Wahl im Narrenhaus

Wir haben die Wahl im Narrenhaus

Ich verrate jetzt mein Wahlgeheimnis. Also nicht die Stellen, wo ich meine Kreuze gesetzt habe. Die kennt Ihr ja schon. Ich verrate, warum ich immer fröhlich und gerne zu Wahlen gehe. Das liegt nämlich daran, dass wir in einem Narrenhaus die Wahl haben. Wir setzen tatsächlich unsere Kreuze bei den Narren, im Vereinsheim des örtlichen Karnevalsverein.

Da geht man immer fröhlich rein und auch wieder raus, ganz egal, wem man seine Stimme gegeben hat. Das ist immer ein bisschen wie Weiberfastnacht in Köln: Egal was man treibt, am nächsten Tag ist wieder alles so, als sei nichts gewesen.

~

Und tatsächlich ist heute sowas wie Aschermittwoch, die gelben Wahlkampfumzugswägen sind in den Fluten von Rhein, Main und Spree abgesoffen, die grünen Karren sind auch stecken geblieben, der rote Peer ist beleidigt, und Mutti Merkel legt die Wahlkampftröte zur Seite, ihre Fingerspitzen aneinander und fragt sich, woher sie die drei oder vier fehlenden Stangenhalter außerhalb der schwarzen Truppe nehmen soll, die ihr zum Aufräumen für eine Parlamentsmehrheit fehlen. Gelb sind die jedenfalls nicht mehr, grün werden sie auch nicht sein, das haben wir gestern Nacht schon gehört.

Meine persönlichen politischen Hoffnungen habe ich auch für die nächsten vier Jahre im Narrenhaus beerdigen müssen.

Ass-Tag Convention

Handtuch mit Bedienungsanleitung

Es muss mit dem Alter zu tun haben, dass man sich mehr und mehr mit Hygienefragen beschäftigt. Vielleicht liegt es daran, dass man nicht – schon  in ein paar Wochen, Monaten oder Jahren – als müffelnder Greis enden möchte. Jüngere Menschen können das meistens nicht verstehen; Patricia* wettert beispielsweise gegen einen altchristlichen Irrglauben, der bewirkt, dass sich moderne Frauen Duftbäumchen in die Unterhosen stecken. Ich erinnere mich ja durchaus noch daran, mich bis ins zarte Alter eines Twens einen – Entschuldigung! – Scheißdreck darum gekümmert habe, mit welchem Ende des Handtuchs ich mir gerade Gesicht oder Hintern abgetrocknet habe.

Die zarte Gesichtshaut eines Silberrückens könnte allerdings den Kontakt selbst mit minimalen Mengen von Fäkalpartikeln übel nehmen und einen solchen womöglich sogar mit rasanten Alterungserscheinungen quittieren. Man weiß es nicht. Aber schließlich ist man ja keine Schmeißfliege. Deshalb könnte ich mir vorstellen, dass Erfindungen wie das Handtuch da oben Verkaufsrekorde erzielen.

Wie aber sollen Besitzer von Standardhandtüchern eine hygienisch einwandfreie Handhabung des Tuches sicher stellen? – Ich bin so froh, dass unsere US-amerikanischen Freunde selbst dafür eine Lösung gefunden haben: die Ass-Tag Convention. Die besteht darin, dasjenige Ende des Handtuches mit dem Zippel daran, also dem Schläufchen mit Waschhinweisen oder dem Herstellernamen, ausschließlich für die unteren Körperpartien zu verwenden. Das entgegengesetzte Ende des Handtuches darf dann getrost für die Trocknung von Gesicht und Kopfhaar eingesetzt werden.

~

Finden nicht auch Sie es beruhigend, mit welch geringem organisatorischen Aufwand sicher zu stellen ist, die zivilisatorische Errungenschaft der persönlichen Sauberkeit aufrecht erhalten zu können? – Ich wünsche einen sauberen Wahlsonntag allerseits.

~

*) Patricia. Mit c. Nicht mit z.

