Resteverwertung

Nach meinem samstäglichen Gemütsstrip, in dem ich unter anderem das unrühmliche Ende meiner Ehe beklagte (siehe unten), kam mir bei der Lektüre einer spanischen Tageszeitung ein mörderischer Artikel unter, der mir zwei nicht unwesentliche Aspekte klar machte, die einerseits mich selbst, andererseits aber auch die Situation der Menschheit im Allgemeinen betrafen:

  1. Sowohl meine Ex – so muss ich sie wohl nun nennen -, als auch ich haben großes Glück gehabt. Wir hätten uns ja auch gut und gern in der ungemütlichen Situation des Paares befinden können, um das es in dem Artikel ging: Der Ex-Mann bringt seine Ex-Frau ums Leben, zerteilt – als gelernter Metzger fachgerecht – die Leiche und verstreut die Körperteile auf einer Müllkippe. Im Vergleich dazu sind die Schmerzdame und ich ja nochmal richtig gut weggekommen!
  2. Der Metzger hatte sich aber nicht irgendeine Müllhalde, sondern laut Zeitungsbericht einen muladar ausgesucht. Während ich noch über diese Vokabel sinnierte, die mir keinesfalls geläufig war, folgte schon im nächsten Halbsatz die Erläuterung der Redaktion. Ein muladar ist offenbar eine spezielle Halde, auf der Tierleichen gestapelt werden, die dafür verwendet werden, Geier zu füttern.

Geierfütterung mit Leichenresten? Gibt es sowas nur südlich der Pyrenäen? Oder auch nördlich der Alpen? – Ist das womöglich die spanische Variante der italienischen Betonfüße, um unliebsame Zeitgenossen à la mafia verschwinden zu lassen?

Ich bin scheinbar nicht ganz auf dem Laufenden. Muss mehr Zeitung lesen. Habe ja jetzt durchaus die Zeit dafür.

Trümmermischer

Vor 33 Jahren haben wir uns kennengelernt, 28 lange Jahre waren wir ein Paar, vor 25 Jahren haben wir die erste gemeinsame Wohnung bezogen und 21 Jahre lang sind wir mittlerweile verheiratet. Am Donnerstag haben die Schmerzdame und ich in verhältnismäßig sachlicher Gesprächsatmosphäre vereinbart, künftig getrennte Wege zu gehen.

Wenn man zu dieser Entwicklung noch meine aktuelle berufliche Situation hinzurechnet und weiterhin berücksichtigt, dass wir derzeit das Familienschloss veräußern wollen, ergibt sich doch ein ganz erheblicher Trümmerhaufen, durch den ich gerade zu waten habe. Es bestätigt sich erneut der Hinweis in meinem Whodunit, nach dem ich  „es auf keinem Gebiet wirklich zu etwas gebracht“ habe.

Richtig ist andererseits – zumindest gemessen an der zerschmetternden Hiobsbotschaft meines gestrigen Blogeintrags -, dass es noch viel ärger kommen könnte. Kann. Also lasse ich den Kopf nicht hängen, hole die ganz große Kehrschaufel aus der Abstellkammer meines Herzens, schippe all die Trümmer zusammen und versuche, aus den neuen Freiheiten das Beste zu machen.

Um den Ansatz eines der treuen Kommentatoren weiterzuspinnen: You look younger than ever, love! Younger than ever! Ha, ha, ha.

Funktionskleidung

Claus Ast weist heute darauf hin, dass sich beim Sport Kleidung gemäß dem Zwiebelprinzip empfiehlt. Ich stelle aus aktuellem Anlass fest, dass die Zwiebel Ende Oktober 2013 zumindest im Taunus noch nackig geht: Das Hinausstellen der Papiertonne ist selbst am Fuße des Großen Feldbergs um 20 Uhr ohne weiteres barfuß und im T-Shirt möglich, ja durchaus sogar empfehlenswert!

Blogumzug!

