprachige Blogroll. Das sind alle diejenigen unter Euch, bei denen ich täglich mitlese und die Ihr in der letzten Zeit etwas veröffentlicht habt. Findet Ihr Euch wieder? Also könnt Ihr davon ausgehen, dass mich interessiert, was Ihr von eins bis elf zu sagen habt. Alle anderen sind jedoch gleichermaßen willkommen; denn vielleicht finde ich ja das eine oder andere neue Blog für meinen Feedreader? – Und bitte gebt Laut, wenn Ihr geantwortet habt!

Gehaben Sie sich wohl. Und verzeihen Sie die Ruhestörung.

~

Nachträge, 28.9. – 21.03.2016: Es gibt tatsächlich schon Antwortserien auf meine Frageliste. Klicken Sie doch da oben oder da unten auf die blauen Häkchen Ja, DAS sind blaue Häkchen! - Sie bedeuten: Fragen beantwortet, Antworten gelesen. hinter den Bloggernamen. Erfahren Sie unter anderem, was passiert, wenn Frau Novemberregen nach Hause kommt oder Frau Montez zu Hause bleibt. Oder warum Frau Kaltmamsell mit der Fernbedienung zum Schwimmen geht. Lesen Sie nach, warum Herr Leisetöner das Londoner Penthaus wählen würde, und warum Frau Tonari das Wichtigste nicht in ihren Flüchtlingskoffer bekäme. Vielleicht interessieren Sie sich ja auch dafür, was Frau Nessy mit dem Löffel unter dem Baum vorhat, oder wann Bomben auf Frau Spätleses Haus fallen werden? Oder nehmen Sie doch an Frau Katizas Safari durch Oberösterreich teil!

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27 Kommentare

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