Muss ja weitergehen …

Rita 1985

Übrigens kam es noch schlimmer. Eine ganze Ecke schlimmer sogar. – Nachdem mich Rita auf dem Campingplatz weggeschickt hatte, fuhr ich ohne Plan einfach los. Ich wusste nicht einmal, in welche Himmelsrichtung die Straße unter meinem Hintern führte. Nur eines war mir klar: Um nichts in der Welt wollte ich zurück nach München.

An diesem Abend landete ich an der Mittelmeerküste, irgendwo im Languedoc, wo plötzlich alles langsamer war und das Meer ruhiger. Vielleicht lag es aber auch an mir, dass das Leben mit einem Mal wie in Zeitlupe an mir vorüber zog, während die vergangenen vierundzwanzig Stunden in ständiger Wiederholung durch meine Gedanken purzelten: Die Strandpromenade in Biarritz, die französischen Mädchen … die Auseinandersetzung am Strand … Rita, die mich im Morgengrauen verabschiedete.
Ich blieb im Languedoc kleben, weiß nicht mehr, wie lange; versuchte zu ergründen, wohin mit mir. Schließlich lernte ich eine Gruppe von Holländern kennen, denen ich mich anschloss, weil ich begann, mir selbst auf die Nerven zu gehen: Diese verdammte Dauerschleife in meinem Gehirn! Hätte ich nicht bleiben und mich den Konsequenzen meiner Fehler stellen müssen?
Doch dafür war es zu spät. Also ließ ich mich von den spaßigen Holländern anästhesieren und ging mit ihnen auf Fahrt entlang der Côte d’Azur nach Italien und von dort in Schlangenlinien durch die Toskana, über die Alpen nach Bayern. Diese ziellose Zeit auf Achse, die ich in einer Art Trance durchlebte, hat nichts mit meiner Geschichte über die Valley-Riders zu tun; ich spare sie mir deshalb auf, vielleicht für ein andermal.
Fakt ist, dass ich erst drei Monate nach unserem Aufbruch an den Atlantik zuletzt wieder in München eintrudelte und mich auch dann für einen weiteren Monat mit Merle, einer der Holländerinnen, in meiner Bude in Laim vergrub.

~

Am Freitag nach dem Startschuss für die Oktoberwies’n hielt ich es nicht mehr aus. Schon seit Tagen war ich ich immer wieder vor dem Valley vorbeigetuckert, und nie war auch nur eine der Harleys auf dem Bürgersteig vor dem Lokal gestanden. Trotzdem hielt ich diesmal an, stellte die Yamaha ab und betrat das Valley.

Hinter dem Tresen stand Rita. Wie immer. So als habe der Vorfall auf dem französischen Campingplatz im Juni vor ein paar Monaten nie stattgefunden. Sie sah mich lange an, bevor sie fast unmerklich mit dem Kopf zur Begrüßung nickte.
Mit langsamen Schritten ging ich auf den Tresen zu und sah mich dabei um. Ich erkannte den Laden nicht wieder, der Gastraum im Valley hatte sich drastisch verändert. Die Wände waren frisch gestrichen, an Stelle der rohen Holztische und -stühle stand neues Mobiliar herum, mit – hoppla! – Stoffdecken auf den Tischen und gepolsterten Stühlen. Auch der Hangman in der Ecke zu den Toiletten war verschwunden. Und an den Tischen hingen nicht etwa Händi und der Rest der Bande herum. Zwei Familien mit jungen Kindern und ein älteres Paar saßen vor ihren Tellern und starrten mich verwundert an. So einen wie mich hatten sie offenbar hier nicht erwartet.
Außer Rita kannte ich nur eine weitere Person im Raum: Claudia, die Freundin von Mikey, stand reglos mitten im Raum, ein Tablett mit leeren Gläsern in den Händen. Auch ihr Blick ruhte unverwandt auf mir. Alle Gespräche waren verstummt, und plötzlich erschien in der Durchreiche zur Küche der runde Kopf eines schwarzhaarigen Mannes mit Bartstoppeln im Gesicht, der mich mit misstrauischem Blick beäugte. Erst als ich mich auf einen der neuen Barhocker an den Tresen gesetzt hatte, wandten sich die Gäste wieder ihren Tellern zu und nahmen ihre Unterhaltungen auf. Auch der Männerkopf in der Durchreiche verschwand genauso still, wie er dort aufgetaucht war.