Umzug von wordpress.com zur gedankenschmie.de

Der Möbelwagen ist abgerauscht, die neue virtuelle Bleibe des Wortmischers steht voll mit Umzugskartons*. Ich denke, es ist prachtvoll vollbracht!

Auf den ersten Blick hat alles geklappt: Alle Beiträge aus dem zurückliegenden Jahr sind angekommen, die geschätzten Kommentatorinnen und Kommentatoren sehen auch noch genauso aus wie vor dem Umzug und sogar die ganzen selbstverliebten selbstreferenziellen Links führen nicht mehr nach wordpress.com sondern zur gedankenschmie.de.

Eigentlich hätte ich mir den Blogumzug komplizierter vorgestellt, als er tatsächlich abgelaufen ist. Ein netter Mensch hat mir Webspace und eine WordPress-Installation zur Verfügung gestellt, ich habe mir die neue Blogumgebung nach meinem Geschmack eingerichtet, die alte WordPress-Datenbank erst exportiert und dann wieder importiert und schließlich noch die krummen Links mit einem Werkzeug aus dem Internet gerade gebogen. – Das war’s. Ungefähr drei Stunden Arbeit am PehZeh.

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Umzüge sind eigentlich immer Mist. Plackerei, Zeitverschwendung und Zwist, weil immer irgendetwas nicht so wie gewünscht klappt. Aber es musste einfach sein, aus Gründen:

  1. WordPress.com hat damit angefangen, meine Beiträge mit Werbeeinblendungen zu verunzieren. Ich mag das nicht, wenn ich nicht weiß, was man meinen Besuchern andrehen will. Und hinterher kommt noch jemand auf die Idee, mir vorzuwerfen, ich würde Beutel schneiden mit meinem Blog.
  2. Das Layout bei wordpress.com ist unflexibel. Mir war die Schriftgröße meines Designs schon lange viel zu klein. Aber eine Alternative, die mir insgesamt besser gefallen hätte, habe ich nicht gefunden. Und für Upgrades, bei denen man selbst Hand anlegen darf, verlangen die WordPresser richtig Kohle, mein lieber Scholli!
  3. Das ganze Seitendesign bei wordpress.com ist eine Katastrophe, wenn man es auf kleinen Bildschirmen (Smartphones, Tablets) ansehen will. Entweder alles läuft wild auseinander, oder man verzichtet auf eigenes Layout und sieht dann eine Standardtextdarstellung.

Deshalb. Und jetzt gibt’s erst mal ein Bierchen!

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*) Wussten Sie schon: Die Einzahl von „Umzugskartons“ lautet offenbar „Umzugkarton“!

Pasta & Sauce

Erlebe Deine italienische Liebesgeschichte

Heute als Beilage zu irgendeiner Werbezeitschrift in unserem Briefkasten: Ein Rezeptheftchen der Firma Barilla mit recht hanebüchenen Kochrezepten, die alle auf irgendwelchen Saucenprodukten von Barilla basieren. Firlefanz also. Ein klarer Kandidat für die Papiertonne.

Der Titel des Heftchens aber ist eine wundervolle Parodie auf die aktuellen Pressemeldungen über den Barillakonzern: „Erlebe Deine italienische Liebesgeschichte. Pasta & Sauce unzertrennlich“!

Gemäß der Weltanschauung der Familie Barilla müssen Frauen wohl für die Pasta stehen und Männer für Sauce. Anders kann ich mir die Aussage der Broschüre beileibe nicht erklären. – Oder habe ich etwa andere mögliche Variationen übersehen?

20 Fakten über …

… mich? – Nein danke! Da würde ich nie mitmachen. Unter keinen Umständen. Nicht dass ich Internet-Stöckchen grundsätzlich ablehne; manchmal apportiere ich sogar brav, wenn mir jemand ein Stück Holz hinterherwirft. In diesem Fall aber staune ich mit aufgerissenen Augen, was manche Menschen aus meiner Blogroll freiwillig von sich preisgeben. Ich bin abwechselnd erschüttert, ergriffen, erstaunt und belustigt. – Meins wäre das jedenfalls nicht.

