Wenn Du einen Moment lang glücklich sein möchtest, widme Dich der Rache. Willst Du Dein Leben lang glücklich sein, dann verschreibe Dich der Vergebung.
(Mongolisches Sprichwort)
Wenn Du einen Moment lang glücklich sein möchtest, widme Dich der Rache. Willst Du Dein Leben lang glücklich sein, dann verschreibe Dich der Vergebung.
(Mongolisches Sprichwort)
„Ich stimme mit der Mathematik nicht überein. Ich meine, daß die Summe von Nullen eine gefährliche Zahl ist.“
– Stanislaw Jerzy Lec
Das moderne System der Dezimalziffern, in dem die Positionen der Ziffern ihre Wertigkeit angibt (Einer, Zehner, Hunderter) wurde von den Hindus ungefähr 800 n. C. erfunden. Die Einführung der 0 erleichterte das Rechnen sehr; insbesonders im Vergleich mit dem numerischen System der Römer, in dem eine Null nicht existierte.
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Stanislaw, Du alter Hindu!

Ich fühle mich alt. Wahrscheinlich ist man alt, wenn man all den Trubel und die Aufregungen nicht mehr verstehen kann, die jüngere Generationen veranstalten, wenn sie im Sinne der Menschlichkeit und des Altruismus sogenannte „politisch korrekte“ Unterfangen anleiern. Ich verstehe zum Beispiel nicht, warum demnächst Fotografien aus dem Obduktionssaal bei der Öffnung einer Lungenkrebsleiche auf alle Zigarettenpackungen aufgedruckt werden sollen. Das halte ich für geschmacklos. Verbietet Zigaretten oder lasst den Quatsch, ihr Heuchler!
Genauso wenig verstehe ich, warum man nicht mehr „Mohrenkopf“ sagen darf, ohne öffentlich ausgepeitscht zu werden. Hat sich je einer dieser politisch Korrekten die Mühe gemacht nachzusehen, woher der Begriff Mohr kommt? – Er stammt vom spanischen „moro“ ab, was ursprünglich „Maure“ bedeutete. Ein historischer Begriff für einen Volksstamm aus Nordafrika. Der übrigens in politischen und sozialen Belangen sehr erfolgreich agierte und nur um Haaresbreite von den Katholischen Königen aus Südeuropa vertrieben wurde, damals im Mittelalter.
Sei ’s d’rum. Ich lasse mit weder den Mohrenkopf noch das Zigeunerschnitzel verbieten, auch wenn GRN in der ZEIT-Redaktion über die politische Verwerflichkeit hinaus auch noch in kulinarischer Hinsicht bei beiden Speisen Mängel ausgemacht haben will.
Und nur aus reinem Altersstarrsinn erzähle ich jetzt noch einen total unkorrekten Witz, den zwar bestimmt schon jeder kennt, der aber trotzdem unbedingt hierher gehört:
Bestellung im Restaurant in Wien:
„Herr Ober, ich hätt‘ bittschön gern ein Zigeunerschnitzel!“
„San’S narrisch? Wegen einem Schnitzel schneiden mir doch unseren Zigeuner nicht an!“

Die Geschichte eines spanischen Desserts, das unter dem Namen Tocinillo de cielo bekannt ist, reicht bis ins Mittelalter zurück; genauer gesagt bis Anno Domini 1324. Die Nonnen des Konvents des Heiligen Geistes von Jerez de la Frontera in Cadiz entschlossen sich dazu, ein Dessert zu erfinden, um die enormen Mengen an Eierdotter zu verarbeiten, den sie von den Weinbauern der Gegend geschenkt bekamen. (Die Weinbauern verwendeten nur das Eiweiß, um damit ihren Sherry zu schönen.)