Claudia stellte ihr Tablett neben mir auf dem Tresen ab und musterte mich mit gerunzelter Stirn. „Schau an, der verlorene Sohn“, gab sie kund und verzog sich durch die Schwingtüre in die Küche, ohne eine Erwiderung abzuwarten.
Ich wandte mich Rita zu, die ohne auch nur ein einziges Wort zu sprechen eine Halbe Bier auf einen Pappfilz vor mich stellte. Sie sah älter aus als ich sie in Erinnerung hatte. Ihr schwarzes Haar durchzogen einzelne Silberfäden, und in ihrem Gesicht erkannte ich unübersehbare Fältchen. Ritas schwarz geschminkte Augen blitzten nicht mehr so unternehmungslustig wie früher. Ihr Blick wirkte müde. Vorsichtshalber rechnete ich nochmals nach: Ja, Rita konnte nicht älter als neununddreißig sein, sah aber aus wie Ende vierzig.
„Ich weiß, ich bin alt geworden, Brösel“, sagte sie leise, während sie sich einen Schnaps einschenkte. Sie ließ das Glas des Stamperls gegen mein Bierglas klicken: „Auf die Vergangenheit.“

Als die Gäste gegangen waren und auch Claudia sowie Costa, der griechische Koch, zu dem der Kopf aus der Durchreiche gehörte, sich einsilbig verabschiedet hatten, standen vor mir drei geleerte Biergläser, fünf Schapsgläschen vor Rita. Die nächste Runde war in der Mache, Rita zündete sich eine Zigarette an, und endlich erfuhr ich, was am Atlantik geschehen war, nachdem ich mich abgesetzt hatte. Rita erzählte mit leiser Stimme, aber ohne zu stocken oder auf Einwürfe von mir zu warten.

~

Nach der Bestandsaufnahme am nächsten Vormittag – neben Rollo und mir war über Nacht auch der Geier ohne Abschied verschwunden, Händis Stichverletzung am Arm sah bei Tageslicht nur noch halb so wild aus, die beiden Mädchen Trixie und Claudia schliefen noch immer ihre Räusche aus – gerieten Mikey und Beats ohne ersichtlichen Grund aneinander.
Wahrscheinlich kamen die beiden nicht mehr mit den über Jahre bestehenden Loyalitäten zurecht, seitdem auch sie die wahren Hintergründe des nächtlichen Streits kapiert hatten. – War Händi, ihr unumstrittener Boss, auf einmal ein Weichei, der seiner Frau erlaubte, mit einem Jungspund zu vögeln? Oder hatte er das gar nicht mitgekriegt und war schon deshalb ein alter Depp? Und dieser Jungspund? Der Brösel, ihr kleiner Freund, ihr Maskottchen? Das konnte doch gar nicht sein! Und Rita erst, die Mutter der Nation? Die immer alles und jeden im Griff gehabt hatte?

Die beiden reagierten mit kopfloser Verunsicherung wie zwei kleine Jungs, die sich gegenseitig die Schuld gaben an unbegreiflichen Dingen in ihrem Umfeld, auch wenn diese in Wirklichkeit nicht das Geringste mit ihnen zu tun hatten. Beats und Mikey fingen an, sich gegenseitig lauthals zu beschimpfen, zu schubsen, und zettelten schließlich eine Schlägerei an, in die auch ein paar der Zeltnachbarn verwickelt wurden, als sie den Streit schlichten wollten. Als die hinzu gerufene Polizei auftauchte, solidarisierten sich die beiden Biker plötzlich, endlich wieder ein klares Feindbild vor Augen. Mit kalter Wut im Bauch massakrierten sie einen Gendarm nach dem anderen und konnten erst gestoppt werden, als ein ganzer Mannschaftswagen aus Biarritz zur Verstärkung der Dorfpolizei dazu kam.
Jetzt saßen Mikey und Beats im französischen Knast und warteten auf ihre Verhandlung.

„Natürlich haben wir den beiden Jungs sofort Anwälte besorgt“, berichtete Rita emotionslos, während sie sich an Glas und Zigarette festhielt. „Aber die machen uns wenig Hoffnung. Schwere Körperverletzung in fünfzehn Fällen, drei davon mit bleibenden Schäden, ein versuchter Totschlag, bandenmäßiger Widerstand gegen die Staatsgewalt, Einsatz von verbotenen Schlag- und Stichwaffen … Die zwei werden für mindestens zehn Jahre einsitzen.“
Mir wurde schlecht beim Gedanken an die beiden Freunde, und ich kippte das nächste Bier in einem Zug hinunter, um das Zittern meiner Hände in Griff zu bekommen.