Gelesen habe ich die 20 Fakten, Sachen oder Dinge über den einen oder die andere gerne. So gerne, dass ich hier die Top 20 meiner Lektüre zitieren möchte:

  1. „Die Farben der Vokale sind: E = gelb I = weiß A = rot O = blau U = sehr dunkles Grau, fastschwarz. Viel mehr Synästhesie ist (leider) nicht mehr, war früher deutlich mehr.“
    Ronsens
  2. „Bei Gummibärchen esse ich zuerst die roten, dann die orangen, dann die weißen, die grünen und zuletzt die gelben.“
    Dörte Nielandt in „Liebling nicht jetzt“
  3. „Ich liebe Menschen mit roten Haaren, ausser Boris Becker.“
    Carolin Hafen in „Zwei Fragezeichen“
  4. „Im zarten Alter von 15 Jahren machte mir ein Polizeihauptkommissar ein unschlagbares Angebot: Ich müsse nur meinem damaligen Freundeskreis abschwören und ersatzweise Mitglied seines Badmintonvereines werden – im Gegenzug würde er davon absehen, eine Akte mit meinem Namen anzulegen. Ich nahm an und spielte etwa zwei Jahre lang einmal wöchentlich mit großer Freude Badminton.“
    Frau Serotonic in „Absolute Serokratie“
  5. „Ich habe die 5. Klasse mit einem Schnitt von 1,4 zwei Mal gemacht. Fanden meine Eltern eine super Idee.“
    Patricia Cammarata in „Das Nuf“
  6. „Ich bin etwa die Hälfte der Zeit mehr oder weniger wütend, deutlich über den Münchner Grant hinaus. Das ist ganz schön anstrengend.“
    Die Kaltmamsell in der „Vorspeisenplatte“
  7. „Ich bin selten grundlos bösartig. Aber wenn ich Bahn fahre kaufe ich mir gerne mal extra einen McRib für die Fahrt im Großabteil.“
    Jens Scholz
  8. „Ich gehe gerne zum Zahnarzt.“
    Carola in „Frische Brise“
  9. „Als ich bei meinem Mann mein Lieblingsbuch in seiner Wohnung sah war ich gleich unsterblich verliebt in ihn. Heute stehen unsere beiden Exemplare nebeneinander in der Bücherwand.“
    Helena in „Die schlimme Helena“
  10. „Ich liebe es zu lesen. Kein anderes Medium schafft es, mir so nah zu sein, nicht Musik, nicht Film. Vielleicht, weil man als Leser ein Buch auch immer neu schreibt. Ich lese Bücher deshalb nicht nur im Bett und in der Bahn, sondern bisweilen auch im Gehen.“
    Frau Nessy in „Draußen nur Kännchen“
  11. „Ich lese in jeder freien Minute, sogar wäh­rend des Zäh­ne­put­zens. Ich kann aller­dings nicht im Auto oder im Bus lesen; da wird mir sofort schlecht.“
    Johannes Mirus in „1ppm“
  12. „Ich habe mein Leben lang bei Büchern immer die letzte Seite zuerst gelesen. IMMER. Egal, ob es 1 Satz war oder fast 1 Seite. IMMER und NUR die letzte Seite. Nun lese ich seit 1 Jahr auf dem Kindle und da mache ich das nicht mehr, weil es mir zu anstrengend ist erst auf die letzte Seite zu gehen und dann wieder nach vorne. Da brauch ich irgendwie mehr Klicks, als ich beim Buch noch Handgriffe benötigte.“
    Karin Krubeck in „curry and culture“
  13. „ich habe am 24. dezember in las vegas geheiratet. das jahr kann ich mir nicht merken, aber auf der innenseite des rings steht 2008. von jetzt ab kann ich googlen, wann ich geheiratet habe.“
    Felix Schwenzel in „Wirres“
  14. „Ich habe ein Pasta-Trauma. Genauer: ICH HASSE NUDELN. Und an die Psychotherapeuten unter Ihnen: ja, es liegt an meiner Mutter. Sie hat das gerne gekocht, der Rest der Familie hat es gerne gegessen. Und ich habe es über alles gehasst.“
