Schnell reitet der Tod. Man kann mit ihm nicht verhandeln, keine Termine verbindlich vereinbaren, auf Einhaltung dieser bestehen. Als Kontrapunkt zu all der bräsigen Leichtigkeit, die sich in den vergangenen Wochen hier breit gemacht hat, reitet er heran und gibt seinem Rappen die Sporen.
Die wortmischerliche Mutter liegt völlig unerwartet und heftig in Agonie. Deshalb werfe ich gerade mal aus dem Nichts heraus den Büttel hin, lasse Fabrik, Wortmischerei und Freunde ohne Vorwarnung im Stich. Ich will sie nochmal sehen, die Mutter, die mir vor gut einem halben Jahrhundert das Leben geschenkt hat. Hoffentlich komme ich noch zur rechten Zeit. Drückt mir die Daumen.

(Die elektronischen Schlüssel zur Wortmischerei übergebe ich im Vorüberlaufen an die gute Frau Annette, die die kommenden Tage oder Wochen oder was weiß ich ein Argusauge auf den Benimm der Besucher werfen und sofern notwendig auch Wasserstandsmeldungen abgeben wird. Gehabt Euch wohl.)

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Drei Achterl gehen immer

Ja, ich stelle mir vor, dass wir hier langsam aber sicher allen freundlichen Lesern auf die Nerven gehen mit unserer Fußballerei. Es tut mir leid. Aber was sein muss, das muss sein. Und bald haben wir das Ganze ja auch überstanden.

Ich habe gestern den sich abzeichnenden Getränkeengpass behoben. Nicht dass wir hier arg viel bechern würden, aber die McMahons bevorzugen eben irischen Whiskey am Spieleabend, Frau Annette ist (Weiß-)Weintrinkerin und ich will Bier zum Fußball. Na ja, das Achtelfinale werden wir überstehen mit dem, was ich besorgt habe.
Eigentlich müsste ich froh sein, dass meine spanischen Freunde ihren angekündigten Besuch zur Endrunde kurzfristig abgesagt haben. Bin ich aber nicht. Stellen Sie sich nur vor, was für ein Ambiente das hier in der Wortmischerei gegeben hätte! Dafür hätte ich auch gerne noch eine Schale mit Sangría angerührt. Eigenhändig.

Zum Thema #brexit sind hier übrigens alle ziemlich tiefenentspannt. Herr McMahon bringt die Stimmungslage auf den Punkt: „Selber schuld. Ich habe nichts anderes erwartet. Stur wie Maulesel, das war noch nie eine große Liebe.“ – Auf den möglicherweise trotzdem anstehenden Rosenkrieg warten wir noch.

Die große Liebe?

Der Abschiedskuss …

Frau Annette stößt an

Hallo? Muss ich hier wirklich ein weiteres Mal das Maul aufmachen? Langsam wird das ja etwas albern. Ich sage wieder nur: Boateng! Mein Nachbar. Wenn Özil & Co. noch nicht mal geschenkte Elfmeter im Tornetz unterbringen, dann macht das notwendige Tor der heimliche Chef der Mannschaft eben selbst. Gell, Jérôme, mein Schätzchen? Ja, das Verteidigerduo Boateng und Kimmich sind inzwischen die auffälligsten Angreifer im Team. Das würde mich an Stelle von Thomas Müller und Mesut Özil ganz schön giften. Und ich wette sogar darauf: Das tut es längst.

Ach? Ihr findet, ich sollte ein wenig milder sein? Schließlich hätten ja auch Supermario mal den linken Zeh hingehalten zum 2:0 und dieser Julian Draxler das 3:0 gemacht?
Na danke. Wenn der hoffnungslos unterlegen Gegner dann eh schon in Agonie versinkt, dann wäre es schon mehr als peinlich, wenn da nicht noch was gegangen wäre. Das Spiel geholt hat aber nicht der Sturm sondern die Abwehr. Boateng. So. Und jetzt hat der Wortmischer gerade eine Runde italophilen Averna kredenzt. Salute, amici.

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Michel Platinis Unterhosen

Ich bitte um Ihre Aufmerksamkeit für eine kurze Meldung aus Frau Annettes Sekretariat. Ihr könnt Eure E-Mailanfragen einstellen, denn hier kommt die Erklärung zu Annettes Abschlusssatz von vorgestern: „Mir gefällt die Unterhose von Michel Platini.“

Diese zunächst gewagt klingende Aussage geht zurück auf ein kurzes Video, das im Fernsehen nach der Übertragung Schland-Nordirland angespielt wurde. 32 Sekunden aus dem Jahr 1986, als die Franzosen Brasilien im Viertelfinale der WM in Mexiko ausschalteten.