An der Wahlurne

„Hören Sie! Sie müssen am Sonntag zur Wahl gehen! Unbedingt!“
„Wieso? Was habe ich davon?“
„Na, wenn Sie nicht wählen, dann vergeben Sie Ihre Chance zur Mitgestaltung der Zukunft Deutschlands!“

Dann gehe ich eben am Sonntag ins Wahllokal, auch wenn es dort überhaupt keine Getränke gibt. Oder wenigstens keine anständigen. Auf den laschen Kaffee aus der Thermoskanne des Wahlhelfers verzichte ich. Vielleicht sollten wir eine Flasche Schampus mitnehmen? Um nach dem Kreuzeln auf die Zukunft Deutschlands anzustoßen?

Aber wo soll ich bloß meine Kreuzchen setzen?

Die Union verbietet sich von selbst. Sesselklammerer, Wendehälse, Aussitzer haben in den zurück liegenden Jahren unerträgliche Ignoranz gegenüber wichtigen gesellschaftlichen Themen bewiesen. Das Leistungsschutzgesetz und die Haltung zur NSA-Affaire sind nur die allerletzten Ausprägungen fehlender Strategie und nicht existierenden Gespürs für gesellschaftliche Notwendigkeiten. Frau Merkel hat außer Machterhalt keine Ziele, ihre Methode des Nichtregierens ist eine einzige Katastrophe; und Herr Seehofer ist ein unerträglicher, arroganter Opportunist.

Die FDP?

Dummerweise bieten aber auch die sonstigen sogenannten „etablierten Parteien“ keine vernünftig begründbaren Alternativen. Ich habe sogar ernsthaft über die Partei der Nichtwähler nachgedacht. Die steht bei uns aber gar nicht auf dem Stimmzettel. Also „Die Partei“ als Abstraforganisation gegenüber den Politignoranten jeglicher Grundfarbe?

Nein, das ist mir zu albern. Sarkasmus im Angesicht einer Urne liegt mir nicht.

Also doch lieber den Sekt vor dem Lokal austrinken und wieder nach Hause gehen? – Nee, wo ich doch schon mal hier bin …

~

Der Wahl-O-Mat, den ich mit meinen persönlichen Themenpräferenzen gefüttert habe, empfiehlt mir die Grünen und die Piraten. Und tatsächlich sind mir beide thematisch gar nicht so unsympathisch. Aber dann denke ich wieder an die Chance zur Mitgestaltung und muss leider einräumen, dass beide in unserem Wahlkreis völlig chancenlos sind. Meine Erststimme an grün oder orange wäre also todsicher verloren.

Dann machen wir das also so: Erststimme an die SPD, denn alles – na ja, fast alles – ist besser als die Union. Trotz Steinbrück. Und die Zweitstimme an die Grünen, denn ich stelle mir vor, dass die Merkelwürdige mit einem grünen Koalitionspartner die größten Schwierigkeiten hätte, weiterhin so planlos durch die deutsche Zukunft zu driften.

Ach ja, da wäre ja auch noch die hessische Landtagswahl. Hier setze ich dann mal voll auf die Piraten. Laut Sonntagsfrage zur Wahl haben die sogar eine kleine Chance, in den Wiesbadener Landtag einzuziehen. – Ahoi!

Zittere, Deutschland, vor meinen Kreuzchen!

Multi Channel Security Farbanking

Das Sicherheitskonzept beim Homebanking umfasst bekanntlich auch die sogenannte „Two Channel Autorisierung“, also zum Beispiel Überweisung am PC und TAN-Versand per SMS auf das Handy. –  Mit Tochter 1.0 haben wir den Sicherheitsstandard noch einen Schritt angehoben.

Für ihren Australientrip hat sie ihr neues Smartphone samt deutscher SIM-Karte zu Hause gelassen. Down Under verwendet Sie ein olles Gerät mit einer Aussie-SIM. Wenn Sie an ihren deutschen Konten herumfrickeln will, ruft sie mich auf Skype an, damit ich zu Hause ihr Smartphone anwerfe. Dann macht sie bei ihrer Bank im Netz, was auch immer sie plant.

Die mobile TAN dazu landet bei mir auf ihrem Telefon. Ich leite die Nachricht nach Copy&paste über WhatsApp an das australische Handy weiter.

Da sag mir mal einer, das sei nicht so sicher wie Hofgang in Alcatraz.

Hygienekrise

Ich gehe ja ab und an mit Sohn 2.0 und meinem Neffen Squash spielen. Das macht uns allen dreien Spaß und endet zumindest seit ein oder zwei Jahren mit tiefenreinigenden Saunabesuchen. Beides – Squash als auch Sauna – kann ich Vätern und Onkels, Söhnen und Neffen unbedingt empfehlen.