    Lena Reinhard in „Dies ist kein Übung“
  15. „Das gilt übrigens auch für Binden. Die fallen mir dafür mit hübscher Regelmäßigkeit aus der Handtasche, wenn ich in der Öffentlichkeit was suche. Oder dann hängt ein Tampon am Schlüssel oder sowas. Der peinlichste Moment in Sachen weiblicher Zyklushygiene war allerdings mal am Wandertag im Progymnasium, als wir eine zweitägige Wanderung irgendwo in den Schweizer Bergen unternahmen und jemand aus unserer Klasse seine sich in Gebrauch befindende Binde auf einem Schneefeld verlor, weil sie ebendieser Person aus der Hose rutschte – damals gab es noch keine Flügel, okay? Auf jeden Fall sah dies unser Klassenlehrer und meinte, wer auch immer die verloren habe, solle sie doch bitte aufheben und mitnehmen, so von wegen Naturverschmutzung und so. – Sehr geehrter Herr G., das war meine Binde. Aber ich war 13 Jahre alt und niemals in meinem Leben hätte ich mich zu erkennen gegeben. So weit ging meine Liebe zur Natur nicht.“
    Natalie Springhart in „Gemischtwahnlädchen“
  16. „Ich habe mal Leistungsschwimmen gemacht, bin auch Deutsche Meisterschaften geschwommen, aber ich mochte es nicht sonderlich, weil da nur andere behinderte Jugendliche waren und ich bei Wettkämpfen kaum Konkurrenz hatte (zu jung, weiblich, zu behindert).“
    Christiane Link in „Behindertenparkplatz“
  17. „Menschen, die meinen, »nur eine einzige Person je« zu lieben, halte ich für unglaublich arm. In der Tat hege ich persönlich Zuneigung zu mehr als einer Person, auch dergestalt, dass ich offen von Liebe sprechen würde. Gleichwohl heißt das nicht, dass ich deswegen den besagten Kreis (der übrigens aus mehr als einem Geschlecht besetzt ist) gern begatten würde. Liebe und Sex sind für mich zwei Paar Schuhe, die gern zusammengehören können und dürfen, aber längst nicht müssen.“
    Teilzeitpazifismus im Lernmodus
  18. „Mein Vater starb, als ich 14 Jahre alt war. Mittlerweile ist mir klar, dass ich (unbewusst) daraufhin die rebellische Komponente meiner Pubertät quasi ausgesetzt habe, um meine verbliebene Mutter und Schwester nicht mit meinen Bedürfnissen zu belasten. Anpassen und Zurückstecken wurden zum obligatorischen Verhaltensmuster. Ein Idol meiner Jugend war Mr. Spock, der sich stets absolut unter Kontrolle hat. Diese Haltung währte, bis ich 40 war, dann hat mir meine Psyche sehr deutlich klar gemacht, dass ich laut werden muss und darf, wenn gehört werden soll, was ich will und was nicht.“
    Thomas Pfeiffer in „Formschub“
  19. „Meine erste Leiche fand ich zusammen mit Jörg. Er fuhr nen Opel Ascona. Zwei Liter.“
    Sacha Rottländer in „Rheinrennen und Ruhrschreiben“
  20. „Ich trage für mein Leben gerne Brille. Sollte ich sie irgendwann nicht mehr brauchen, würde ich die Gläser durch Fensterglas ersetzen lassen. Sie ist mein liebstes Accessoire.“
    Nina Weideling in „Nina’s Stitch“
  21. „Ich kann irgendetwas Banales und Egales überhaupt nicht.“
    Isabel Bogdan in „is a blog“ (Sonderpreis für Abschweifen auf die Metaebene)

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