Die Heimfahrt von Händi und den drei Frauen im Van war eine Tortur gewesen. Immer wieder war es aus nichtigen Gründen zu verzweifelten Streitereien gekommen, und als sie endlich zurück in München waren, wartete schon der nächste Donnerschlag auf sie.
Der Bruder von Rollo tauchte im Valley auf und informierte die vier Heimkehrer, dass Trixies Freund während der Rückfahrt auf seiner Mühle mit hoher Geschwindigkeit und zwei Promill im Blut von der Autobahn abgekommen und tödlich verunglückt war.
Trixie bekam diese Nachricht nicht auf die Reihe. Sie gab sich selbst allein die Schuld am Tod von Rollo und versuchte, sich mit Schlaftabletten umzubringen. Im Moment wurde sie in der Psychiatrie des Bezirkskrankenhauses Haar behandelt, erkannte aber seit dem Vorfall keinen ihrer Freunde wieder.
Was aus Geier geworden war, wusste niemand zu sagen. Er wurde nicht mehr gesehen.

„Wo ist Händi?“, fragte ich mit zitternder Stimme. Angst kroch mir aus dem Bauch hinauf in die Brust und schnürte mir den Hals zu.

„Ach, Brösel …“ Jetzt liefen Rita Tränen über die Wangen. Sie setzte die Obstlerflasche ohne den Umweg über das Glas an die Lippen, bevor sie weitersprach.
„Händi hat das alles nicht verwunden. Dass er die Kontrolle so vollständig verloren hat; erst über mich, dann über seine drei Jungs. Dass sie jetzt tot oder im Knast sind.“

„Wo ist er, Rita!?“ – Ich musste wissen, wo Händi steckte. Andererseits stellten sich mir die Nackenhaare auf, wenn ich daran dachte, dass mir die Frau noch nicht alles erzählt hatte.
„Es hat ihn schwer getroffen, dass Du am nächsten Tag verschwunden warst, Brösel.“ Rita heulte jetzt wie ein Schlosshund. „Es war ein Riesenfehler, dass ich Dich weggeschickt habe. Aber was sollte ich denn machen? Wärst Du geblieben, würdest Du jetzt wahrscheinlich zusammen mit Beats und Mikey einsitzen. Oder die beiden hätten Dich vorher erschlagen, wer weiß es denn? Ich musste Dich da raushalten. Unter allen Umständen.“
Jetzt lagen Rita und ich uns in den Armen und vergossen gemeinsam bittere Tränen wegen all der Fehler, die wir in der Vergangenheit begangen hatten. Wir krallten uns aneinander, um wenigstens den allerletzten Halt zu finden, der sich noch bot.

„Er hat sich totgesoffen, Brösel. Gerade mal drei Wochen hat er durchgehalten, nachdem wir wieder hier waren. Händi hat sich systematisch vergiftet. Koma, Kreislaufversagen. Am 4. Juli, dem Unabhängigkeitstag …“

~

Ich heulte mir die Seele aus dem Leib. Während mein Freund Händi den Löffel abgab, war ich mit dieser Merle und ihren Freunden durch die Gegend gezogen und tat alles, um mich zu vergnügen, um zu vergessen, warum ich nicht mehr mit meinen Freunden am Strand lag und blöde Witze riss, über die wir uns kaputt lachen hätten können. So wie es all die Jahre zuvor gewesen war.

„Bleib bei mir heut Nacht, Brösel“, schniefte Rita mit abgrundtiefer Verzweiflung im Blick.