Die Nonnen mischten die Dotter mit Zucker und Wasser. Das Ergebnis war eine kompakte Masse, die sie eben Tocinillo de cielo – also „Schwärtchen des Himmels“ – tauften wegen seiner Ähnlichkeit zu wirklichen Schweineschwarten. Der angehängte „Himmel“ war offenbar ein früher Marketingclou, der die Wonnen der Religion ins Spiel bringen sollte.
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Das folgende Rezept (für 4 Portionen) habe ich von der Mutter meines Freundes Pepe, die offensichtlich zwar keine Nonne ist, jedoch aus der Region stammt:
1 Tasse Zucker
1 Tasse Wasser
1 Vanilleschote
6 große Eigelb
Die Hälfte des Zuckers in einer Pfanne bei mittlerer bis niedriger Hitze kochen, dabei regelmäßig rühren, bis der karamelisierte Zucker eine mittelbraune Farbe angenommen hat. In eine feuerfeste Form gießen, so dass der Boden gut bedeckt ist. Restlichen Zucker mit dem Wasser zu Sirup kochen, bis der Zucker Fäden zu ziehen beginnt. Vom Feuer nehmen und die Vanille einrühren. Ofen auf 200° C vorheizen.
Eidotter in einer Schüssel verrühren, dabei nicht schaumig schlagen. Den abgekühlten Zuckersirup einrühren und gut vermischen. Die Mixtur langsam auf den karamelisierten Zucker in der Form gießen. Die Form in eine größere, ebenfalls feuerfeste Form stellen und in den Backofen geben. Die größere Form mit heißem Wasser aufgießen, bis die Masse in der kleineren Form zu gut zwei Drittel im Wasserbad steht.
Ungefähr 45 Minuten backen, bis die Schwarte gestockt ist. (Ein Messer, das man in die Masse sticht, sollte ohne Rückstände wieder herausgezogen werden können.)
Abkühlen lassen, auf Teller stürzen und mindestens 2 Stunden im Kühlschrank kalt werden lassen. Servieren.
¡Que aproveche!
Es gibt ja diese Klischeevorstellung über Strafarbeiten für Mannschaftsdienstgrade der Armee oder für Insaßen von Strafanstalten: Die geballte Wucht der Brutalität und Gehässigkeit ihrer Vorgesetzten beziehungsweise des Wachpersonals manifestieren sich im Auftrag, den Gefängnishof oder die Latrine mit Zahnbürsten auf Hochglanz zu bringen.
Solche Horrorgeschichten halte ich ja eher für Übertreibungen. Sowas kommt doch in der Wirklichkeit nicht vor!
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Andererseits äußerte gestern die Schmerzdame unmissverständlich den Wunsch an die männlichen Bewohner des wortmischerlichen Haushalts, die Gartenmöbel einmal wieder auf Vordermann zu bringen. Sohn 2.0 und ich machten uns also ans Werk.
Was soll ich sagen: Es war Knochenarbeit.


Stellen Sie sich vor, Sie schauen bei der Zubereitung des Mittagessens zufällig aus dem Fenster und sehen, was ich heute zu Gesicht bekam. Wie würden Sie reagieren?
a) Ich würde mir mit dem Küchenmesser vor Schreck die Fingerkuppe absäbeln und laut schreiend in den Luftschutzkeller laufen.
b) Ich würde sofort den Laptop aktivieren und einen Verpixelungsantrag an Google stellen.
c) Ich würde meine eigene Kamera zücken und zurückknipsen. Wie Du mir, so ich Dir!
d) Von wegen Kamera! Ich würde die Schrotflinte in Anschlag bringen und den Vogel von der Leiter schießen.
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Wozu ich mich spontan entschieden habe, seht Ihr ja. Außerdem begab ich mich umgehend nach draußen, um den Herrn mit dem fetten Objektiv auf der Leiter nach seinem Begehr zu befragen.
Es stellte sich heraus, dass der Leitermann bereits am Vortag mit der Schmerzdame gesprochen und um Erlaubnis gefragt hatte, unser Haus fotografieren zu dürfen. Außerdem hatte er auch angekündigt, zu diesem Behufe auf sein Autodach klettern zu wollen; wir sollten uns nicht erschrecken.
