Männer, die Ohrringe tragen, sind besser auf die Ehe vorbereitet, weil sie bereits selbst mit Schmerz experimentiert und Schmuck eingekauft haben.
~ Vicente P. (42), geschieden (gefunden beim Plüschtierchen)
Männer, die Ohrringe tragen, sind besser auf die Ehe vorbereitet, weil sie bereits selbst mit Schmerz experimentiert und Schmuck eingekauft haben.
~ Vicente P. (42), geschieden (gefunden beim Plüschtierchen)

Lasst uns über die Stille reden – Die Kollegen haben mir gestern den Schreibtisch dekoriert und mit einem vielversprechenden Wein der Bodegas Habla bestellt. Es ist ein Jammer, dass ich derzeit den Korkenzieher in der Küchenschublade lassen muss. Soll. Will.
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Fastentage: 22
Gewicht: minus 4 kg
Alle Welt jammert darüber, dass niemand mehr Socken stopft, sondern löchrige Fußsäcke sofort ausmustert und der Entsorgung zuführt. Wo bleibt denn da die Nachhaltigkeit! – Ich jedenfalls halte es für meinen Auftrag, an dieser Stelle einmal einen Kontrapunkt zu setzen und ein leuchtendes Gegenbeispiel anzuführen, um in Ihnen das Verlangen zu schüren, sich der Bewegung anzuschließen und der Verschwendung Einhalt zu gebieten.
Im Jahre des Herrn 1996 wurde Tochter 1.0 zu ihrem dritten Geburtstag mit einem Radiorekorder beschenkt. Im Laufe der folgenden Jahre dudelten sämtliche Folgen von Bibi Blocksberg, Benjamin Blümchen und dem Kleinen Vampir in Dauerschleife über den Magnetlesekopf der Kassetteneinheit. Erst zum Jahrtausendwechsel begannen die Magnetbänder zu leiern und sich von den Spulen abzuwickeln, bis das Laufwerk schließlich komplett den Dienst verweigerte. Andere hätten das Gerät zu diesem Zeitpunkt auf den Wertstoffhof in Rente geschickt; nicht aber so Wortmischers. Tochter 1.0 machte aus der Not eine Tugend und verschenkte das noch funktionsfähige Radio zu Weihnachten an Tochter 3.0, die sich fortan stundenlang mit Drehknopfzapping und Radiosenderhopping zu beschäftigen wusste.
Wir springe in den April 2006. Wortmischers ziehen um. Der ehemalige Radio-Kassettenspieler hat mittlerweile auch seine ausziehbare Chromantenne eingebüßt und gibt nur mehr signalstarke Programme regionaler Sender wieder – unterlegt von ätherischem Rauschen, als handle es sich um SOS-Rufe extraterrestrischer Raumfahrer. (Böse Zungen behaupten, dies liege vorwiegend an der Aussprache hessischer Radiomoderatoren. Ich enthalte mich hier einer eigenen Meinung.)

Aber wussten Sie schon, dass man abgebrochene Teleskopantennen mit Hilfe von etwas Blumendraht und einer Kombizange funktional durchaus ersetzen kann? Sieben weitere Jahre lang, bis in die vergangene Woche hinein, stand das Rumpfradio im wortmischerschen Badzimmer auf dem Ablagesims. Der Empfang war auf einen einzigen Sender beschränkt, da sich zuletzt der Einstellknopf gelöst hatte. Bei der ultimativen Sendersuche mittels einer Spitzzange, brach auch noch die Achse ab, so dass das Radio über seine letzten Jahre hinweg ausschließlich mit der Zunge von Bayern 2 sprach.
Trotz allem hörten wir ihm zu. Soviel Wertschätzung erfährt hier beileibe nicht jedes Familienmitglied, soviel sei an dieser Stelle gesagt. Aber seit dem Jahreswechsel wollte die Stromversorgung nicht mehr so wie wir. Das Kabel steckte, wurde nach einem Anfangsverdacht sogar ersetzt, aber trotzdem gingen alle paar Minuten die Lichter aus und der Apparat verfiel in beleidigtes Schweigen. Wir haben ihn dann im siebzehnten Lebensjahr einschläfern lassen.
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Seit dem Wochenende steht in unserem Badezimmer so eine neumodische Kiste, ein Internetradio. Man kann mit diesen Dingern geschätzt mindestens eineinhalb Millionen Radiosender weltweit empfangen. Heute Morgen durfte ich beim Zähneputzen den Verkehrsmeldungen rund um Barcelona in katalanischer Sprache lauschen. – Ich sage Ihnen: Herrlich entspannend!
Ich bin ein großer Fan der Menschheit. Wer mich ankotzt, das sind die Leute.
~ Susanita Clotilde Chirusi (Freundin von Mafalda)
„Beatles oder Stones?“ – Wenn mich die Erinnerung nicht trügt, gab es zu meiner Sturm- und Drangzeit nur zwei Gruppen musikalisch interessierter Jugendlicher: einerseits diejenigen, die sich musikalisch als Fans der Rolling Stones outeten, und auf der anderen Seite die Gefolgschaft der Beatles. So wie beim Münchener Fußball: Bayern oder Sechz’ger. Ein Übergang zwischen beiden Fraktionen war quasi nicht vorhanden. Ich habe in den Sechzigern und Siebzigern immer beide Britbands gerne gehört, aber wenn ich ehrlich bin, dann muss ich zugeben, dass in meinem Plattenschrank zwar fast alle Alben der Beatles standen, aber kein einziges der Stones.
Mein Lieblingsbeatle war übrigens George Harrison. Der ist zwar immer weitgehend untergegangen zwischen den Egos von Lennon und McCartney, war aber hinter dem Vorhang oft stilprägend. George hat den Pilzkopf abgeschafft, war der erste der Fabs, der einen fetten Schnauzer trug – damals übrigens Inbegriff der Popkultur! Außerdem war Harrison derjenige, der den von mir in höchstem Maße verehrten Ravi Shankar, die Sitar und generell das Thema „Bewusstseinserweiterung“ (öhöm…) an seine Bandkollegen herangetragen hatte.
Aber ich erzähle wahrscheinlich Sachen, die Ihr alle längst selbst wisst. Auf jeden Fall – so finde ich – wurde George Harrison Zeit seines Lebens unterschätzt, zurückhaltend und still wie er nun mal war. Mir war er damals jedenfalls Vorbild und musikalischer Fixstern. Am Montag wäre George siebzig geworden, wenn er sich nicht zu Tode gequarzt hätte vor über zehn Jahren.