~

Am nächsten Morgen schickte mich Rita zum zweiten Mal weg. Diesmal für immer.
„Ich ertrag es nicht, Brösel. Ich ertrag es nicht, wenn Du hier herumläufst, wenn Du neben mir liegst, wenn ich Dich spüre. So lebendig und trotzdem so einsam, so weit weg. Eigentlich trinke ich nicht mehr seit Händis Tod. Keinen Tropfen, außer gestern Abend. Aber wenn ich ständig durch Dich an alles erinnert werde, was ich vergeigt habe, dann werd auch ich das nicht überleben.“

~

Muss ja weitergehen: Ich habe Rita erst dreißig Jahre danach wiedergesehen, ein halbes Erwachsenenleben später, zu ihrem siebzigsten Geburtstag. Sie hatte zusammen mit Claudia die Kneipe noch zehn, zwölf Jahre weitergeführt. Dann hatten sie das Valley abgegeben.
Claudia war mit ihren Ersparnissen nach Frankreich gegangen, um dort die Entlassung Mikeys abzuwarten. Doch was aus den beiden und Beats geworden war, wusste Rita nicht, wollte es auch nicht wissen. Sie selbst hatte einen Verein zur Versorgung von Prostitutionsaussteigerinnen gegründet, in dem sie auch jetzt noch als Geschäftsführerin arbeitet.

Als alles gesagt war, was es zwischen uns zu sagen gab zu diesem späten Wiedersehen der Überlebenden in den ersten Januartagen 2016, zog sich Rita einen Mantel über, verstaute zwei Bierflaschen in den Taschen und hakte sich bei mir unter. Schweigend spazierten wir die kurze Strecke von ihrer Wohnung hinüber zum Waldfriedhof, um Händi an seinem allerletzten Bett einen Besuch abzustatten. Die Vögel zwitscherten. Im Januar.

Händi 1985

Laimer Brösel

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Für alle, die neugierig auf die Gestalten aus den Laimer Bröseln sind, gibt es eine kleine Galerie mit Portraitzeichnungen von Rita und den Jungs aus dem Valley.
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19 Kommentare

  1. Glück muss man haben.
    Glück ist zum Beispiel an einem Samstagvormittag nach einer Ausrede zu suchen, um dem Wochenendputz zu umgehen und dann etwas Geschriebenes zu finden, dass man unbedingt lesen muss. Muss im Sinne von Wollen. Ich habe mit den Laimer Bröseln gerade hinten angefangen. Zum Glück (Pech für meine Wohnung) gibt es da noch einiges zu lesen.

    • Ich habe das Putzen so lange vor mir her geschoben, dass ich heute nicht mehr umhin kam :-(
      Aber dass Du nach dem heutigen Kapitel noch weiter zu lesen gedenkst, das freut mich.

  2. Grauslige Geschichte, entschuldige bitte. Ich hatte mich doch so an Händy und Rita gewöhnt. Jetzt ist alles vorbei.
    Aber deinen Zeichnungen sieht man an, wie sehr du die beiden gemocht, oder darf ich sagen geliebt hast. Auch wenn ich diesem Kerl lieber nicht im Dunkeln begegnen würde, ehrlich.

    Wo ich gerade dabei bin, noch mehr Bildchen gibts nicht zufällig? Nach Rita und Händy wäre ich neugierig zum Beispiel auf Mike. Ich frag ja nur.

    • Ich hatte ja schon angedroht, dass es ein trauriges Ende gäbe. Aber ich hab noch ein paar weitere Geschichten in petto, die zu glücklicheren Zeiten spielen und die ich nachschieben werde.
      Und ein paar Zeichnungen hätte ich in der Tat auch noch in der Schublade, die es zu scannen gälte, wenn tatsächlich Interesse in der Leserschaft besteht. Sonst noch jemand, außer Frau Poppkörnchen?

      (Und: Ja, es gab Zeiten, da waren mir die Valley-Riders sowas wie eine zweite Familie.)

    • Ist ja gut. Ich hab die Zeichnungen schon mal rausgesucht. Werde sie auch in den kommenden Tagen einscannen. Selbst wenn Du die einzige Interessentin bist ;-þ

      Was den Friedhofsbesuch angeht, fällt es so manchem vielleicht schwer nachzuvollziehen, was Rita und mich vor drei Monaten getrieben hat. Aber es ist nun mal so, dass ein Besuch bei Händi ohne ein Bier in der Hand nicht vorstellbar war – und auch heute noch immer nicht ist. Er hätte dafür nicht das geringste Verständnis, glaub mir.

  3. Eine Bande, Rauferei und Sauferei, Messerstecherei, starke Sprüche von starken Männern, Knast, und sich zu Tode saufen. Das Leben voller Abenteuer. Und ein unerwartetes Ende um Brösel und die Bande.
    Eine mir völlig fremde Welt, wollte ich schreiben, bis mir mitten im Satz einfiel … was war denn da damals, als …

    • Sehen Sie, so hat jeder ein paar dunkle Erinnerungen aus der Vergangeheit, Sie also auch. – Und glauben Sie mir, heute wird mir manchmal auch angst und bange, wenn ich an die Zeiten im Valley zurück denke. Damals allerdings hab ich mir eher keine Sorgen gemacht; Anfang zwanzig lebt man im Moment und denkt nicht an mögliche oder sogar unausweichliche Konsequenzen.

