Freitagstexter: Pokalverleihung

Der Güldene Freitagstexterpokal

High Noon. Showdown. 1952 in Hadleyville und heute beim Wortmischer. Seit vergangenem Freitag hattet Ihr Zeit, Euch wortreich über ein Hochzeitsfoto auszulassen. Ich hatte ehrlich gesagt erwartet, ein paar höhnische Bemerkungen über Sascha Lobo zu lesen oder über den fetten Harry-Potter-Piraten auf dem Bildchen. Aber es kam anders.

Sehr viel gelacht habe ich über den Rotkardinal von Herr Shhhhh sowie die Disco in Panderau an der Saale des Bumerangs. Hätt‘ ich mehr als nur einen Pokal abzugeben, die beiden hätten auch einen bekommen. Den einen Pott aber, den ich heute weiterreiche, werfe ich …

Was würden Sie unter dieses Foto schreiben?
„Erntepunkfeier der Alternativkatholen in Berlin-Wedding.“

… dem einzigen mir bekannten professionellen Freitagstexter hinterher, dem Herrn Vielfraß für seine Erntepunk-Wedding.

Wir treffen uns also übermorgen alle wieder bei Gulogulo. Herzlichen Dank fürs Mitmachen und bis zum …

Zum FreitagsNexter

 

Ball flach halten?

Ihr wisst es, und ich weiß es auch: Die besten Ergebnisse erzielt der Spieler, wenn er den Ball flach hält, am Gegner vorbeizieht und einen gezielten Schuss auf den Kasten abgibt.

Aber wir wissen auch, dass das nicht immer klappt. In beiden Partien, an denen ich gerade mitspiele – der beruflichen und der privaten – war ich bis eben noch am Ball und sah zehn Gegner auf mich zu walzen.
Was anderes bleibt mir übrig, als kurzen Anlauf zu nehmen und das Leder beherzt so weit wie möglich in die Hälfte der jeweiligen Gegner zu treten? Selbst wenn ich genau weiß, dass die jetzt alle schnaufend zurück eilen und die nächsten Angriffe vorbereiten.

Schlau ist was anderes. Aber was will man machen.

Freitags: Heiraten statt Fisch

Freitagstexter

Kommen Sie rein, Schuhe können Sie anbehalten. Das ist eh so eine Unsitte, die ich nie verstanden habe: Wieso sollten sich meine Besucher die Schuhe ausziehen, wenn es doch mehr als einen Fußabstreifer gibt auf dem Weg zwischen Portal und Turmzimmer? Also ich meine, wer will, der möge seinen Gefühlen freien Lauf und die Treter vor der Türe lassen. Bestimmt gibt es Menschen, deren Gedanken freier schweifen und die sich befreit fühlen, wenn sie die Latschen abstreifen dürfen.

Machen Sie das doch bitte so, wie sie wollen. Hauptsache ist doch heute, dass Sie sich das Bild ansehen. Welches Bild, fragen Sie sich? Na, dieses Bild, zu dem Sie Ihre Im- oder Expressionen hinterlassen sollen. Dieses Bild, das dank des freundlichen Bumerangs – herzlichen Dank nochmals! – heute und hier ausgestellt wird.

Was würden Sie unter dieses Foto schreiben?

Denken Sie nach. Was sollte Ihrer Meinung nach als Bildunterschrift zu diesem Foto stehen. Schreiben Sie ’s bis Dienstagnacht in die Kommentare und mit ein bisschen Glück fangen Sie sich den nächsten Freitagstexterpokal ein. Die Teilnahmeregeln sind so sagenhaft einfach wie eh und je. Geben Sie sich ein bis zwei Rucke und machen Sie mit!

Ich lege übrigens Wert auf die Feststellung, dass das Foto nicht anlässlich der wortmischerlichen Hochzeit aufgenommen wurde. Damals war die Fotografie noch nicht erfunden. Ich hab doch keinen roten Irokesen! Vielmehr ging mir das Bild – wie immer bei meinen Freitagstexten – per E-Mail zu und schlummerte in diesem speziellen Fall bereits seit Jahren auf diversen meiner Festplatten, stets in der Hoffnung auf seinen Einsatz bei einer Freitagstexterei. Sie sehen: Auch Fotografien haben Hoffnungen! Und manchmal gehen sie in Erfüllung.