Und damit zurück in die Sendezentrale.

Frau Annette stößt an

Marco ArnautovicEs tut mir wirklich leid um Euch, liebe Nachbarn. Da können die isländischen Moderatoren noch so schrill im Diskant quieken, bis man meint, einem Ferkel auf der Schlachtbank zu lauschen; ich jedenfalls vergieße Tränen um Euch. Als Gruppenletzter ausgeschieden. Und ich hatte Euch doch zu Anfang auf meiner Liste der Geheimfavoriten stehen. Arg schad. Oder um es mit den Worten von Herzog Rudolf IV. zu sagen: Gräme Dich nicht, tu felix Austria.

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Großkampftag

Voodoo an der Käsetheke

Es ging heute Morgen schon gut los im Supermarkt. Die Fleischfachverkäuferinnen trugen indianische Kriegsbemalung im Schland-Style auf den Wangen und bearbeiteten französische Käsespezialitäten mit westafrikanischen spirituellen Praktiken. Ich brauche Serranoschinken, Manchegokäse, Eier, Kartoffeln und Stangenweißbrot für pan con tomate. Heute Abend ist Großkampftag in der Wortmischer-Arena: um sechs spielen die Deutschen und anschließend um neun die Spanier.

#GERNIR hört sich eher nach einem kriegerischen Gott der Asen an als nach einer Fußballbegegnung; nach so einem Trollkörprigen, der einhändig mit einer riesigen Doppelstreitaxt gemeine Sterbliche scheitelt. Diese Vorstellung gibt dem allgegenwärtigen Gerede über Gernir einen besonderen morbiden Reiz.
(Bei der Aussprache von #ESPCRO hingegen läuft man Gefahr, die eigene Zunge zu verschlucken. Wahrscheinlich redet hier deshalb niemand über die zweite Partie des Tages.)

Ortstermin, 18.30 Uhr: Ein vergrätzter und ziemlich regenfeuchter Wortmischer trifft verspätet zu Hause ein, wo er von Herrn und Frau McMahon* und Frau Annette jubelnd empfangen wird. Deutschland führt 10:0! … Ach nein, doch nicht. Deutschland hat locker zehn todsichere Torchancen komplett versemmelt.

Zeitgleich bringt ein Nachbar vorbei: ein Päckchen von Frau Lakritze, die einen freundlichen Gruß schickt; eine Hand voll Trüffelpralinen aus Italien (ist das etwa eine sportliche Anspielung?) und einen Allesöffner!

Der Allesöffner!

„Woher weiß die Dame, dass Du mehr Schwielen an der rechten Hand hast als ein albanischer Schwarzarbeiter?“, fragt Frau Annette verblüfft, aber ich winke ab und herzlich dankend hinüber zu Frau Lakritze. Danke sehr, das Ding funktioniert ja sagenhaft gut. Gurkengläser werden künftig kein Hindernis mehr für mich sein ;-}

Frau Annette stößt an

Stärkster Mann auf dem Platz im Deutschlandspiel: Der irische Torhüter Michael McGovern.
Ein Minikommentar zum Rest des Spiels, denn Löw und Boateng haben sowas von recht: Was für eine gnadenlos ineffiziente Sturmtruppe. Gegen einen anderen Gegner als die fröhlichen aber drittklassigen Nordiren wären die Deutschen heute zweifel- und hoffnungslos abgesoffen wie einst Käpt’n Ahab am Harpunenseil. Vollkommen unerklärliche Jubelchöre aus der TV-Kommentatorenecke. Hätte ich dem deutschen Team heute ein Arbeitszeugnis zu tippen, es stünde drin: Sie waren stets bemüht.

War da noch was? Spanien gegen Kroatien? Pst, sagt bitte nichts. Der Wortmischer sitzt dort hinten in der Ecke und weint leise in sein Fabregas-Trikot.

P. S.: Mir gefällt die Unterhose von Michel Platini.

*) Künstlernamen. Pseudonyme. Weil unüberhörbare Affinität zu Irland vorhanden.

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Apropos Micky Maus

Minnie Maus

Während der gestrigen Googelei nach Herrn A*ki und der Micky Maus bin ich in den Tiefen des Internetzes auf ein Foto gestoßen, das ich Euch beim besten Willen nicht vorenthalten kann. Ich weiß leider nicht, wer diese Aufnahme geknipst hat, aber sein Humor ist schlichtweg einzigartig.