    • Anfang Zwanzig! Das waren noch Zeiten. Manchmal wünsche ich mir die Unbekümmertheit von damals zurück. Aber wenn ich genauer hinschaue war: So unbekümmert, wie mir die Erinnerung vorgaukelt, war ich damals gar nicht. Irgendwann Anfang Zwanzig hatte ich mir eine handfeste Depression eingefangen, hegte heimlich Selbstmordgedanken. Ich war schon recht früh, mit 17, von daheim ausgezogen, um auf eigenen Beinen zu stehen, wie ich das damals zu sagen pflegte. Aber das von mir erträumte Leben lief nicht so glatt und daran wäre ich beinah zugrunde gegangen – sagt mein heutiges ICH rückblickend auf die Jugend.

    • Das hört sich so an, als hätten Sie auch eine ganze Menge zu erzählen.

    • … wie jeder Mensch. Oder wie die amerikanische Schrifstellerin Brenda Ueland das formuliert hat: „Jeder Mensch hat etwas Wichtiges zu erzählen!“
      Aber Ihr Antwortsatz macht mir etwas deutlich, was mir bisher im Gesamtzusammenhang meines Lebens so gar nicht aufgefallen war. Einerseits stehe ich im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit, andererseits gewähre ich ungern Einblick in meine Gefühlswelt.
      … allerdings weiß ich Ihr Interesse zu schätzen.

    • Genau so ist das: Die Gratwanderung des Blogschreibers. Wie weit bin ich bereit, mich aus dem Fenster zu lehnen?

      Ich drängle auch keinesfalls. Denn das muss jede(r) für sich entscheiden. Und vorher gut überlegen.

  4. Sie sagen es!
    Und die Frage ist beim Bloggen, wer liest mit? Ist es eine unbekannte Öffentlichkeit, der wir uns als Schreibenden anvertrauen, oder sind es Freunde, Bekannte; Nachbarn, der Bürgermeister, der Chef oder die Kollegen, die im Blog mitlesen?

    Und für mich gilt auch die Frage, wofür solls gut sein, Teile der eigenen Lebensgeschichte zu veröffentlichen? Sich psychisch ausleeren? Nach Mitgefühl heischen? Trost spenden? Applaus begehren? Selbstwertgefühl aufpäppeln? Schreibvergnügen? Selbstteraphie? Spass? Blogpoesie? Biografiepoesie?

    • Ja, wer liest hier mit? Es gibt eine Hand voll Menschen, die wissen wer ich bin und wer hier wirklich schreibt. Aber die sind so vertrauenswürdig, dass sie meinen echten Namen nicht weitersagen. Ich schreibe also an eine unbekannte Öffentlichkeit.
      Warum ich das mache? Bestimmt aus einer Mischung aus verschiedenen Gründen. Der Hauptgrund allerdings ist das Schreibvergnügen. Ich erzähle einfach gerne und fände es schade, keine Zuhörer zu haben. Wer führt schon gern Selbstgespräche. Ich jedenfalls nicht. Ich liebe Publikum und die Diskussion mit dem Publikum. Da ergibt eines das andere, und es entstehen immer wieder neue Inspirationen, Ideen für weitere Texte …

  5. Mannomann. Das ist ein hartes Ende. Und so plötzlich!
    Hut ab vor Deiner Erzählkunst, lieber Wortmischer! Ich bin beeindruckt.
    Du hast wirklich was erlebt.

    • Ja. Mir ist es bisher nicht langweilig geworden im Leben \o/

  6. Nachtrag: und noch einmal ein Kompliment zu Deiner zeichneriscehn Begabung. Bin immer wieder beeindruckt.Du solltest als Illustrator arbeiten oder Comics zeichnen, wenn Du es nicht schon tust.

    • Tja, ich bin nicht sicher, ob daraus etwas werden könnte. Aber immerhin probiere ich mich ja gerade hier im Blog aus. Wer weiß schon, wozu das noch führen wird …

  7. Pingback: Ciao, bella ciao | Wortmischer

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