Der Gute stellte sich mir vor als Rhodri Jones, seines Zeichens Dokumentarfotograf walisischer Herkunft mit Wohnsitz in Italien. Das erklärte zumindest das italienische Kennzeichen seines fahrbaren Aussichtsturmes. Und wenn das Internetz recht hat, werden wir unsere Hütte demnächst in einem jones’schen Fotoprojekt wiederfinden.
Der junge, dunkelhaarige Mann auf dem S-Bahnsteig im Untergeschoß des Hauptbahnhofes erinnerte Stepan an sich selbst, wie er vor mittlerweile zwanzig Jahren nach Deutschland gekommen war. Wahrscheinlich war er damals genauso verloren dagestanden wie heute dieser Bursche mit prall gefülltem Rucksack auf dem Rücken und einem großen Reisekoffer, über den er sich mit gespreizten Beinen gestellt hatte. Seinem Aussehen nach zu urteilen war der junge Mann Südländer; Grieche, oder Türke vielleicht. Ganz offensichtlich fühlte er sich unwohl auf dem nächtlichen Bahnsteig, auf dem kaum noch Passagiere unterwegs waren. Alle paar Minuten warf er unsichere Blicke in alle Richtungen, sah auf seine Armbanduhr und schob den Koffer nervös mit den Füßen ein paar Zentimeter hin und her.
Stepan wurde von plötzlichem Mitgefühl erfüllt. Er hatte sich bei seiner Ankunft im fremden Land auch unwohl gefühlt ohne seine Freunde oder Bekannte, völlig alleine gelassen auf einem Bahnsteig einer unbekannten Großstadt. Kein Wort Deutsch hatte er gesprochen, keine Mark in der Tasche, nur ein handbeschriebener Zettel mit einer Adresse, zu der er fahren sollte nach seiner Ankunft am Bahnhof.
Doch das war lange her. Inzwischen war Stepan verheiratet mit einer deutschen Frau, hatte zwei Kinder und eine gut bezahlte Anstellung bei der Versicherung. Er war Mitglied der freiwilligen Feuerwehr in dem kleinen Vorort, in dem er mit seiner Familie lebte, und Freizeitsportler in einem Teakwondo-Verein. – Stepan hatte Glück gehabt in seinem Leben. Er führte ein deutsches Bilderbuchleben und war rundum zufrieden.
Ob es dem jungen Mann auch so gut ergehen würde in Deutschland? In einer Anwandlung beinahe väterlicher Fürsorge ging Stepan auf den Jungen zu und fragte auf Deutsch, ob er ihm helfen könne. Er sah das Misstrauen in den Augen des Jungen, der kaum älter als zwanzig Jahre sein konnte. Stepan versuchte es auf Englisch, und da schüttelte der Mann den Kopf. „No, thank you. I wait for subway five“, anwortete er mit schwerem Akzent und einem rollenden r. Stepan lächelte den Mann an. „Same train as myself“, sagte er freundlich, nickte dem Mann zu und entfernte sich wieder einige Meter.
Als der Zug der S-Bahnlinie 5 einfuhr, stieg Stepan zu und sah, wie der junge Mann seinen Koffer aufnahm und hinter Stepan in den Waggon schleppte. Der Mann nahm ein paar Meter von ihm entfernt alleine in einer Vierersitzgruppe Platz, nachdem er den Koffer mit einigen Schwierigkeiten auf die Gepäckablage über den Sitzen gehievt hatte.