Nun ist es aber so, dass beim Saunabesuch das eine oder andere Detail ins Auge fällt, das man weder zu Hause noch beim Ballsport zu sehen bekommt. Und genau in diesem Moment stellt sich dem Alten Sack™ eine Frage, die nicht jeder öffentlich auszusprechen wagt. Diese Frage ist einerseits solch delikater Natur, andererseits aber von derart entscheidender Bedeutung gerade für Männer in fortgeschrittenem Alter, dass ich heute einmal einen Grundsatz über den Haufen werfen muss, den ich bisher strikt befolgt habe. Heute muss ich ausnahmsweise das Wort an zwei Herren auf Youtube abgeben, die eine gesellschaftliche Elementarfrage so punktgenau formulieren, wie ich es selbst keinesfalls treffender könnte:

Elternschicksale

Die von mir hoch geschätzte Frau N. versucht verzweifelt, den Überblick beim Kindergeburtstag mit Harry Potter, Hermine Granger, Ron Weasley, Cornelia und Arwen zu behalten.

Ich hingegen kämpfe damit, Passwörter verschiedener Banken zu erlangen, um das Kreditkartenguthaben von Tochter 1.0, die derzeit in Australien weilt, von ihrem Girokonto frisch zu betanken, damit sie den Uluru besuchen kann. Oder wollte sie den Weißen Hai sehen? Ich erinnere mich nicht mehr.

Fest steht hingegen, dass Sohn 2.0 dringend die Buchung eines Zugtickets fordert sowie den Versand des Ticket-PDFs per Dropbox, weil sein Kreditkartenkonto derzeit unpässlich sei. Er will das Geld nachträglich zurückzahlen, sobald er rechtzeitig vom Besuch bei seiner Herzdame zur Geburtstagsfeier meiner Schmerzdame wieder zu Hause sei.

Da trifft es sich gut, dass Tochter 3.0 gerade nur ein paar Erklärungen zum Thema lineare Gleichungen benötigt, die ich glücklicherweise eben noch so aus dem Ärmel schüttle. Es bleibt also noch genug Zeit, mit ihr die akute Sinnkrise ihres Bloggerinnenlebens zu diskutieren.

~

Trösten Sie sich, Frau N. Für jedes Problem gibt es eine Lösung. Auch wenn wir Eltern manchmal einen Moment dafür brauchen.

Freitagstexter: Pokalverleihung

Der Güldene Freitagstexterpokal

Der Daniel Düsentrieb des Fahrradbaus vom vergangenen Freitag hat die Texterbande wieder angelockt und zu einigen hochtrabenden Untertiteleien verführt. Ich danke Euch sehr für Euren Einsatz, auch wenn Ihr mich diese Woche in ein arges Dilemma gestürzt habt. Ihr werdet gleich verstehen, warum.

Sehr witzig fand ich den Untertitel des Herrn Shhhhh, der mit seinem Filmtitel Erinnerungen an den unerreichten Helden meiner frühen Jugend wach rief. (Bevor Ihr alle googeln müsst: mein Held war Bud Spencer :-) Für den „Plattfuß“ bekommt Herr Shhhhh die Bronzemedaille verpasst. Silber geht an den treusten Freitagstexter überhaupt, an den ich mich erinnern kann, nämlich an Hubbie für „Ich bremse auch für Nordic Walker“. Und den Goldpokal hätte ich gerne an eine mir noch unbekannte Teilnehmerin vergeben, nämlich an Hele für „Hätte hätte Fahrrad…reifen“.

Mein Dilemma besteht allerdings darin, dass weder Frau Hele noch Herr Hubbie über ein Blog zu verfügen scheinen. Das bedeutet, nach dem just von mir erfundenen Nachrückprinzip bei Leistungsstörung, dass der Pokal in dieser Woche an den Herrn Shhhhh geht:

Bicicleta zapatero

„Sie nannten ihn Plattfuß.“

Erneut an Herrn Shhhhh. Von ihm hatte ich nämlich den Becher erst vor einer Woche bekommen. Jetzt geht er auf direktem Wege an ihn zurück. Also es wäre doch gelacht, wenn wir hier nicht auch mal ein Pokal-Pingpong hinbekämen, oder?

Zum FreitagsNexter