Ich höre gerade die Harrison-Songs der Beatles durch, allen voran meinen absoluten Favoriten mit der schluchzenden Gitarre: While My Guitar Gently Weeps; und wundere mich dabei, dass meine zweite Fastenwoche so sang- und klanglos an mir vorübergegangen ist. Ich habe kein Hungergefühl mehr nach dem Aufstehen, und seit einigen Tagen ist auch der Appetit auf Abendessen nach Feierabend verflogen. Dass mein Körper keine Nährstoffe zu verbrennen hat, merke ich allerdings ab neun Uhr abends, wenn ich zu frösteln beginne. – Just keep on walking!
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Fastentage: 14
Gewicht: minus 3 kg
Herr Gandalf kam gerne ins Auenland,
weil er hier stets willige Mädchen fand,
die ihm einen bliesen,
dem magischen Riesen.
Auf Augenhöh‘ ihnen sein Riemen stand.
Disclaimer: Nein, die Entbehrungen der Fastenzeit haben mich noch nicht überschnappen lassen. Ich stand auch nicht betrunken an einer Hotelbar neben dem Herrn Brüderle, als ich den Schweinkram-Limerick textete. Und dieser Blog wurde auch nicht von Hackern der Pornoindustrie gekapert.
Vielmehr habe ich mich literarisch von Isabel Bogdan und ihren Mitstreitern inspirieren lassen, die auf besonderen Wunsch eines einzelnen Herrn dabei sind, eine Sammlung schweinischer Gedichte im Versmaß des Limerick zusammenzutragen.
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Ergänzung, Strophen 2 und 3:
Als Bilbo in Bruchtal die Elben sah,
wusst‘ er überhaupt nicht, wie ihm geschah:
Es ist unbestritten,
dass wer Elbentitten
sieht, ist auf einmal dem Orgasmus nah.
Herr Tolkien, ein Autor aus Bloemfontein,
Mythologe und prüde und gar kein Schwein,
drehte um sich im Grab,
als es Limericks gab
über Gandalf und Bilbo und gar nicht fein.
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Update Strophe 4 – Was damals wirklich am Schicksalsberg in Mordor geschah:
Am Penis trug Frodo den Ring,
durchsichtig wurdé der Halbling.
Doch Gollum erkannt‘ es
und biss ungenant es
am Schaft ab – mit Ring! – Frodos Ding.

Während Gott der Allmächtige am Dienstagabend im Himmel auf dem Sofa fläzte, in Fifty Shades of Grey las und sich dazu eine Familienpackung Vanilleeis reinpfiff, saß ich auf einem hölzernen Hocker an der Küchentheke und leerte das achte Glas Sprudelwasser des Abends.
Die Schwäbische Bierbrauerdiät läuft soweit ganz gut. Bin erstaunt, dass ich morgens nicht mehr Hunger habe als sonst auch, obwohl ich mich die ganze erste Woche über strikt daran gehalten habe, nach 15 Uhr nichts mehr zu essen. Nicht einmal am Sonntag, zur neunzigsten Geburtstagsfeier der wortmischerlichen Großtante, habe ich am Nachmittag das Kuchenbuffet angerührt oder mir abends eines der belegten Brötchen geschnappt und heimlich auf der Toilette verschlungen. – Bin einigermaßen stolz auf mich.
Nur am Montag habe ich kurz vor Mittag in der Fabrik zwei Finger breit Sekt geschlürft, um auf die Schwangerschaftsmeldung der Kollegin anzustoßen. Das ist okay, finde ich; es gibt hier ja sonst keinen Anlass zur Fröhlichkeit. – Die Abende zu Hause allerdings, die gehen so ganz ohne Feierabendbierchen ein wenig an die Nerven. Habe mir deshalb für die ersten Wochen richtig viele Termine an der Wortmischerkinderschule aufbürden lassen und zwinge mich an inhäusigen Feierabenden, Zeugs aufzuarbeiten, um das bisher alle einen großen Bogen gemacht haben. Spätestens um halb zehn ist dann die Lust auf Stulle und Bier verflogen.
Mein Vorteil gegenüber Gott: Ich laufe nicht Gefahr, mir Anpfiffe von der Schmerzdame einzuhandeln.
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Fastentage: 7
Gewicht: minus 2 kg