Wenige Minuten vor Mitternacht war der Wagen nur mäßig besetzt. Zwei Stationen später stieg der Großteil der Fahrgäste aus, so dass außer Stepan und dem Burschen nur noch vier oder fünf Passagiere verblieben. Auf der Bank gegenüber von Stepan saß ein magerer älterer Herr mit Schnauzer in einer blauen Stoffjacke und blickte ziellos im Waggon umher. Weiter hinten stand eine Gruppe von drei Männern, die sich leise unterhielten. Fahrkartenkontrolleure? Stepan begann bereits nach seiner Börse zu suchen, als die drei den Gang herunter kamen; stiernackige, breitschultrige Kerle mit Bürstenhaarschnitten, schwarzen Hosen und schweren Schuhen.
Sie blieben neben dem jungen Mann stehen und sprachen ihn an. Stepan konnte nicht verstehen, was sie sagten. Aber er sah, wie in den Augen des Burschen Angst aufblitzte, seine Augen groß wurden, während seine Lippen Worte formte, die vom Brausen der Bahnfahrt verschluckt wurden. Nun wurde einer der drei Kerle laut. „Den Rucksack! Nimm ihn ab und gib ihn her!“, herrschte er den Jungen an.
Empört starrte Stepan auf die Personengruppe. Das waren gar keine Kontrolleure. Das waren Randalierer, oder Neonazis, oder Räuber! – Als der junge Mann in einer unverständlichen Sprache zu schimpfen und den Kerl, der ihn drangsalierte, zu schubsen begann, rückten auch die beiden anderen Stiernacken näher und packten den Jungen an Schultern und Armen. Jeden Moment würde der Wortführer zum Schlag ausholen und auf das wehrlose Opfer einprügeln.
In Bruchteilen einer Sekunde hatte sich Stepan entschieden. Er sprang auf und war in drei katzenartigen Sätzen hinter dem Schläger, tippte ihm auf die Schulter. Als sich der Kerl mit verwundertem Blick auf Stepan umdrehte, zögerte dieser keinen Augenblick. Mit geübtem Griff packte er den halb erhobenen Arm des Angreifers, hebelte ihn herum und schleuderte den Mann in einer Rückwärtsfallbewegung über sich hinweg. Der Körper des Kerls krachte gegen eine Trennwand, fiel rumpelnd zu Boden und blieb reglos liegen. Noch bevor sich die beiden anderen Typen von ihrer Überraschung erholt hatten, stand Stepan schon wieder, um sich den nächsten vorzunehmen. Doch plötzlich hörte er ein leises Geräusch hinter sich, ein Klicken.
Stepan schnellte herum. Was er zu Gesicht bekam, verstand er nicht: Sein vormaliger Sitznachbar, der alte Schnauzer, stand breitbeinig ein paar Meter vor ihm. In den ausgestreckten Händen hielt er eine Pistole, die er auf Stepan richtete. Mit stahlgrauen Augen starrte ihn der Schnauzer an und noch bevor Stepan reagieren konnte, ertönte ein ohrenbetäubendes Krachen, er spürte einen stechenden Schmerz in der Brust, und seine Beine gaben unter ihm nach. Als Stepan in die Knie sank, sah er, wie sich die Waggontüre öffnete, der junge Bursche mit seinem Rucksack behende zwischen den beiden verbleibenden Stiernacken hindurch und aus der Türe schlüpfte, gerade noch rechtzeitig bevor sich diese wieder schloss.
Dann wurde es dunkel, und Stepan spürte nicht mehr, wie sein Gesicht auf den Wagenboden schlug, als er nach vorne kippte.
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Toter im Rauschgiftkrieg
Gestern Nacht kam es in einem S-Bahnzug der Linie S5 zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Vier Zivilfahnder des Rauschgiftdezernats waren dabei, einen mutmaßlichen Kokainschmuggler aus dem Iran festzunehmen, als einer der Beamten unvermutet von einem Komplizen des Schmugglers tätlich angegriffen und schwer verletzt wurde. In der folgenden Auseinandersetzung wurde der Komplize von einem Polizeioberkommissar angeschossen. Er erlag seiner Verletzung auf dem Transport ins Krankenhaus. Dem mutmaßlichen Schmuggler gelang die Flucht. – AP