Frau Annette stößt an

Ja, wir haben uns bisher ziemlich gut amüsiert mit der EM. Selbst wenn in sportlicher Hinsicht der Fußball nichts hergab, wie zum Beispiel bei der deutsch-polnischen Begegnung, haben wir immerhin andere Themen gefunden, mit denen man sich durchaus auch mal beschäftigen kann.

EM-Hools 2016

Und dann sehe ich gestern solche Bilder in den Nachrichten. Unten auf dem Rasen brennen Leuchtraketen, oben auf den Rängen prügeln sich die Zuschauer.
Damit wir uns nicht missvertehen, ich finde sowas abartig, völlig bescheuert und komme aus dem Kopfschütteln kaum raus. Aber richtig überrascht bin ich nicht. Das gehört inzwischen zum Fußball wie die Torjubelabfeierei.

Wenn ich aber daran denke, dass die Hools den ganzen Kram ja irgendwie trotz aller Sicherheitsmaßnahmen ins Stadion verschafft haben müssen, dann wird mir schummrig. Was, wenn statt Feuerwerk jemand eine solide Rohrbombe mitbringt? So richtig im Griff haben die Sicherheitskräfte die Sache wohl kaum. Ich muss gerade an die Olympiade 72 in München denken und es wird mir eng im Hals. Hoffentlich geht das alles gut …

(Ist heute nicht mein Tag, Entschuldigung.)

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Being Steve A*ki

Steve AoinkiWas macht ein überarbeiteter Vater an einem verregneten Samstagvormittag? – Er fläzt sich aufs Sofa, liest die Wochenzeitung, streamt sich einen gepflegten Krimi auf die Mattscheibe, lernt etwas über die aktuellen Helden der Jugend. Die Tochter 3.0 war vor ein paar Wochen auf dem Big City Beats Festival und lauschte dort unter anderem einem gewissen Steve A*ki, dem strahlenden Star der hippen DJ-Szene. Kennen Sie den Mann? Ich jedenfalls bis heute Morgen noch nicht. Obwohl er mit dieser Frisur durchaus auch als Held meiner Jugend durchgehen hätte können. Als Drummer einer Band zum Beispiel. DJs mit Promistatus gab es damals ja noch nicht.

Auf jeden Fall kam Tochter 3.0 letzthin nach Hause und erzählte, ihr Liebster brauche unbedingt so ein A*ki-T-Shirt. Als Geburtstagsgeschenk. Mega-in, das Teil. Gibt es aber nicht zu kaufen. Mir schwante schon, worauf das hinauslief.
Heute Morgen googelte, instagrammierte und twitterte ich. Dann waren Bleistift, Fineliner und Edding meine Freunde, und ich strichelte eine A*ki-Maus.

Micky Aoinki #workinprogress

*) Natürlich heißt der Mann nicht A*ki. Aber um einen Ansturm von googlenden Fans auf diesen beschaulichen Winkel des Netzes zu vermeiden, ziehe ich es vor, an Stelle eines o ein Sternchen zu verwenden.

Frau Annette stößt an

Gestern haben wir den Wortmischer schmählich im Stich gelassen bei der EM-Übertragung seines Lieblingsteams, der Furia Roja, gegen die Türken. Ich weiß, sowas macht man nicht unter Freunden. Aber nach dem vorangegangenen deutsch-polnischen Abend war ich leider unpässlich. Doch als ich dann vor dem Betthupferl noch die Zusammenfassung des Spiels gesehen habe, da wusste ich: Unsere Absenz war nicht nur ein sozialer Lapsus. Wir hatten es zudem versäumt, den künftigen Europameister zu sehen.

Andres IniestaDa war er nämlich wieder, dieser kleine Kerl, der mir schon in früheren Turnieren aufgefallen war. Hauptsächlich wegen seiner ungesund gräulich-grünen Gesichtsfarbe. Man denkt immer, gleich wird er auf dem Platz zusammenklappen mit Hirnschlag, Herzinfarkt oder durchbrechendem Magengeschwür, und dann wuselt der sich durch, tanzt durch die gegnerische Abwehr und schlägt Pässe, bei denen Kroos, Schweinsteiger und Kedira vor Neid noch blasser werden als dieser Andres Iniesta selbst. (Herrn Erdogans Gesichtsfarbe habe ich gestern Abend zwar nicht gesehen. Aber ich bin mir sicher, dass im Vergleich zu ihm alle vier genannten Spieler wie das blühende Leben ausgesehen haben werden.)

Eines ist jedenfalls klar: Ich werde kein Spiel der Spanier während dieser EM mehr versäumen. Du kannst schon mal die Tapas vorbereiten, liebster Wortmischer ;-)

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