Biologische Kriegsführung

Ich bin jetzt dazu übergegangen, der Fliegeninvasion in meiner Wohnung mittels Einsatz biologischer Waffen zu begegnen. Dazu habe ich das Dossier der letzten ZEIT-Ausgabe über Ebola zu einer länglichen Patsche gefaltet. Wenn ich wieder mal daneben schlage, besteht so hoffentlich die Chance, dass sich das verfolgte Insekt am Virus infiziert und verreckt.

Man muss aus allem das Beste machen.

Patrick Wer?

Patrick Modiano

Damit Sie den auch mal gesehen haben: So sieht ein Literaturnobelpreisträger aus. Von Jahr zu Jahr bekommt man als Interessierter mehr das Gefühl, das Nobelkomitee beabsichtige, sich interessant machen zu wollen, indem sie Literaten auszeichnet, die möglichst niemand kennt. Ist ja vielleicht auch viel gerechter so: Man nehme die Top 100 der bekannstesten Schriftsteller und verleihe den Nobelpreis an denjenigen, der an letzter Stelle steht. Der braucht den Zaster wahrscheinlich eher als jemand aus den Top Ten.

Ich gedenke übrigens nicht, irgendetwas von Patrick Modiano zu lesen. – „Für die Kunst des Erinnerns, mit der er die unbegreiflichsten menschlichen Schicksale wachgerufen und die Lebenswelt während der [deutschen] Besatzung sichtbar gemacht hat.“ Befindlichkeiten. Schwere Geschichtskost. Ach, lasst mich doch in Ruhe.

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Von meiner Halde habe ich gestern Abend einen Roman geklaubt, den ich zuletzt vor 30 Jahren gelesen hatte. Desideria von Alberto Moravia. Dessen Romane hatte der Vatikan im vergangenen Jahrhundert noch wegen Obszönität auf den Index gesetzt, während der Autor gleichzeitig Literaturpreise dafür erhielt. Der Nobelpreis war allerdings nicht darunter.

Supergeil

Ich muss es mir mal von der Seele schreiben. Schon aus therapeutischen Gründen: „Ich hasse die Radiowerbespots für das Saidäbachä-Müsli!“ Die sind alle krank. Egoman. Unerträglich. Wobei egomane Werbung durchaus auch bei mir ankommen kann. Ziemlich supergeil finde ich zum Beispiel Friedrich Liechtenstein, den swingenden Pop-Grufti aus der Edekawerbung.

DIE ZEIT: Das Lachen ist genauer als der Kopf, Interview mit Friedrich Liechtenstein

Die Aussage der Edekaspots ist zwar nicht minder platt als die des Herrn Saidäbachä. Aber der Hauptdarsteller macht den Unterschied. Liechtenstein ist ein selbst inszeniertes, absurdes, aber genau deshalb bewundertes Totalkunstwerk. Kids an meiner Schule sagen: „So einen Papa fände ich total cool.“ Die Eltern dieser Kinder denken wahrscheinlich: „Das würde ich mich gern auch mal trauen.“

Und ich schreibe: Solange es Typen wie diesen Liechtenstein gibt, ist unsere Gesellschaft noch nicht verloren. Solange halten wir auch die Saidäbachäs dieser Welt aus.

Kurvendiskussion

Ach ja, falls Sie noch irgendwo so einen alten Fernseher herumstehen haben, so einen mit dickem Röhrenhintern, dann holen Sie schon mal den Staubwedel raus und bringen das Teil wieder auf Vordermann.

Denn, Überraschung: Fernsehgeräte mit gebogenem Bildschirmglas sind jetzt wieder modern! (Ja, ich weiß, die neuen haben die Kurve nach innen. Aber wollen wir mal nicht kleinlich sein.)

Fragen Sie sich eigentlich auch, welche Vorteile ein gebogener Bildschirm gegenüber einem flachen hat? Mir fällt da nur ein einziger ein: Den LG-Grundig-Samsungs ist gerade nichts Besseres eingefallen, um uns schon wieder zur Anschaffung eines neuen Technikspielzeugs zu animieren.
Wann kommt der Folienbildschirm als Tapetenrolle, den wir quer durch alle Zimmer auch um Kanten und Ecken an die Wand kleben können?

(Ihre Visionen zur künftigen TV-Technik bitte in die Kommentare. Bei entsprechender Innovationsdichte reiche ich Sammelpatente ein und wir werden alle reich!)